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Stadler Rallye 2017

Das macht Lust auf Frühling…

Erinnern Sie sich noch an die Stadler Rallye 2017? Hier geht's zur beliebtesten Tour - "Zum Lido des Berliner Südens".

Von Blankenfelde geht es heute über Zossen nach Wünsdorf, einem Ort mit Geschichte. Was Landschaft und Wege angeht, ist die 65 Kilometer lange Strecke sehr abwechslungsreich. Von unbefestigten, aber gut befahrbaren Waldwegen über perfekt ausgebaute Radtrassen bis zu Alleen, die man mit Autos teilen muss, ist alles dabei. Wer wie ich mit einem E-Bike vom Zweirad-Center Stadler unterwegs ist, hat allerdings auf allen Wegen gut lachen und wenig zu strampeln.

Das Seebad Rangsdorf war schon in den 30er-Jahren beliebt

Der erste Streckenabschnitt führt zum Seebad Rangsdorf, bis dahin können wir uns an der Ausschilderung des Radweges 4 orientieren, der Zülow-Route. Es geht vor dem Parkhaus am Bahnhof nach rechts die Karl-Marx-Straße hinunter, wir folgen der Biegung und fahren gleich wieder links die Erich-Klausener-Straße bis zum Kreisverkehr. Dort biegen wir erneut links in die Bahnhofstraße ein, die nach Dahlewitz führt. Bald zweigt rechts die Waldstraße ab, die in einen Naturlehrpfad übergeht, der uns zur Nordspitze des Rangsdorfer Sees und diesen entlang bis zum Seebad Rangsdorf bringt. Das beliebte Strandbad galt schon in den 1930er-Jahren als „Lido des Berliner Südens“.

Der Marktplatz und die Dreifaltigkeitskirche sorgen für idyllisch-verschlafenes Kleinstadtflair

Die erste Etappe führt nach Zossen. In östlicher Richtung gehen Seebadallee und Kientzer Straße ab, bis zu einem ersten und dann einem zweiten Kreisverkehr. Von dort aus steuern wir Großmachnow an. Das letzte Stückchen nehmen wir schon die B96, neben der bis Zossen fast durchgängig ein perfekter Radweg verläuft, auf dem man gefahrlos den Turbogang des E-Bikes ausprobieren kann. In Zossen bietet sich eine kleine Stadtrunde an, der hübsche Ortskern ist seit 2016 vollständig saniert. Ein Stadtpark am Nottekanal, der Marktplatz und die Dreifaltigkeitskirche sorgen für idyllisch-verschlafenes Kleinstadtflair, das man von einem Café oder Restauranttisch genießen kann.

Von Zossen geht es nach Wünsdorf, dem Höhepunkt der Tour. Am östlichen Ende der Stadt führt die Straße der Jugend nach Süden, ihr folgen wir bis zur Ecke Fritz-Jaeger-Allee. Die geht es nach links, an der T-Kreuzung Zehrensdorfer Straße biegen wir dann rechts ab. Kurz vor der Zeppelinstraße befinden sich links und rechts der Straße ein „Bunker-Shop“ und ein Info-Point der an der Ecke befindlichen „Bunkerstadt“. Die riesigen Bunkeranlagen, die dort von den Nationalsozialisten errichtet wurden, dienten der Heeresleitung als Kommandozentrale und wurden später von den sowjetischen Truppen genutzt. Von dort aus starten Führungen über das sonst gesperrte Gelände.

Im Sportmodus fährt man ohne große Anstrengung 25 Kilometer pro Stunde schnell

Weiter geht es über die Zehrensdorfer Straße, die Gutstedtstraße oder den Glashüttenring in die Waldstadt. Oberhalb der Hauptallee steht dort eine nahezu vollständige Militärstadt aus Kasernen, Kasinos, Wohn- und Lazarettgebäuden, deren Ursprünge bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückreichen. Einen Abstecher zum interkonfessionellen Friedhof Jägersberg-Schirknitzberg, einem einmaligen Kulturdenkmal in Deutschland, sollte man nicht auslassen. In Wünsdorf kann man sich eine Weile aufhalten, wer früh losgefahren ist, hat alles richtig gemacht. Im Prinzip fängt dort der Rückweg an. Auf dem erwarten uns pittoreske Dörfer und luftige Strecken über weite Felder. Man sollte also noch Energie haben, am besten im Akku seines E-Bikes. Im Sportmodus fährt man ohne große Anstrengung 25 Kilometer pro Stunde schnell. So werden die verbleibenden Kilometer zu einer leichten Übung mit großem Vergnügen.

Es geht nach Westen über die Chausseestraße nach Klausdorf am Mellensee. Dort liegt eine Bäckerei am Weg, in der noch selbst gebacken. Rechts führt die Zossener Straße parallel zum Mellensee nach Norden, wird zur Klausdorfer und schließlich zur Luckenwalder Straße, an der das alte Gasthaus Mellensee steht, eine wunderschöne, 1910 errichtete Villa, ein Mix aus Fachwerk und Jugendstil.

Die Scheunenwindmühle funktioniert mit einer Art Windrad, das hinter Scheunentoren verborgen ist

An der Kreuzung weist ein Schild den Weg zur Scheunenwindmühle in Saalow. Von Weitem sieht man bereits eine Windmühle, die zwar sehr hübsch, aber nicht die berühmte Scheunenwindmühle ist. Die steht etwas weiter auf dem Dorfplatz und kann auch schon mal übersehen werden, denn sie hat keine typischen Windmühlenflügel. Die Scheunenwindmühle funktioniert mit einer Art Windrad, das hinter Scheunentoren verborgen ist. Die Scheunenwindmühle ist die einzige auf der Welt. Gebaut wurde sie in den 1860er-Jahren in Sachsen (geöffnet: 1. April - 31. Oktober, sonntags).

Über den Horstweg Saalow geht es nach Gadsdorf hinein und an der Ecke zum Kietz/Schünower Weg scharf rechts gleich wieder hinaus. Ein einsamer Weg führt schnurgerade übers Feld. Wir radeln den Asphaltweg bis zum Ende, den nächsten nach links und kommen mit einem herrlichen Blick in die Weite nach Nunsdorf, nehmen die Nunsdorfer Straße und biegen hinter dem Gutspark rechts auf den Wietstocker Weg. Der trifft auf die Groß Schulzendorfer Straße und nun geht es immer gerade zu durch Groß Schulzendorf und Jühnsdorf bis zurück nach Blankenfelde.

Das Tour-Highlight: 80 Jahre wechselvolle Militärgeschichte

Wünsdorf, heute Ortsteil von Zossen, hat eine herausragende militärhistorische Bedeutung. Seit 1913 war die Stadt Stationierungsort für Armeetruppen, bis zum Abzug der Sowjetarmee 1994. Zunächst wurde dort die Königlich Preußische Infanterieschule eingerichtet, im Ersten Weltkrieg Truppen und Lazarett untergebracht. Später begann in Wünsdorf heimlich die vom Versailler Vertrag verbotene Wiederaufrüstung. Die Nationalsozialisten errichteten weitere Kasernen und weitläufige Bunkeranlagen, die dem Oberkommando des Heeres als Feldquartier dienten.

Es gibt in Wünsdorf drei hochinteressante Anlaufpunkte. Die Bunkeranlagen gehören zu den größten in Deutschland. Erhaltene Spitzbunker oder das nebenan gelegene Garnisonsmuseum stehen Besuchern täglich offen. Wesentliche Teile der Anlagen kann man nur im Rahmen von Führungen besuchen, Infos: buecherstadt.com/de/bunker.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Waldstadt, ein weitläufiges Ensemble von Kasernen- und Militärbauten verschiedener Epochen. Dazu zählen die ehemalige Hindenburgkaserne, das alte Lehrklassengebäude der Panzertruppenschule, das zum Stabsgebäude der alliierten sowjetischen Truppen umgebaut wurde, das ehemalige Offizierskasino (heute Bürgerhaus) oder das Lazarett.

Die dritte Sehenswürdigkeit ist der Ehrenfriedhof Zehrensdorf, auf dem Christen, Moslems, Hindus und Sikhs nebeneinander bestattet wurden. Sie sind die toten Soldaten eines Kriegsgefangenenlagers des Ersten Weltkrieges. Darunter waren auch Muslime, mit denen die Heeresleitung Pläne hatte: Durch Gewährung von Privilegien, wollte man sie „umdrehen“ und für den Kampf auf deutscher Seite gewinnen.

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