Mai-Krawalle

Um 19.35 Uhr flog der erste Stein in Berlin

Am 1. Mai ist auch diesmal wieder zu Randalen gekommen. Allerdings fielen diese nach Einschätzung der Polizei weitaus weniger schwerwiegend aus als in den vergangenen Jahren. So gelang es den Autonomen nicht, das Myfest zu stören.

Die Phase der Ruhe hielt an diesem 1. Mai in Berlin lange an. Das „Myfest“ am Mariannenplatz in Kreuzberg mit bis zu 20.000 Besuchern gleichzeitig blieb von größeren Störungen verschont. Auch die „Revolutionäre Mai-Demo“ startete anfangs friedlich, unterbrochen nur von gelegentlichen krachenden Böllern.

Als der Umzug, der mit einstündiger Verspätung erst nach 19 Uhr an der Kottbusser Brücke gestartet war, aber den Hermannplatz erreichte, begannen die Ausschreitungen. Die Gewalt ging in erster Linie von schwarz gekleideten Vermummten aus. Die Zahl der gewaltbereiten Autonomen unter den insgesamt knapp10.000 Demo-Teilnehmern schätzte die Polizei auf 300 bis 400. Genug, um den friedlichen Protest ins Gegenteil zu verkehren. Erst wurden Polizeibeamte mit Feuerwerkskörpern beworfen, dann flogen an der gesamten Umzugsstrecke Pflastersteine. Zwei Banken, ein Textildiscounter und ein Warenhaus waren die ersten Ziele, etliche Schaufenster wurden zerstört. Später schleuderten die Angreifer ihre Wurfgeschosse gegen die Beamten. Die Einsatzkräfte reagierten rigoros, wie zuvor angekündigt. Straftäter wurden gezielt aus der Menge gegriffen und festgenommen. Als die Ausschreitungen überhand nahmen, wurde die Demonstration für beendet erklärt.

Im Schutz der Dunkelheit

Daraufhin zogen viele der Teilnehmer unter strenger Beobachtung der Polizei vom Endpunkt in Neukölln zurück nach Kreuzberg. Die Einsatzkräfte wollten mit ihrer Begleitung verhindern, dass Kleingruppen im Schutz der Dunkelheit randalierten. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe ging diese Taktik weitgehend auf. Am späten Abend waren in Kreuzberg zahlreiche Gruppen unterwegs, darunter auch Angehörige der gewaltbereiten autonomen Szene. Bis auf einen Farbbeutelwurf auf ein fahrendes Polizeifahrzeug an der Reichenberger Ecke Skalitzer Straße blieben neue Zwischenfälle nach dem Demonstrationsende zunächst aus. Ein Beamter bezeichnete die Stimmung allerdings als überaus „aggressiv“ und „polizeifeindlich“.

Anders als bei der „Revolutionären Mai-Demo“ blieb es auf dem „Myfest“ rund um den Mariannenplatz und die Oranienstraße bis zum Abend durchgehend friedlich. Kurz nach 18 Uhr musste die Polizei allerdings einschreiten, als sich am Mariannenplatz etwa 80 Personen eine Schlägerei lieferten. Die Beamten hatten die Lage allerdings schnell unter Kontrolle. Auch ein Spontanaufzug von 400 Linken, die um 17 Uhr auftauchten und über das Gelände des „Myfestes“ zogen, verlief ohne Zwischenfälle. Ein starkes Polizeiaufgebot verhinderte, dass die Menge, die billige Mieten forderte, auch noch in die Seitenstraßen ziehen konnte.

Für die Teilnehmer der 18-Uhr-Demo hatte die Polizei zahlreiche Kontrollstellen rund um den Startplatz an der Kottbusser Brücke eingerichtet. Bei der Demonstration war es in den vergangenen Jahren nach Einbruch der Dunkelheit immer wieder zu Ausschreitungen gekommen. Mit den Kontrollen wollten die Einsatzkräfte verhindern, dass Demo-Teilnehmer Flaschen, Wurfmaterial und Pyrotechnik bei sich hatten. Die Beamten mussten an der Kottbusser Brücke allerdings noch vor dem Start des Demonstrationszuges feststellen, dass sich viele der Demonstranten nach Passieren der Kontrollen in Lokalen und anderen Verkaufsstellen mit Flaschen eindeckten. An der Spitze des Umzuges formierten sich Angehörige des sogenannten schwarzen Blocks, die zum Teil sehr aggressiv auftraten und Menschenketten bildeten. Nach Einschätzungen der Polizei hatten sich etwa 300 als gewaltbereit bekannte Autonome dem Umzug angeschlossen.

Die Polizei war am Sonntag mit mehr als 7000 Beamten im Einsatz. Dabei wurde wieder das Deeskalationskonzept eingehalten. Ein Großteil der geschlossenen Einheiten sowie vorsorglich bereitgestellte Wasserwerfer und Räumpanzer hielten sich im Hintergrund. Dafür waren in Kreuzberg zahlreiche Zivilbeamte unterwegs, um die Situation zu beobachten. Sowohl am Nachmittag wie auch während der Demonstration am Abend kreiste ein Hubschrauber über Kreuzberg.

Die Feiern zur Walpurgisnacht waren im Vergleich zu früheren Jahren relativ friedlich verlaufen. Die Polizei meldete 58 vorübergehende Festnahmen und 13 Platzverweise. 25 Beamte wurden leicht verletzt, einer musste wegen eines Knalltraumas vom Dienst abtreten. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ein.

Rangeleien am Wismarplatz

Während es im Mauerpark in Mitte trotz 1500 Besuchern keinerlei Störungen gab, war es am Wismarplatz in Friedrichshain nach dem Ende einer Konzertveranstaltung zu Rangeleien gekommen. Auslöser waren einige Kleinfeuer, die schnell gelöscht wurden. Randalierer hatten Papiermüll und Plastikbecher in Brand gesetzt. Als die Polizei einschritt, warfen sie Steine und Flaschen. Störer zündeten Böller und versuchten, Beamte mit Reizstoffspray anzugreifen. Die Polizei reagierte konsequent mit Festnahmen und konnte die Lage rasch beruhigen.

Ärger hatten nach 22 Uhr auch einige Besucher des Viktoriaparks in Kreuzberg verursacht, die nach Polizeiangaben mehrere Lagerfeuer entzündet hatten. Als Polizisten dagegen einschritten, wurden sie mit Flaschen und Böllern beworfen. Gegen 0.30 Uhr setzte die Polizei einen Wasserwerfer wegen einer größeren Feuerstelle ein. Zudem gab es in der Nacht zum Sonntag einige Vandalismusstraftaten. Täter hatten an der Kreuzberger Fichtestraße ein Wohnhaus mit Farbeiern beworfen und in Prenzlauer Berg eine Supermarktfassade verunstaltet. In Schönberg hatten Unbekannte die Fenster der Commerzbank am Bayerischen Platz eingeworfen.

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