Lohfink-Prozess in Berlin

Ex-Manager: „Gina-Lisa war gut drauf, hat mich geküsst“

Vor dem Amtsgericht in Berlin hat Sebastian Castillo Pinto ausgesagt. Er bestreitet, Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt zu haben.

Sebastian Castillo Pinto hat den Vorwurf zurückgewiesen, Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt zu haben

Sebastian Castillo Pinto hat den Vorwurf zurückgewiesen, Gina-Lisa Lohfink vergewaltigt zu haben

Foto: Jörg Carstensen/dpa

Als der Sebastian Castillo Pinto angekündigt wurde, verließ die Angeklagte Gina-Lisa Lohfink weinend den Saal. Der 33-jährige Pinto ist einer der wichtigsten Zeugen in diesem Prozess, in dem sich die als Ex-„Germanys next Topmodell“ bekannt gewordene Lohfink wegen falscher Verdächtigung verantworten muss.

Er ist einer der beiden Männer, die sie nach Meinung der Staatsanwaltschaft zu Unrecht beschuldige, sie im Juni 2012 mit K.o.-Tropfen betäubt und gemeinschaftlich vergewaltigt zu haben.

Die 29-Jährige war schon fast zusammengebrochen, als sich die Prozessbeteiligten zum Beginn des Prozesstages Videosequenzen der vermeintlichen oder mutmaßlichen Vergewaltigung anschauten. Sie hatte geschrien, geschimpft. Noch schlimmer wurde es als sie den Namen Sebastian Castillo Pinto hörte. Der hagere, vor Gericht total überdreht wirkende Zeuge sah sich erst suchend um, als er den Saal B129 des Moabiter Kriminalgerichts betrat. „Es ist nicht einmal der Satz gefallen: Hör auf, stopp, ich möchte keinen Sex“, sagte er. Es sei zwar richtig, dass Lohfink in seiner Wohnung auch mal „hört auf“ gesagt habe. Da sei es aber nur um Handyaufnahmen gegangen.

>>>Wer ist im Prozess Täter, wer ist Opfer?<<<

Kennengelernt hatte er Lohfink durch seinen damaligen Freund Pardis F. Im Szeneclub Maxxim, wo Pinto als VIP-Betreuer beschäftigt war. Er sei dann wie üblich so gegen vier Uhr nach Hause gegangen, erinnerte sich Pinto. Wenig später habe ihm Pardis F. per Handy mitgeteilt, dass er jetzt mit einer Frau zu ihm komme und sie sich zu dritt noch „einen schönen Abend“ machen würden.

Kurz darauf standen Paris F. und Lohfink vor der Tür. Die damals 25-Jährige habe „euphorisch, lebenslustig, gut gelaunt und freizügig“ gewirkt und auch sofort mit einem Strip begonnen. Anschließend habe es „stundenlang Sex gegeben“. Erst zu dritt, später, nachdem Pardis F. die Wohnung gegen Mittag verlassen habe, zu zweit.

Lohfink soll sogar noch einen Taxifahrer beauftragt haben, zwei Flaschen Champagner zu holen. Gegen 17 Uhr habe schließlich auch sie seine Wohnung in der Passauer Straße verlassen. „Sie war gut drauf, hat mich noch umarmt und geküsst“, sagte Pinto. Abends sei er noch von Lohfinks Managerin angerufen worden. Sie habe ihn aufgefordert, am nächsten Tag mit Lohfink nach Mallorca zu fliegen. Sie sei sehr angetan von ihm und wolle ihn dabei haben. Er habe das abgelehnt, weil er ja wieder im Maxxim arbeiten musste.

Lohfinks Anwälte beantragten nach der Aussage von Pinto eine Frau als Zeugin zu hören, die ein ähnliches Schicksal erlitten habe wie ihre Mandantin. Die 35-jährige Elena H., Officemanagerin in einem Bundesministerium erzählt, wie sie im Jahr 2004 in der Diskothek Ku’Dorf Pinto zufällig getroffen und er ihr ein Getränk spendiert habe.

Sie wisse nur noch, so die Zeugin, dass sie etwa zwölf Stunden später in ihrer Wohnung aufgewacht sei, mit Schmerzen im Unterleib. Und ihr sei sofort aufgefallen, dass ihre beiden Handys ausgeschaltet waren. Pinto habe neben ihr gelegen. Als sie fragte, was geschehen sei, soll er geantwortet haben: „Wir haben viel Spaß gehabt.“

Später habe sie bei Angestellten im Ku’Dorf nachgefragt, ob jemandem etwas aufgefallen sei. Ein Türsteher habe ihr erzählt, dass sie gemeinsam mit Pinto die Diskothek durch einen Hintereingang verlassen habe und sehr betrunken gewesen sei.

Anzeige wegen Vergewaltigung nachgereicht

Richterin Antje Ebner fragte die Zeugin, warum sie damals nicht sofort Anzeige erstattet habe, „das ist ja das Horrorszenario schlechthin“. „Ich habe mich geschämt. Ich habe ein stückweit gedacht, ich habe da auch selber Schuld“, antwortete die Zeugin. Als sie von Lohfinks Anzeige gegen Pinto hörte, habe sie Kontakt mit Lohfinks Managerin aufgenommen. Da sei aber noch nichts passiert.

Nachdem sie von Pintos Interview im Fernsehen hörte, wo er alles abstritt und sich über Lobfink mokierte, habe sie sich noch einmal an die Managerin gewandt. Sie fürchte immer noch, jetzt in den Fokus der Medien zu geraten, sagte sie. „Aber ich wollte einfach nicht, dass so ein Mensch auch noch rum läuft und Frauen bezichtigt, sie würden lügen.“ Ob das dem Prozess eine Richtung gibt, bleibt abzuwarten.

Gehört wurde zum Abschluss des dritten Verhandlungstages auch die Mitarbeitern einer Sonderabteilung des Landeskriminalamtes, die sich ausschließlich mit sexuellem Missbrauch und Vergewaltigungen beschäftigt. Die 36-jährige Claudia P. gab zu Protokoll, dass Lohfinks damaliger Anwalt Heiko Klatt zunächst nur eine Anzeige wegen der Verletzung der Persönlichkeitsrechte seiner Mandantin erstattet hatte. Da ging es einzig um die Videosequenzen, die nach der gemeinsam verbrachten Nacht ins Internet gestellt wurden. Erst rund zwei Wochen später sei die Anzeige wegen Vergewaltigung quasi nachgereicht worden. Sie hätten dann Monate gebraucht, um Lohfink dazu vernehmen zu können, weil diese immer wieder andere Termine hatte, so die Beamtin.

Ob sie auch die Videosequenzen gesichtet habe, wollte Richterin Antje Ebner wissen. Claudia P. bejahte das: Alle drei Personen seien angetrunken gewesen. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich jemand bedroht fühlte.“ Es sei zwar „nicht besonders würdevoll“ gewesen, wie die Männer mit Frau Lohfink umgegangen seien. „Ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dass da etwas gegen ihren Willen geschah.“ Wie lange sie schon in dieser LKA-Abteilung tätig sei, wollte Richterin Ebener wissen. „Zehn Jahre“, antwortete Claudia P., seitdem bearbeite sie ausschließlich Sexualdelikte. Der Prozess wird am 22. August fortgesetzt.