Tag der Arbeit

1. Mai in Berlin: Demonstration im Zeichen Europas

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Tausende ziehen für internationale Einheit, bessere Arbeitskonditionen und gegen ungleiche Wohlstandsverteilung zum Brandenburger Tor.

Berlin. Vor der Mai-Nacht war die Demonstration. Rund 13.000 Menschen aus vielfältigen politischen Bewegungen nahmen am Mittwoch an der traditionellen 1. Mai-Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zum Brandenburger Tor und dem dortigen Straßenfest teil.

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Zentrale Themen auf Transparenten und in den Reden auf dem Platz des 18. März war in diesem Jahr neben besseren Arbeitskonditionen, der Berliner Wohnungssituation und ungleicher Wohlstandsverteilung vor allem die europäische Zukunft.

Die Gewerkschaften hatten die Veranstaltung nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Wahl am 26. Mai unter das Motto „Europa. Jetzt aber richtig!“ gestellt.

Soundcheck und Fahnen vor dem Start

An der Spandauer Straße nahe dem Hackeschen Markt sammelten sich die Teilnehmer. Während Veranstaltungswagen für Musiker und Lautsprecheranlagen ihren Soundcheck machten und Verdi-Vertreter Fahnen verteilten, war ein beliebter Treffpunkt ein Kaffeestand, an dem die Berliner SPD nach wüstem Regenfall wärmende Getränke ausschenkte.

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Gefragt, warum sie an diesem Tag auf die Straße gehe, sagte dort Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, sie stamme aus einem Elternhaus, das auf Essen von der Berliner Tafel angewiesen gewesen sei. Deshalb wisse sie, wie privilegiert sie inzwischen sei. Sie setze sich für Anerkennung von Arbeitsleistung ein.

Bekenntnis zu Europa

Der ehemalige Kulturstaatssekretär Tim Renner trug unter der Windjacke einen blauen Pullover mit Europafahne. „Dafür gehe ich auf die Straße: Gerechtigkeit ist ein europäisches Thema. Und das setzen wir nur gemeinsam durch“, so Renner.

Gegen zehn Uhr startete der Umzug mit zunächst 8000 Teilnehmern, darunter Innensenator Andreas Geisel (SPD). In Hinblick auf befürchtete Ausschreitungen zeigte er sich zufrieden, dass es in der Nacht zuvor ruhig geblieben war.

Luftballons für die Familien

Die Anliegen, die die Demonstranten nach Mitte geführt hatten, waren höchst unterschiedlich. Zehar (39) und Katharina (29) gehören zum Sekretariat des DGB Frauen und waren mit Dutzenden bedruckter Luftballons unterwegs, die gerade bei Familien begehrt waren.

„Wir sind hier, um gegen Rassismus und Diskriminierung und für Gleichstellung und Europa zu demonstrieren“, sagte Zehar. Student André sammelte indes Unterschriften für den Antrag auf ein Volksbegehren mit dem Ziel „Deutsche Wohnen & Co enteignen“.

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Nicht nur der 29-Jährige, auch weitere Aktivisten sammelten am Mariannenplatz in Kreuzberg und bei der Demonstration in Grunewald.

Leistung von Polizei und Feuerwehr gewürdigt

Die 77-jährige Ursula war in gelber Weste für die Initiative „Aufstehen“ dabei. „Ich habe für diverse Forderungen Unterschriften zusammengetragen“, sagte die Wilmersdorferin. „Dabei stellt man erst fest, wie viel Frust in der Bevölkerung ist.“

Am Platz des 18. März kamen bis zum Mittag weitere 5000 Menschen zur Kundgebung. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke, erklärte auf der Rednerbühne zu Europas Entwicklung: „Wir versprechen, den Kontinent nicht denen zu überlassen, die für Marktradikalität und Rassismus stehen.“

Die stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg sagte: „Wir erwarten von diesem Senat, dass er im Vergabegesetz einführt, dass nur noch Betriebe, die nach Tarif zahlen, öffentliche Aufträge bekommen.“

Regierender Bürgermeister für höheren Mindestlohn

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte vor dem Brandenburger Tor zum Thema Mindestlohn, es sei unerträglich, dass Menschen 30 bis 40 Jahren arbeiteten und danach nicht das Minimum zum Leben hätten.

„Deshalb wollen bis zum Ablauf dieser Legislaturperiode, das heißt in zweieinhalb Jahren, die 12,63 Euro Mindestlohn in Berlin haben“, so Müller.

Er unterstrich, dass nicht alle Demonstrationen an diesem Tag in Berlin und Deutschland friedlich ablaufen würden, und würdigte die Leistung von Polizei, Feuerwehr und Einsatzkräften. „Ich hoffe sehr, dass es uns gemeinsam gelingt, diejenigen, die nicht gewaltfrei demonstrieren, zu ächten und zu sagen: Das wollen wir nicht. Wir wollen ein gewaltfreies Zusammenleben in der Stadt.“

Straßenfest mit Buden und Musik

Laut Berliner Polizei gab es keine größeren Zwischenfälle bei der Demonstration. Bis zum Mittwochabend war auf der Straße des 17. Juni ein Straßenfest mit Buden und Musik angesagt.

Im vergangenen Jahr hatten nach Angaben des DGB rund 14.000 Menschen an den Berliner Veranstaltungen des Gewerkschaftsbundes teilgenommen.

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