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Abwärme

Fernwärme: Energie sinnvoll nutzen

KPM Berlin liefert die Abwärme aus dem Brennprozess als Fernwärme in die Nachbarschaft – mithilfe von Vattenfall.

Glücksfall: KPM produziert im Kiez – und die Anwohner profitieren von der überschüssigen Energie

Glücksfall: KPM produziert im Kiez – und die Anwohner profitieren von der überschüssigen Energie

Foto: Thomas Rosenthal/Vattenfall

Es ist schon verwunderlich: In zwei Brennvorgängen sind die Rohlinge rund 30 Stunden lang extrem hohen Temperaturen ausgesetzt. Beim halbstündigen Glattbrand sind es maximal sogar bis zu 1400 Grad. Und dennoch kommt am Ende der Prozedur kein verkohlter Klumpen zum Vorschein, sondern reinweißes Porzellan. Dessen zarter Schimmer begeistert die Menschen bereits seit rund 1400 Jahren, als die ersten hochfeinen Keramiken aus einem chinesischen Brennofen gezogen wurden. In Berlin ist es die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM), welche diese Handwerkskunst bereits seit 1763 in Ehren hält: Seitdem Friedrich der Große beschloss, das weiße Gold auch in der preußischen Hauptstadt fertigen zu lassen.

Abwärme aus den Brennprozessen

Dass der ehemalige Hoflieferant jedoch nicht nur traditionsbewusst, sondern auch der Zukunft zugewandt ist, zeigt das neueste Investitionsprojekt des Hauses: „Wir sind jetzt nicht mehr ausschließlich eine Porzellan-Manufaktur, sondern zusätzlich auch eine Wärme-Manufaktur“, sagt Jörg Woltmann, Inhaber der KPM. Der Hintergrund: Die Manufaktur hat sich mit dem Wärme-Anbieter Vattenfall zusammengetan und hat eine Anlage für die Wiederverwertung der Abwärme aus dem Brennprozess installiert. Denn beim Brennen entsteht viel Hitze, die bis vor Kurzem nicht genutzt wurde. Dank der neuartigen Anlage hat sich dies geändert. Seit vergangenem Jahr speist die KPM Berlin Wärme in das Berliner Fernwärmenetz ein. „Die Brennöfen sind mit einer Wärme-Rückgewinnungsanlage gekoppelt. Immer, wenn Porzellan produziert wird, erhitzen sie dabei heißes Wasser auf rund 110 Grad Celsius. Das Heizwasser fließt an den Wärme-Übertrager der Hausübergabestation und dann als CO2-freie Wärme ins Berliner Fernwärmesystem“, erklärt Gunther Müller, Vorstandschef der Vattenfall Wärme Berlin.

Co2-frei duschen

Das überschüssige Wärmepotenzial von KPM liegt bei etwa 1.000 Kilowatt. „Das sorgt insgesamt für 150.000 CO2-freie heiße Duschen pro Jahr“, so Müller. Und auch KPM-Chef Woltmann findet ein schönes Bild für den Beitrag seines Unternehmens zur Klimawende: „Drei Porzellan-Currywurstschalen sorgen jetzt für eine CO2-freie heiße Dusche in Berlin.“ Ein schöner Erfolg für die Unternehmen und für die Stadt.

Denn in Berlin ist die Nutzung industrieller Abwärme eine Herausforderung, da die Stadt über wenige Industriestandorte verfügt. Darüber hinaus müssen zur sinnvollen Nutzung der Abwärme die Temperaturen und die Hydraulik zusammenpassen. Das ist nur bei wenigen Unternehmen der Fall. „Die Kooperation mit KPM soll Signalwirkung haben, weitere Wärmequellen zu integrieren. Dabei wird ebenso Handarbeit nötig sein wie bei der Herstellung des KPM-Porzellans“, sagt Vattenfall-Vorstand Gunther Müller. „Jede geeignete Wärmequelle wird besondere technische Herausforderungen offenbaren. Gerade deswegen ist es gut und richtig, jetzt damit anzufangen und das Abwärmepotenzial der Berliner Unternehmen möglichst schnell und umfassend zu heben.“

Mit der Hauptstadt verbunden

Das langfristige Ziel des Energieunternehmens ist es, dazu beizutragen, innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben zu ermöglichen. Und dazu arbeitet es gerne mit Unternehmen vor Ort zusammen. „Als zukunftsweisendes Traditionsunternehmen bezieht sich unser Qualitätsanspruch nicht nur auf das Produkt, sondern auch auf die Herstellung“, betont Jörg Woltmann. „Durch die Kooperation mit der Vattenfall Wärme ist diese nun noch effizienter, grüner und auf besondere Weise mit der Infrastruktur unserer Heimatstadt verbunden. Das bedeutet uns viel.“

Auf dem Weg:

Als eines der größten Energieunternehmen Europas will Vattenfall ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation ermöglichen. Die Nutzung industrieller Abwärme ist ein Schritt auf dem Weg dahin. Es genügt jedoch nicht, nur auf eine Wärme- und Stromerzeugung ohne fossile Brennstoffe zu setzen. Deshalb möchte das Unternehmen dazu beitragen, dass auch andere Bereiche und Branchen ohne fossile Ressourcen auskommen können. Mehr unter: vattenfall.de/fossilfrei


Nachhaltig produzieren

Porzellan und Energieerzeugung – eine auf den ersten Blick kuriose Kombination. Wie kam es dazu?

Jörg Woltmann: Beide Unternehmen verbindet die gemeinsame Heimat – Berlin. In der Porzellanherstellung wird beim Brennen viel Energie benötigt und da lag es natürlich nahe, dass man mit einem regionalen Partner kooperiert.

Was mussten Sie unternehmen, damit drei Porzellanschalen die Energie für eine CO2-freie Dusche liefern können?

Hier haben die Experten von Vattenfall und KPM sehr eng miteinander gearbeitet. Unsere Brennöfen wurden mit Anlagen versehen, die es ermöglichen, die entstehende Prozessabwärme in Fernwärme für das Berliner – genauer gesagt das Charlottenburger – Fernwärmesystem einzuspeisen.

Die Energiewende geht weiter – gibt es noch weitere Pläne in diese Richtung?

Uns ist viel daran gelegen, dass die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin nach wie vor nachhaltig produziert. Um dies zu gewährleisten, überprüfen wir regelmäßig unsere bestehenden Prozesse und verändern ein paar Stellschrauben.

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