Sanierung

Berlin baut bis 2018 an 53 Brücken

Im kommenden Jahr werden 23 Brücken saniert. Mindestens 32 Millionen Euro stehen dem Land dafür zur Verfügung.

Senator Andreas Geisel (SPD) sprach am Dienstag über Sanierungsmaßnahmen an Berliner Brücken

Senator Andreas Geisel (SPD) sprach am Dienstag über Sanierungsmaßnahmen an Berliner Brücken

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / dpa

Berlin Für Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) ist es ein „riesengroßer Kraftakt“, für Bauexperte Thomas Schmidt vom Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg „die Rechnung dafür, dass die vergangenen Jahre nur gespart wurde“. Die Sanierung vieler für den Verkehr wichtiger Berliner Brücken ist eine Mammutaufgabe und ein ebenso kostspieliges wie langwieriges Vorhaben. So werden allein in diesem Jahr an 19 der insgesamt 1085 Berliner Brücken größere Baumaßnahmen ausgeführt, im nächsten Jahr sind 23 weitere Brückeninstandsetzungen und Ersatzneubauten geplant, 2018 stehen zudem elf Brückenprojekte auf dem Plan.

Hinzu kommen in den nächsten Jahren auch zahlreiche Baumaßnahmen an Brücken im Zuge der Arbeiten an den Bundesautobahnen. So steht im Rahmen der geplanten Erneuerung der A111 beispielsweise auch der dringend erforderliche Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke auf der langen Liste der Bauvorhaben. Die mit 930 Metern längste und 55 Jahre alte Straßenbrücke Berlins ist derart baufällig, dass sie dringend durch einen Neubau ersetzt werden muss. Ein Baubeginn ist laut Angaben der Senatsverkehrsverwaltung aufgrund der dafür erforderlichen Verkehrskonzepte frühestens 2022 möglich. Um die Verkehrssicherheit bis dahin zu erhalten, wird deshalb der Fahrbahnbelag in den beiden nächsten Jahren erneuert.

Arbeiten für zwei wichtige Großprojekte starten 2016

Wie Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Dienstag bei der Präsentation der laufenden und geplanten Brückenbaumaßnahmen mitteilte, starten in diesem Jahr auch noch die Arbeiten für zwei wichtige Großprojekte. Ende September beginnt der Rück- und Neubau des Kreuzungsbauwerkes über die Avus an der Autobahn­anschlussstelle Zehlendorf. Ende November soll zudem der Abbruch der bereits gesperrten alten Salvador-Allende Brücke in Köpenick beginnen. Dieses Großprojekt ist wegen halbseitiger Bauweise – um den Verkehr aufrechtzuerhalten – bis zum Jahr 2020 terminiert. Als Kosten dafür sind 37 Millionen Euro veranschlagt.

Anders als der Landesrechnungshof, der zuletzt im Mai dieses Jahres Missmanagement und Fehlplanungen der Verwaltung für den schlechten Zustand der Brücken verantwortlich machte, verwies der Leiter des Tiefbauamtes, Lutz Adam, gestern auf andere Gründe. Die meisten älteren Brücken seien damals unter anderen Voraussetzungen geplant worden. „Wir haben heute viel mehr Verkehr und zudem auch weitaus mehr Lasten als zu Baubeginn der Brücken ursprünglich berechnet wurden“, erklärte Adam.

Die Brücken der Hauptstadt sind aus Sicht des Senats größtenteils in einem guten Gesamtzustand. „Brückenbauwerke gelten als die sichersten Bauwerke, weil sie regelmäßig überprüft werden“, sagte Andreas Geisel (SPD). Wie der Stadtentwicklungssenator mitteilte, liege die Zustandsnote bei durchschnittlich 2,3 für alle Berliner Brücken (Noten von 1 bis 6). Von den insgesamt 1085 Brücken in Berlin wird in diesem Jahr an 19 Bauwerken gearbeitet. Aus Sicht des ADAC ist diese Sanierung aber nur „Schadensbegrenzung“. Ein Sprecher warnte gestern, dass manche Brücken aufgrund ihres schlechten Zustands kurzfristig gesperrt werden könnten. Man könne nur hoffen, dass die Rudolf-Wissell-Brücke der A100 auch wirklich bis zur Beendigung der Bauarbeiten im Jahr 2022 durchhalte.

Im kommenden Jahr soll an 23 Brücken gebaut werden, darunter Brücken der Autobahnen A111 und A115. Für Autofahrer bedeutet das: Fahrbahnsperrungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen. Als Landesmittel stehen für die Brückensanierung in diesem Jahr 30,7 Millionen Euro zur Verfügung, im kommenden Jahr 32 bis 33 Millionen Euro.

Personalmangel für lange Bauzeit verantwortlich

Dass manche Arbeiten bis zu vier Jahre dauern, führte Geisel auf Personalmangel zurück und darauf, dass der Verkehrsfluss nicht zu stark beeinträchtigt werden dürfe. Teils müssten auch neue Verkehrskonzepte erarbeitet werden.

Die Zahl der Mitarbeiter im Tiefbau seien deutlich zurückgegangen – von 600 vor mehreren Jahren auf mittlerweile 250, betonte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD). Im Bereich Brückenbau habe der Senat unterdessen zusätzlich acht Mitarbeiter fest und drei Mitarbeiter für Projekte befristet eingestellt. Da es zudem sehr schwer sei, Brückenbauingenieure zu bekommen, habe man für die Qualifizierung von zehn Mitarbeitern Stellen für ein Duales Studium geschaffen.

Laut Senatsverwaltung ginge es zwar schneller, die betroffenen Brücken abzureißen und neu aufzubauen. Dies würde aber auch ein Verkehrschaos mit sich bringen, sagte Geisel. An den Brücken, die in diesem und kommendem Jahr saniert werden, gebe es keine akuten Sicherheitsmängel, aber Untersuchungen hätten gezeigt, dass „jetzt etwas passieren muss“.