42 Festnahmen

Bilanz des 1. Mai in Berlin: 59 verletzte Polizisten

Innensenator Frank Henkel (CDU) zog eine „überwiegend positive Bilanz“. Das Einsatzkonzept der Polizei sei aufgegangen.

Polizisten bei der „Revolutionären 1. Mai Demo“ in Kreuzberg

Polizisten bei der „Revolutionären 1. Mai Demo“ in Kreuzberg

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Am Wochenende des 1. Mai sind in Berlin bei Gewaltausbrüchen von linksextremen Demonstranten 59 Polizisten verletzt worden. Ein Beamter der Bundespolizei brach sich im Einsatz den Fuß und musste im Krankenhaus behandelt werden, teilte die Polizei mit. 45 Beamte hätten Prellungen durch Stein- und Flaschenwürfe erlitten, sechs Beamte Knalltraumata durch Böller. 2015 waren am 1. Mai 39 verletzte Polizisten gezählt worden, 2014 waren es 61.

Die Polizei nahm an beiden Tagen 42 Menschen fest, wie Innensenator Frank Henkel (CDU) am Montag bekanntgab. Ermittelt werde wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands. Auch Polizeipräsident Klaus Kandt zeigte sich insgesamt zufrieden, sagte aber auch: „So lange Polizisten verletzt werden, vermag ich nicht von einem friedlichen 1. Mai zu sprechen. Mein Ziel bleibt ein 1. Mai ohne Verletzte.“

Der 1. Mai verlaufe immer noch nicht ganz friedlich, sei aber weit weg von den früher so heftigen Krawallen. Henkel sprach von einer „überwiegend positiven Bilanz“. Die Polizei habe auf den kurzen, aber heftigen Gewaltausbruch, als Randalierer am Moritzplatz und am Lausitzer Platz Steine und Flaschen warfen, konsequent reagiert.

Der überwiegende Teil der 13.000 Teilnehmer der Maidemos habe politische Botschaften in den Vordergrund gestellt uns sich an das Versammlungsrecht gehalten, so die Polizei. Der weitere Verlauf der Nacht sei ruhig verlaufen. Größere Sachschäden waren nach Angaben der Polizei nicht zu verzeichnen.


Auch die Grünen lobten das "gute, deeskalierende Einsatzkonzept der Polizei" am 1. Mai, übten aber gleichzeitig Kritik an Innensenator Henkel. Es sei unverständlich, warum dieser das Myfest lange blockiert und erst auf den letzten Metern abgesichert habe. Darüber hinaus bemängelten die Fraktionsvorsitzende Ramona Pop und der innenpolitische Sprecher Benedikt Lux den fehlerhaften Digitalfunk während des Einsatzes. Henkel müsse diese "grundsätzliche Schwäche der polizeilichen Infrastruktur" endlich anpacken.

Am Sonntagabend hatte Henkel bereits das Vorgehen der Einsatzkräfte bei der „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ in Kreuzberg gelobt und einen erneuten Gewaltausbruch verurteilt. „Kein Verständnis habe ich für das Verhalten einzelner Gewalttäter nach Ende der Demo.“ Die Polizei sei entschlossen eingeschritten und habe die Lage schnell beruhigt. Rund um den 1. Mai waren in Berlin 6091 Polizisten im Einsatz, davon kamen 2183 aus anderen Bundesländern.

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Nach dem Ende der linksradikalen Demonstration hatten zumeist schwarz gekleidete Teilnehmer die Einsatzkräfte mit Steinen und Flaschen attackiert. Auch betrunkene Touristen sollen unter den Angreifern gewesen sein. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch Polizisten. Sie konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Es gab etliche Festnahmen. Die Beamten waren in die Menge gestürmt und hatten Randalierer herausgegriffen. Die Hauptstadt-Polizei setzte auch in diesem Jahr auf eine Doppelstrategie aus Gesprächen und hartem Durchgreifen bei Gewalt.

Polizeisprecher Stefan Redlich zeigte sich zufrieden, dass es während der Demo der Linksautonomen keine Randale gegeben habe. Der Aufzug unter dem Motto „Grenzenloser Widerstand – gegen Krieg und Kapital“ endete nach einer verkürzten Route am Lausitzer Platz. Die Polizei sprach von etwa 13 000 Teilnehmern, die Veranstalter von 20 000. Im Vorjahr hatten sich etwa 18 000 Menschen an dem Zug beteiligt.

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Zuvor waren Tausende, zum Teil schwarz gekleidete Demonstranten illegal durch das „Myfest“ auf dem Oranienplatz gelaufen. Die Polizei hatte im Vorfeld eine Demonstration durch das Straßenfest aus Sicherheitsgründen untersagt, griff aber nicht ein.

Nach der Spontan-Aktion schloss sich die Menge der „Revolutionären 1. Mai Demonstration“ an. Von diesem Zug war immer wieder Gewalt ausgegangen, die aber in den Vorjahren abnahm. Bei dem riesigen Straßenfest in Kreuzberg feierten Zehntausende friedlich bis in die Nachtstunden.

Im Vorjahr, das als bislang friedlichstes Maifest in Berlin galt, waren in der Walpurgisnacht und am 1. Mai 53 Randalierer festgenommen worden.

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