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170 JAHRE GASAG

Immer wieder neu erfunden

Stadtgas, Erdgas, regenerative Energien – Die GASAG im Wandel

Foto: Rolf Schulten/GASAG (2)

"Wir waren die Leute, die das Gas gemacht haben", sagt Jürgen Bittner stolz. Der Ingenieur arbeitete von 1970 bis zur Schließung des Gaswerks Mariendorf 1996 auf dem Gelände. Noch heute lebt er in einem der roten Backsteinbauten und erinnert sich gerne zurück an seine Zeit – an das West-Berlin, das ebenso stolz war wie Bittner, selbst in Insellage genug Gas herzustellen. "Nie hat uns auch nur ein Kubikmeter Gas gefehlt", berichtet Bittner.

Die Geschichte der GASAG begann jedoch viel früher. Am 1. September 1847 gründeten sich die Städtischen Gaswerke, aus denen später die GASAG hervorgehen sollte. In den Folgejahren spielte Gas eine immer wichtigere Rolle – nicht nur in der Straßenbeleuchtung, sondern auch für die Industrie, das Handwerk und in Privathaushalten, wo nunmehr warmes Wasser aus Boilern floss und der Gasherd seinen Siegeszug antrat.

Stadtgas wurde aus Steinkohle und Koks in Werken hergestellt, die über ganz Berlin verteilt waren. Nachts füllten sich die Gasometer kontinuierlich. Tagsüber und abends, wenn das meiste Gas gebraucht wurde, leerten sie sich zusehends. Immer neue Leitungen wurden benötigt, das Gasnetz wuchs in alle Richtungen.

Stadtgas wurde kontinuierlich sicherer

Dabei war die Produktion nicht ganz risikofrei. Um alle Verbrauchsspitzen abdecken zu können, wurden auch Gase mit niedrigerem Brennwert eingesetzt, die dann durch die Beimischung von Butan den Brennwert von Stadtgas erreichten. "Vor Butan hatte ich großen Respekt", sagt Bittner. Besondere Sicherheit war die wichtigste Maxime im Umgang mit Gas. Noch 1922 explodierte mitten in der Weddinger Sellerstraße ein Gasometer. Bittner selbst kann sich sehr gut an einen Zwischenfall im März 1978 erinnern, damals hatte ein Hochdruck-Kugelgasbehälter ein Leck. "Geht's ab wie bei Münchhausen auf der Kanonenkugel?", fragte er sich um vier Uhr morgens. Doch mit Hilfe seiner Kollegen gelang es ihm schnell und sicher, den Schaden zu beheben.

Gasspeicher wurden während des Zweiten Weltkriegs umfunktioniert. Der 1936 stillgelegte Gasometer in der Fichtestraße beispielsweise wurde zum Luftschutzbunker.

Höherer Bedarf forderte Innovationen

Nach dem Krieg teilte sich der Weg. Im Westen blieb die GASAG bestehen, im Osten wurde der VEB Gasversorgung, später der VEB Energiekombinat gegründet. Durch höheren Bedarf wurden neue Verfahren nötig. Zunächst wurde das Gas aus Leichtbenzin hergestellt. Später spielte das Stadtgas eine immer geringere Rolle und wurde durch Erdgas ersetzt.

Nach der Wiedervereinigung wuchsen beide Unternehmen zu einer Einheit, die sich heute nicht nur auf Erdgas, Strom, Wärme und Kälte spezialisiert. Auch in regenerative Energien wie Windkraft, Biomasse und Solarenergie investiert die GASAG und macht sich so nach 170 Jahren fit für die Zukunft, damit sie ein innovatives Unternehmen bleibt.

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