Messegelände

Freude bei den Autoliebhabern: Oldtimer-Messe startet

Unter dem Funkturm findet die Messe „Motorworld Classics Berlin“ von Donnerstag bis Sonntag statt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Dass alte Autos eine Seele haben, davon ist Ulf Schulz überzeugt. „Klar wird man auch mal dafür belächelt“, sagt der 39-Jährige. Aber dass sein Lieblingsauto bisher nie liegengeblieben ist, liege eben auch daran, dass er es jeden Morgen begrüßt und auch gerne mal über den dunkelblauen Lack streichelt. Der Wagen, den seine zweijährige Tochter liebevoll „Bucki“ nennt, ist ein sogenannter Buckelvolvo aus den 1960er- Jahren. Ohne Klimaanlage und Radio, aber dafür mit „eigener Aura“, wie Schulz sagt.

Für den Sammler und Autowerkstatt-Besitzer sind die Fahrzeuge weit mehr als ein Hobby. Als Projektleiter organisiert er die Oldtimer-Messe „Motorworld Classics“, die von Donnerstag bis Sonntag auf dem Messegelände unter dem Funkturm stattfindet. Auf rund 45.000 Quadratmetern werden in zehn Hallen unter anderem Oldtimer, Sportwagen und klassische Motorräder präsentiert. Bei der im Stil der 1920er- bis 1950er-Jahre gestalteten Messe werden rund 200 Aussteller aus Deutschland und Nachbarländern wie Polen, England und Schweden vertreten sein.

Zum Auftakt der Veranstaltung, die in diesem Jahr in die vierte Runde geht, findet am Donnerstagabend von 17 bis 22 Uhr die „Lange Nacht der Oldtimer“ statt. Bei Swing und Jazz wollen die Veranstalter vor historischer Kulisse zu einer Zeitreise einladen.

Die schönsten Exponate und Outfits werden ausgezeichnet

Die Mitarbeiter erscheinen zu der Messe im Retro-Look und auch die Gäste werden gebeten, stilecht zu erscheinen. Erwartet werden am Donnerstagabend Prominente wie der Boxer Axel Schulz und auch Motorsportlegende Heidi Hetzer sich mit ihrem neuen Buch „Rasant leben“ angekündigt.

Am Sonnabend und Sonntag können sich die Besucher jeweils von 9 bis 18 Uhr über klassische Automobile informieren und auch ihre eigenen historischen Fahrzeuge in dem 20.000 Quadratmeter großen Sommergarten parken. Bei der Einfahrt in den Sommergarten werden alle Fahrzeuge von Moderator und Szene-Kenner Johannes Hübner begrüßt.

Highlights der Messe sind das kleinste Auto der Welt, ein großes VW-Bulli-Treffen unter dem Funkturm und das Automobil-Kunstprojekt „BMW Art Car“ von Andy Warhol. Beim ersten „Concours de Nonchalance“ messen sich junge Klassiker-Fahrer, die zusammen mit ihren Autos nicht mehr als 60 Jahre alt sind. Darüber hinaus werden die schönsten Exponate in den Kategorien „Dit Originalste“, „Dit Seltenste“ und „Dit Knuffigste“ und „Dit Beste“ ausgezeichnet. Das beste nostalgische Outfit wird beim „Style-Contest“ gekürt.

Die Liebhaber von Zweirädern dürfen sich wieder auf besondere Motorrad-Highlights im „Maschinenraum“ und „Motodrom“ freuen. Der Teilemarkt, auf dem Ersatzteile, Zubehör angeboten werden, findet ebenfalls wieder statt. Er wird 2018 eine eigene Halle mit rund 2.500 Quadratmetern erhalten. Auch Oldtimer-Clubs widmet die Messe einen eigenen Bereich. Solche, die ihren Messestand unter ein selbst gewähltes Motto stellen, nehmen automatisch an dem Clubwettbewerb teil. Eine Jury wird die drei schönsten und originellsten Stände mit einem „Berliner Bären“ auszeichnen.

Mit dem Sohn im VW-Käfer quer durch ganz Europa reisen

Einer der Aussteller ist in diesem Jahr Sascha Keilwerth (46) mit seinen hellblauen VW-Käfer aus dem Baujahr 1967. Unter den Oldtimern des Berliners, deren Gesamtalter er auf rund 600 Jahre schätzt, ist es sein Lieblingsauto. „Als mich damals meine Freundin vor die Tür gesetzt hat, habe ich die Sitze nach hinten geklappt und in dem Wagen geschlafen“, sagt der Ingenieur und Kfz-Meister.

Mittlerweile sei der Käfer eine Art Familienmitglied – mit seinem Sohn Leonard (7) nimmt er damit regelmäßig an Rallyes teil. „Wenn man seinem Kind frühzeitig die Liebe zum Auto beibringt, wird es später kein Geld mehr für Drogen haben“, sagt Keilwerth. Sobald sein Sohn 18 Jahre alt ist und einen Führerschein hat, will er mit ihm im VW Käfer gemeinsam auf Europareise gehen.

„Bei den Oldtimern geht es darum, gemeinsam Ziele zu erreichen und Spaß zu haben“, sagt Sascha Keilweth. Im Gegensatz zu modernen Fahrzeugen seien sie zeitlos und robust. „Autos, die heute gebaut werden, fahren vielleicht 40 Jahre. Oldtimer sind auch im 100 Jahren noch in Schuss“, so der 46-Jährige. Heutzutage würde bei den Fahrzeugen die Form oft der Funktion folgen. Damals sei das anders gewesen, sagt Ulf Schulz. „Damals gab es zwischen den Designern noch einen Wettkampf darum, wer das schönste Auto baut. Heute sieht eins aus wie das andere“, sagt er. Mit der Oltimer-Messe will er außerdem zeigen, dass sich durchaus auch junge Leute für die Fahrzeuge begeistern können und es nicht nur ein Hobby für Reiche ist.

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