03.02.13

Steuererklärung 2013

So stellen Sie sich auf das Jahr 2013 ein

Mit Freibeträgen und einer optimalen Wahl der Steuerklassen sparen Sie bereits im laufenden Jahr jede Menge Geld. Wir haben die Tipps für Sie

Von Barbara Brandstetter
Foto: dpa

Steuern: Das Faktorverfahren bringt einen höheren Nettolohn
Steuern: Das Faktorverfahren bringt einen höheren Nettolohn

Steuerzahler müssen nicht erst das kommende Jahr abwarten, um sich Geld vom Finanzamt zurückzuholen. Wer die Weichen heute richtig stellt, minimiert die Steuerlast im laufenden Jahr.

Steuerzahler, die jeden Tag etliche Kilometer zur Arbeit fahren, ihre Kinder betreuen lassen oder eine Haushaltshilfe beschäftigen, können beispielsweise einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen. Nicken die Finanzbeamten diesen ab, gewähren sie einen Lohnsteuerfreibetrag, der die Steuerlast Monat für Monat verringert.

600-Euro-Grenze

Einen Freibetrag tragen die Finanzbeamten jedoch nur ein, wenn die voraussichtlichen Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen nach Abzug der Pauschbeträge mindestens 600 Euro betragen. Für Werbungskosten gewähren die Finanzbeamten einen Pauschbetrag von 1000 Euro im Jahr.

Nur wenn die Ausgaben für die Fahrten zur Arbeit, doppelte Haushaltsführung, Umzugskosten, Arbeitsmittel oder Fortbildungskosten diesen Betrag deutlich übersteigen, lohnt es sich, darüber nachzudenken, einen Freibetrag eintragen zu lassen.

Ein Beispiel: Herr Meier fährt jeden Tag 25 Kilometer zu seiner Arbeit. Dafür kann er bei seiner Fünftagewoche 1725 Euro als Werbungskosten im Jahr verrechnen. Damit hätte Herr Meier die Hürde von 1000 Euro Pauschbetrag plus 600 Euro genommen.

Auch wer hohe Sonderausgaben hat wie Unterhaltsleistungen, Kirchensteuer, Schulgeld oder Kinderbetreuungskosten, die den Pauschbetrag von 36 beziehungsweise 72 Euro (Verheiratete) übersteigen, kann über einen Freibetrag nachdenken. Bei den Sonderausgaben müssen Steuerzahler allerdings eine Besonderheit beachten.

"Vorsorgeaufwendungen, also der Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag und eigene Versicherungsbeiträge, können nicht auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Wer in diesen Fällen nicht ausreichend hohe Aufwendungen vorweisen kann, geht leer aus. Schummeln sollten Steuerzahler ohnehin nicht, denn in der Steuererklärung rechnen die Finanzbeamten exakt nach. Wurden im Verlauf des Jahres wegen zu hoher Freibeträge zu wenig Steuern einbehalten, droht dem Steuerzahler eine Nachzahlung.

Ohne 600-Euro-Grenze

Aber auch Steuerzahler, die nicht ausreichend hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen vorweisen können, müssen nicht zwingend auf einen Freibetrag verzichten. Es gibt auch Aufwendungen, die Steuerzahler als Freibetrag eintragen lassen können, ohne vorher die Hürde von Pauschbeträgen und 600 Euro nehmen zu müssen.

So können Steuerzahler beispielsweise einen Behinderten- oder einen Hinterbliebenenpauschbetrag eintragen lassen. Und wer beispielsweise eine Haushaltshilfe sozialversicherungspflichtig beschäftigt, kann bis zu 16.000 Euro beantragen. Bei Minijobs akzeptieren die Finanzbeamten bis zu 2040 Euro, bei Handwerkerleistungen bis zu 4800 Euro.

Den Freibetrag verteilen die Finanzbeamten gleichmäßig auf die restlichen Monate des Jahres nach dem Antragsmonat. Einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung können Sie immer bis Ende November stellen. Sie müssen aber beachten: "Wer einen Lohnsteuerfreibetrag beantragt, ist verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen", sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine.

ELStAM

Die Elektronische Lohnsteuerkarte (ELStAM) hat im Januar die gute alte Lohnsteuerkarte aus buntem Papier ersetzt. Die Lohndaten erhalten Steuerzahler schon länger nicht mehr auf der Lohnsteuerkarte, sondern auf einem Ausdruck, der "elektronischen Lohnsteuerbescheinigung". Die Lohnsteuerabzugsmerkmale, also Angaben wie Steuerklasse, Familienstand, Religionszugehörigkeit oder Zahl der Kinderfreibeträge werden künftig beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert. Welche Informationen zu Ihrer Person in der Datenbank gespeichert sind, können Sie im Elster-Online-Portal einsehen (www.elsteronline.de).

Dazu müssen Sie sich lediglich einmal kostenfrei mit Ihrer Steueridentifikationsnummer registrieren. Wer seine Daten ändern möchte, muss dies bei seinem Finanzamt beantragen. Das kann sich lohnen. Denn die bisher auf der Lohnsteuerkarte eingetragenen Freibeträge werden nicht automatisch ins elektronische Zeitalter übernommen. "Deshalb muss jeder Arbeitnehmer die Freibeträge für den Lohnsteuerabzug neu beantragen", sagt Kauth.

Steuerklassenwahl

Ehepaare, die beide arbeiten, können ihre Steuerklassenkombination frei wählen. Dabei gilt seit Jahren die Faustformel: Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, sollte dieser Steuerklasse III und der andere Steuerklasse V wählen. Wenn beide Ehepartner annähernd gleich viel Geld mit nach Hause bringen, rechnet sich in der Regel eher die Steuerklassenkombination IV/IV.

Seit dem Jahr 2010 haben Steuerzahler auch die Möglichkeit, statt der Steuerklassenkombination III/V die Kombination IV/IV Faktor zu wählen. "In diesem Fall bekommt der geringer verdienende Ehepartner netto deutlich mehr ausgezahlt", sagt Kauth. Denn im Faktorverfahren erhält jeder Ehegatte die ihm zustehenden Steuerentlastungen wie Grundfreibetrag, Vorsorgepauschale oder Kinderfreibeträge.

Das ist in Steuerklasse V nicht der Fall. "Nach dem Nettolohn bemessen sich viele Lohnersatz- und Sozialleistungen wie Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I", sagt Kauth. Weil mit dem Faktorverfahren der Nettolohn höher ausfällt, fallen automatisch die Lohnersatzleistungen großzügiger aus.

Den Faktor, den Sie jedes Jahr neu beantragen müssen, ermitteln die Finanzbeamten. Das Faktorverfahren bringt neben dem höheren Nettolohn einen weiteren Vorteil mit sich: Oft erübrigen sich dadurch Steuernachzahlungen.

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Werbungskosten
  • Streit

    Für das Steuerjahr 2012 gibt es eine entscheidende Änderung für Leute, die Immobilien verbilligt an Angehörige vermieten. Bisher mussten die Vermieter, sofern die Miete zwischen 56 und 75 Prozent der ortsüblichen Miete lag, in einer „Ertragsprognose“ nachweisen, dass sie mit der Vermietung Einkünfte erzielen wollen. „Das hat häufig zu Streit zwischen Steuerzahlern und Finanzämtern geführt“, sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Denn nur wenn die Ertragsprognose positiv ausfiel, konnten die Steuerzahler die Werbungskosten für die Immobilie voll steuerlich geltend machen.

  • Änderung

    Seit 2012 gilt: Wenn die Miete 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt, können sich Steuerzahler die Ertragsprognose sparen. Die Werbungskosten sind in voller Höhe absetzbar. Dazu gehören Ausgaben für Renovierung oder die Finanzierung der Immobilie. Liegt die Miete unter 66 Prozent, können die Werbungskosten nur anteilig verrechnet werden.

Haushaltshilfen
  • Handwerker

    Wer 2012 einen Gärtner, eine Haushaltshilfe, einen Handwerker oder andere Dienstleister in seinem Haushalt beschäftigt hat, kann die Ausgaben in der Steuererklärung verrechnen. Weil der Staat die Aufwendungen direkt von der Steuerschuld abzieht, können sich viele so eine Rückzahlung sichern. Wie hoch der Betrag ist, den Steuerzahler verrechnen können, hängt in erster Linie davon ab, in welcher Form die Hilfe im Haushalt beschäftigt ist. Bei einer geringfügigen Beschäftigung akzeptieren die Beamten 20 Prozent der Kosten, maximal 510 Euro. Ist die Hilfe im Haushalt sozialversicherungspflichtig angestellt oder selbstständig tätig, können Steuerzahler 20 Prozent der Kosten, maximal 4000 Euro verrechnen. Von den Kosten für Handwerkerleistungen rechnen Steuerzahler 20 Prozent, maximal 1200 Euro ab.

  • Haushalt

    „Wichtig ist, dass die haushaltsnahen Dienstleistungen im Haushalt des Auftraggebers erbracht werden“, sagt Peter Kauth vom Internetportal Steuerrat24.de. Eltern, die eine selbstständige Tagesmutter für die Betreuung der Kinder im eigenen Haushalt engagieren, können das Finanzamt an den Kosten beteiligen. Wer seine Sprösslinge hingegen morgens zur Tagesmutter fährt, kann die Ausgaben nicht als haushaltsnahe Dienstleistungen verrechnen. Die Finanzgerichte beschäftigen sich aktuell mit der Frage, ob Dienstleistungen, die auf öffentlichen Gehwegen am Grundstück des Steuerzahlers geleistet werden – wie beispielsweise das Schneeräumen – abgerechnet werden können. So hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg das Schneeräumen als haushaltsnahe Dienstleistung anerkannt. Betroffene sollten daher gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und auf das vor dem Bundesfinanzhof anhängige Verfahren verweisen (Az.: VI R 55/12).

  • Garten

    Von der Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleistungen profitieren auch Wohnungseigentümer und Mieter. Sie können einen Teil der Nebenkosten, etwa für Hauswart, die Pflege des Gartens, Schornsteinfeger oder Wartungsarbeiten steuerlich verrechnen. Diese Regelung gilt auch für Heimbewohner, die im Heim ein eigenes Appartement bewohnen. Steuerzahler können die Ausgaben für die Hilfen jedoch nur dann steuerlich geltend machen, wenn der Dienstleister eine Rechnung ausstellt und sie den Betrag überweisen. Die Finanzbeamten können im Zweifelsfall verlangen, dass sie einen Kontoauszug vorlegen.

Selbstständige
  • Überschuss

    In die „Anlage S“ müssen Steuerzahler Einkünfte aus selbstständiger Arbeit eintragen. Freiberufler dürfen ihren Gewinn in der Regel in einer einfachen Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln. „Nur wenn die Bruttoeinnahmen 17.500 Euro übersteigen, muss zusätzlich die ‚Anlage EÜR‘ ausgefüllt werden“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Diese Grenze von 17.500 Euro gilt auch für Leute, die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb erzielen. Sie tragen ihre Einkünfte in die „Anlage G“ ein.

  • Abgrenzung

    In der Praxis lassen sich Gewerbebetriebe und selbstständige Tätigkeiten nur schwer voneinander abgrenzen. „Bei einer freiberuflichen Tätigkeit steht die geistige, schöpferische Arbeit im Vordergrund“, sagt Kauth. Rechtsanwälte, Journalisten, Dolmetscher oder Architekten sind Beispiele für selbstständige Tätigkeiten. Bei Gaststätten, Handwerks- oder Handelsbetriebe handelt es sich um Gewerbebetriebe.

  • Befreiung

    Doch ganz gleich, ob Sie Einkünfte aus einer selbstständigen Tätigkeit oder einem Gewerbebetrieb erzielen. Übersteigen die Bruttoeinnahmen 17.500 Euro, müssen Sie die „Anlage EÜR“ ausfüllen. Kleinunternehmen mit einem Bruttoumsatz von weniger als 17.500 Euro können wählen, ob sie auf die Umsatzsteuerbefreiung verzichten wollen, das ist allerdings für fünf Jahre bindend. Der Verzicht auf Umsatzsteuerbefreiung kann vorteilhaft sein, wenn größere Anschaffungen geplant sind oder Sie ausschließlich Leistungen für Unternehmen erbringen. Dafür ist die in Rechnung gestellte Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten und nicht kostensteigernd.

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