1. Mai in Berlin

Proteste gegen AfD-Fest in Pankow

Hunderte Polizeibeamte begleiteten den Zug der Demonstranten. Die AfD sieht in dem Aufzug einen Affront.

Der Demonstrationszug gegen das AfD-Fest startete am S-Bahnhof Blankenburg.

Der Demonstrationszug gegen das AfD-Fest startete am S-Bahnhof Blankenburg.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Ein Sperrkreis von 50 Metern und ein Großaufgebot der Polizei trennten am Nachmittag des 1. Mai die Teilnehmer des Bürgerfests der Pankower AfD in Alt-Blankenburg von etwa 500 Demonstranten, die angetreten waren, „die völkische Party zu crashen“.

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Diese Parole rief eine Sprecherin des Protestzugs mehrfach per Lautsprecher aus, während sich die Gruppe mit Teilnehmern der Antifa, der Linkspartei und Mitgliedern der Grünen am Mittag vom S-Bahnhof Blankenburg zur Dorfkirche bewegte. Man wolle verhindern, dass die AfD am „braunen Haus von Blankenburg“, wie das Büro von Demonstranten genannt wurde, ihr Netzwerk ausbauen können, schrie die Sprecherin.

Zusammenstöße sollten von Anfang an verhindert werden

Schon am Vormittag begann ein Großaufgebot der Polizei den dörflichen Pankower Ortsteil Blankenburg massiv zu sichern. Von Anfang an wollte man Zusammenstöße zwischen Teilnehmern des Bürgerfestes der Pankower AfD und linken Gegendemonstranten unterbinden. Ein Polizeihubschrauber überwachte den Demonstrationszug und die Kundgebung in Alt-Blankenburg aus der Luft.

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Hunderte Polizeibeamte begleiteten den Zug auf jedem Schritt. Der Pankower AfD-Abgeordnete Christian Buchholz, einer der Gastgeber des Festes, nannte den Aufzug linker Gruppen in der Nähe des Büros einen Affront. „Wir möchten hier nur ein Europa-, Familien- und Bürgerfest veranstalten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Europawahl“, beschrieb er das Anliegen seiner Partei. Angedacht seien harmlose Programmpunkte wie Kutschfahrten, Kinderschminken, Hüpfburgspringen und Bratwurstessen.

Auch die Pankower SPD rief dazu auf, gegen das Fest zu protestieren

Politische Akzente wollten die drei Europawahlkandidaten der Partei, Michael Adam, Nicolaus Fest und Thorsten Weiß setzen – zeitgleich mit der Kundgebung der Gegendemonstranten. Auch die Pankower SPD hat dazu aufgerufen, in Blankenburg gegen das Fest zu protestieren. Es gehe darum, „ein Zeichen gegen die politische Verrohung durch die AfD, gegen Rassismus und Nationalismus und für ein weltoffenes und vielfältiges Pankow zu setzen“, hieß es im Aufruf.

Die AfD sei ein Sammelbecken für Rassisten, Nationalisten und Rechtsextreme. Eine Ansicht, für die es auf dem Bürgerfest der AfD kein Verständnis gab. „Sie versuchen, uns auf die Pelle zu rücken und interessierte Bürger, die unser Fest besuchen wollen, abzuschrecken“, meinte Christian Buchholz.

Jeder Besucher des Festes wurde mit höhnischen Parolen begrüßt

Tatsächlich begrüßten die Demonstranten jeden Besucher des AfD-Bürgerfests mit höhnischen Parolen. Sie riefen mit Sprechchören auch dazu auf, die Hüpfburg auf dem Festgelände zu enteignen - und der Partei die Ponys wegzunehmen.

Viele der Protestrufe richteten sich gegen den AfD-Politiker und Unternehmer Andreas Geithe, der im Gebäude in Alt-Blankenburg Räume an Abgeordnete seiner eigenen Partei vermietet. Aus Sicht der Antifa handle es sich bei Geithe um einen Vertreter der „rechten Creme de la Creme.“ Er soll früher der rechtsextremen Nationalistischen Front angehört haben – so lautet der Vorwurf.

AfD-Politiker Andreas Geithe gab keine Stellungnahme ab

Geithe selbst war auf dem Festgelände für Stellungnahmen nicht zu erreichen. Dafür nahm der Abgeordnete Christian Buchholz Geithe in Schutz und sprach von einer „Schlammschlacht und systematischen Verleumdung“ gegen seinen Parteifreund. Die Quellen, die Geithe als Mitglied der Nationalistischen Front ausweisen, seien äußerst vage.

Auch den Vorwurf der Vetternwirtschaft wies Buchholz vehement zurück. „Wir zahlen für unsere Bürgerbüros in diesem Haus regulär Miete“, teilte der Abgeordnete mit. Außerdem müsse man ständig Schäden beheben, die von Unbekannten angerichtet werden.