So war der 1. Mai in Berlin

Polizei hält Randalierer unter Kontrolle

| Lesedauer: 27 Minuten
Michael Behrendt, Dominik Ehrentraut, Andreas Gandzior, Hans H. Nibbrig, Peter Oldenburger, Steffen Pletl, Ulla Reinhard, Maren Wittge

In Kreuzberg flogen Steine, Flaschen, Feuerwerkskörper, ein Polizist wurde schwer verletzt - trotzdem: Die Polizei hielt die Randalierer unter Kontrolle, beherrschte die Lage. Anders als in Kreuzberg verlief der Protest in Prenzlauer Berg am Nachmittag friedlich: Tausende stoppten dort eine Neonazi-Demonstration - ohne Gewalt.

Auch in diesem Jahr ist Kreuzberg am Abend des 1. Mai zum Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Linksautonomen und der Polizei geworden. Einsatzkräfte wurden am Spreewaldplatz über Stunden mit Steinen und Flaschen attackiert, Feuerwerkskörper flogen, eine Barrikade brannte. Steinwürfe hagelte es auch gegen Einsatzfahrzeuge der Polizei. Anders als im Vorjahr zögerte die Polizei nicht und ging massiv gegen Störer rund um den Spreewaldplatz vor. Wasserwerfer fuhren in der Kottbusser Straße als Drohkulisse auf. Mit Schlagstöcken und Pfefferspray wurde die alkoholisierte Menge auseinander getrieben. Bis Mitternacht hatte sich die Lage dann beruhigt.

Mehrere Gewalttäter wurden festgenommen. Es gab Verletzte. Unter ihnen war auch ein Polizist. Er wurde am Rücken schwer verletzt und auf einer Trage in einem Krankenwagen weggefahren. Ein Messerstich, wie zuerst vermutet, war es laut Polizei nicht. Nach dem Täter wird gefahndet. Doch die Gewaltausbrüche waren nicht so heftig wie 2009. Polizeisprecher Frank Millert sagte, es sei etwas friedlicher zugegangen als im Vorjahr.

Auch tagsüber war die Polizei in der Hauptstadt gefordert. Mit einem massiven Aufgebot wurden Zusammenstöße von Rechtsextremisten und Gegendemonstranten verhindert. Begleitet von massiven Protesten und Blockaden zogen etwa 600 Neonazis mit mehreren Stunden Verspätung durch den Stadtteil Prenzlauer Berg. Sie kamen aber nicht weit. Mehrere Tausend Menschen stoppten den Naziaufmarsch bereits nach 800 Metern.

286 Neonazis wurden festgenommen, die sich abseits der genehmigten Demonstrationsroute spontan am Kurfürstendamm in der West-City eingefunden hatten. Die Polizei kreiste sie ein und hinderte die Teilnehmer am Weiterziehen. Bereits am Vorabend des 1. Mai waren zwei Neonazis im Ortsteil Schöneweide festgenommen worden. Sie hatten den Hitlergruß gezeigt, als linke Gegendemonstranten an dem Rechten-Treff „Zum Henker“ vorbeizogen. Dort kamen am Maiabend erneut rund 100 Neonazis zusammen.

So verlief der 1. Mai in Berlin:

0:20 Uhr

Nach den Krawallen in Kreuzberg ist auf dem Internet-Videoportal Youtube ein kurzer Film vom Polizeieinsatz aufgetaucht, dass die Polizei in Erklärungsnot bringen dürfte. In dem Video ist ein Polizist zu sehen, der einen schwarz gekleideten Demonstranten gegen den Kopf ritt. Der Autor des Videos betont allerdings auf Youtube, dass er sonst keinerlei übertriebene Gewalt von Seiten der Polizei beobachtet habe.

23.38 Uhr

Die Lage beruhigt sich - auch wegen des Regens. Die Polizei beherrscht die Situation.

23.04 Uhr

An der Nordseite des Kottbusser Damms zieht die Polizei einzelne Randalierer aus den M