03.02.2013, 09:11

Steuererklärung 2013 So stellen Sie sich auf das Jahr 2013 ein


Steuern: Das Faktorverfahren bringt einen höheren Nettolohn

Foto: Robert Schlesinger / dpa

Steuern: Das Faktorverfahren bringt einen höheren Nettolohn Foto: Robert Schlesinger / dpa

Von Barbara Brandstetter

Mit Freibeträgen und einer optimalen Wahl der Steuerklassen sparen Sie bereits im laufenden Jahr jede Menge Geld. Wir haben die Tipps für Sie

Steuerzahler müssen nicht erst das kommende Jahr abwarten, um sich Geld vom Finanzamt zurückzuholen. Wer die Weichen heute richtig stellt, minimiert die Steuerlast im laufenden Jahr.

Steuerzahler, die jeden Tag etliche Kilometer zur Arbeit fahren, ihre Kinder betreuen lassen oder eine Haushaltshilfe beschäftigen, können beispielsweise einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung stellen. Nicken die Finanzbeamten diesen ab, gewähren sie einen Lohnsteuerfreibetrag, der die Steuerlast Monat für Monat verringert.

600-Euro-Grenze

Einen Freibetrag tragen die Finanzbeamten jedoch nur ein, wenn die voraussichtlichen Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen nach Abzug der Pauschbeträge mindestens 600 Euro betragen. Für Werbungskosten gewähren die Finanzbeamten einen Pauschbetrag von 1000 Euro im Jahr.

Nur wenn die Ausgaben für die Fahrten zur Arbeit, doppelte Haushaltsführung, Umzugskosten, Arbeitsmittel oder Fortbildungskosten diesen Betrag deutlich übersteigen, lohnt es sich, darüber nachzudenken, einen Freibetrag eintragen zu lassen.

Ein Beispiel: Herr Meier fährt jeden Tag 25 Kilometer zu seiner Arbeit. Dafür kann er bei seiner Fünftagewoche 1725 Euro als Werbungskosten im Jahr verrechnen. Damit hätte Herr Meier die Hürde von 1000 Euro Pauschbetrag plus 600 Euro genommen.

Auch wer hohe Sonderausgaben hat wie Unterhaltsleistungen, Kirchensteuer, Schulgeld oder Kinderbetreuungskosten, die den Pauschbetrag von 36 beziehungsweise 72 Euro (Verheiratete) übersteigen, kann über einen Freibetrag nachdenken. Bei den Sonderausgaben müssen Steuerzahler allerdings eine Besonderheit beachten.

"Vorsorgeaufwendungen, also der Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitrag und eigene Versicherungsbeiträge, können nicht auf der Lohnsteuerkarte eingetragen werden", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de.

Wer in diesen Fällen nicht ausreichend hohe Aufwendungen vorweisen kann, geht leer aus. Schummeln sollten Steuerzahler ohnehin nicht, denn in der Steuererklärung rechnen die Finanzbeamten exakt nach. Wurden im Verlauf des Jahres wegen zu hoher Freibeträge zu wenig Steuern einbehalten, droht dem Steuerzahler eine Nachzahlung.

Ohne 600-Euro-Grenze

Aber auch Steuerzahler, die nicht ausreichend hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen vorweisen können, müssen nicht zwingend auf einen Freibetrag verzichten. Es gibt auch Aufwendungen, die Steuerzahler als Freibetrag eintragen lassen können, ohne vorher die Hürde von Pauschbeträgen und 600 Euro nehmen zu müssen.

So können Steuerzahler beispielsweise einen Behinderten- oder einen Hinterbliebenenpauschbetrag eintragen lassen. Und wer beispielsweise eine Haushaltshilfe sozialversicherungspflichtig beschäftigt, kann bis zu 16.000 Euro beantragen. Bei Minijobs akzeptieren die Finanzbeamten bis zu 2040 Euro, bei Handwerkerleistungen bis zu 4800 Euro.

Den Freibetrag verteilen die Finanzbeamten gleichmäßig auf die restlichen Monate des Jahres nach dem Antragsmonat. Einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung können Sie immer bis Ende November stellen. Sie müssen aber beachten: "Wer einen Lohnsteuerfreibetrag beantragt, ist verpflichtet, eine Steuererklärung zu machen", sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine.

ELStAM

Die Elektronische Lohnsteuerkarte (ELStAM) hat im Januar die gute alte Lohnsteuerkarte aus buntem Papier ersetzt. Die Lohndaten erhalten Steuerzahler schon länger nicht mehr auf der Lohnsteuerkarte, sondern auf einem Ausdruck, der "elektronischen Lohnsteuerbescheinigung". Die Lohnsteuerabzugsmerkmale, also Angaben wie Steuerklasse, Familienstand, Religionszugehörigkeit oder Zahl der Kinderfreibeträge werden künftig beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert. Welche Informationen zu Ihrer Person in der Datenbank gespeichert sind, können Sie im Elster-Online-Portal einsehen (www.elsteronline.de).

Dazu müssen Sie sich lediglich einmal kostenfrei mit Ihrer Steueridentifikationsnummer registrieren. Wer seine Daten ändern möchte, muss dies bei seinem Finanzamt beantragen. Das kann sich lohnen. Denn die bisher auf der Lohnsteuerkarte eingetragenen Freibeträge werden nicht automatisch ins elektronische Zeitalter übernommen. "Deshalb muss jeder Arbeitnehmer die Freibeträge für den Lohnsteuerabzug neu beantragen", sagt Kauth.

Steuerklassenwahl

Ehepaare, die beide arbeiten, können ihre Steuerklassenkombination frei wählen. Dabei gilt seit Jahren die Faustformel: Verdient ein Partner deutlich mehr als der andere, sollte dieser Steuerklasse III und der andere Steuerklasse V wählen. Wenn beide Ehepartner annähernd gleich viel Geld mit nach Hause bringen, rechnet sich in der Regel eher die Steuerklassenkombination IV/IV.

Seit dem Jahr 2010 haben Steuerzahler auch die Möglichkeit, statt der Steuerklassenkombination III/V die Kombination IV/IV Faktor zu wählen. "In diesem Fall bekommt der geringer verdienende Ehepartner netto deutlich mehr ausgezahlt", sagt Kauth. Denn im Faktorverfahren erhält jeder Ehegatte die ihm zustehenden Steuerentlastungen wie Grundfreibetrag, Vorsorgepauschale oder Kinderfreibeträge.

Das ist in Steuerklasse V nicht der Fall. "Nach dem Nettolohn bemessen sich viele Lohnersatz- und Sozialleistungen wie Elterngeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I", sagt Kauth. Weil mit dem Faktorverfahren der Nettolohn höher ausfällt, fallen automatisch die Lohnersatzleistungen großzügiger aus.

Den Faktor, den Sie jedes Jahr neu beantragen müssen, ermitteln die Finanzbeamten. Das Faktorverfahren bringt neben dem höheren Nettolohn einen weiteren Vorteil mit sich: Oft erübrigen sich dadurch Steuernachzahlungen.

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