Fahrradboxen-Test

Sicher parken: Ab in die Kiste mit dem Rad

An Bahnhöfen kann man sein Velo im Schließfach verstauen. Unser Reporter machte den Test.

Morgenpost-Redakteur Lorenz Vossen testet die Fahrradbox am Hauptbahnhof

Morgenpost-Redakteur Lorenz Vossen testet die Fahrradbox am Hauptbahnhof

Foto: Christian Kielmann

Die Zukunft des Fahrradparkens liegt etwas versteckt unter der Eisenbahnbrücke. Erst nach einer Runde um den Hauptbahnhof werde ich fündig: Zwölf graue Kästen, je zwei übereinander gestapelt. Hier also kann ich mein Rad trocken und sicher abstellen, so lautet das Versprechen des Anbieters. Ich habe den Test gemacht:

Am Vorabend habe ich mich auf der Homepage der „Bike and Ride Box“ registriert und eine Box reserviert. Dieser Weg ist der einzig mögliche, wenn man das Angebot nutzen will. Für 24 Stunden gehört die Box jetzt mir, gezahlt wird per Kreditkarte oder Paypal. Vier der Boxen können täglich (acht Euro) oder monatlich (25 Euro) gebucht werden, die anderen gibt es nur zur Jahresmiete von 195 Euro.

Die Box lässt sich mit einer Pin öffnen und schließen

Vor Ort muss ich an einem Terminal mit der zugesandten Prüfnummer meine Registrierung bestätigen und die PIN eingeben. Wie von Geisterhand öffnet sich meine Box, die sich in der oberen Etage befindet. Ich ziehe die Schiene aus dem Fach, wuchte mein Rad darauf und schiebe alles wieder hinein. Ohne ein bisschen Muskelkraft wäre das allerdings schwierig. Zum Verschließen der Box gebe ich wieder die PIN ein.

Zehn Minuten habe ich für die erstmalige Nutzung der „Bike and Ride“- Box benötigt. Und ein paar Schwierigkeiten bemerkt: Mein Fahrrad hat eine Rahmengröße von 26 Zoll und passt von der Höhe gerade so in die Box. Bei einem 28-Zoll-Rad müsste man wohl den Sattel abmontieren. Die Registrierung am Terminal war etwas unverständlich. Und obwohl bis auf eine Box laut Homepage alles frei sein müsste, leuchten an vielen rote Lämpchen.

Zahl der Fahrraddiebstähle ist gestiegen

Erfreulich aber ist, dass mein Fahrrad mit großer Wahrscheinlichkeit immer noch an seinem Platz steht, wenn ich zurückkomme. Das war nicht immer so: In den letzten sieben Jahren wurden mir drei gestohlen. Damit liege ich im Trend: 2015 stieg die Zahl der Fahrraddiebstähle in Berlin um fünf Prozent auf 32.244. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote der Polizei auf unter vier Prozent. Dass es in der Stadt an sicheren Abstellmöglichkeiten fehlt, ist kein Geheimnis. Fahrräder werden angekettet, wo es geht: Laternen, Schilder, Bäume. Die Abstellprobleme hätten sich in den letzten Jahren „erheblich verstärkt“, räumte der Senat Anfang des Jahres ein. Geht es nach der Initiative „Volksentscheid Fahrrad“, bräuchte Berlin 200.000 neue Stellplätze.

Besserung verspricht der Senat in Form der „Strategie Fahrradparken“, die nach der Wahl beschlossen werden soll. In diesem Rahmen beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe auch mit abschließbaren Abstellmöglichkeiten, die vor allem an Bahnhöfen zum Einsatz kommen könnten. Denn das sogenannte Bike and Ride – mit dem Fahrrad zum Bahnhof, dann weiter mit Zug oder Bus – wird immer intensiver genutzt. Bis zu 60.000 neue Bike-and-Ride-Stellplätze sollen in den nächsten Jahren entstehen, aktuell sind es weniger als die Hälfte. Zuletzt wurden am Bahnhof Pankow 300 sogenannte „Doppelstock-Fahrradparker“ installiert. Ein System, ähnlich dem der „Bike and Ride Box“, nur ohne Box. Weitere werden laut Verkehrsverwaltung folgen.

„Fahrradhostels“ an drei Bahnhöfen

Auch andere Systeme sind möglich. Im Rahmen des Projekts „Pedlec-Korridor“ – einer Art Schnellstraße für Elek­trofahrräder im Südwesten – will der Senat noch in diesem Jahr Abstellanlagen für die Bahnhöfe Zehlendorf, Krumme Lanke, Mexikoplatz und Wannsee ausschreiben. Denkbar sind Fahrradparkhäuser, aber auch abschließbare Boxen. Noch sind jene wie am Hauptbahnhof, die von der Firma Kienzler Stadtmobiliar aus dem Schwarzwald betrieben werden, eine Rarität. An drei weiteren Bahnhöfen hat das Start-up easy velo sogenannte Fahrradhostels aufgestellt.

Selbstversuch am Südkreuz. Wie bei der Konkurrenz erfolgt die Buchung digital, in diesem Fall über eine App. Bislang ist sie nur für Android-Geräte verfügbar, eine Version im Apple App Store soll folgen. Dafür ist der Preis günstiger: 50 Cent für die erste Stunde, 50 Cent für die nächsten 23 Stunden. Höchstens ein Euro am Tag also. Dazu bietet easy velo einen Versicherungsschutz bis zu 1000 Euro an, den es bei der „Bike and Ride Box“ nicht gibt.

Einfache Bedienung, günstiger Preis

Am Südkreuz stehen die zehn grünen Boxen auf dem Hildegard-Knef-Platz. Sie sind kreisförmig angeordnet, eine zweite Etage gibt es nicht. Nach der Buchung öffnet sich mein „Fahrradhostel“ per Knopfdruck auf dem Smartphone. Ich muss das Rad am Vorderreifen an einen Haken hängen, Sekunden später wird es in die Höhe gezogen, steht dann senkrecht in der Box. Zum Öffnen ist ebenfalls nur ein kurzes Tippen auf dem Smartphone nötig. Die gesamte Bedienung fällt mir leichter als bei der Anlage am Hauptbahnhof, auch mit der App komme ich gut zurecht.

Noch sind es nur Pilotprojekte, die für beide Betreiber ein Verlustgeschäft bedeuten. „Finanzieren lässt sich das Angebot eigentlich nur, wenn es von den Kommunen gefördert wird“, sagt Matthias Allgeyer von Kienzler. Doch für die „Bike and Ride Box“ am Hauptbahnhof erzielte das Unternehmen keine Einigung mit dem Bezirk Mitte. Stattdessen stellt die Deutsche Bahn die Fläche, Kienzler betreibt auf eigene Kosten. Ebenso easy velo, das die Flächen in Karlshorst und Lichtenberg vom Bezirk gestellt bekam. „Wir wollen zunächst herausfinden, wie die Berliner kostenpflichtiges Fahrradparken annehmen“, sagt Geschäftsführerin Claudine Oldengott. Bei easy velo sind die Boxen bisher kaum belegt, bei Kienzler wurde nur eine für ein Jahr angemietet.

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