02.02.13

Steuererklärung 2012

Wie Sie Ihre Kapitalerträge richtig optimieren

Der Fiskus erhebt auf Zinsen, Kursgewinne und Dividenden die Abgeltungssteuer. Mit einigen Kniffen lässt sich die Steuerlast aber drücken.

Von Barbara Brandstetter
Foto: picture alliance / dpa Themendie

Auch für Anleger, die mit ihren Kapitalanlagen Verlust gemacht haben, kann sich das Ausfüllen der „Anlage KAP“ rechnen
Auch für Anleger, die mit ihren Kapitalanlagen Verlust gemacht haben, kann sich das Ausfüllen der "Anlage KAP" rechnen

Die Idee klingt verlockend: Die Kreditinstitute behalten gleich an der Quelle Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ein. Und Steuerzahler können sich das mühsame Auflisten ihrer Zinsen, Dividenden und Kursgewinne in der Steuererklärung sparen.

Die Umsetzung dieser verlockenden Idee läuft in der Realität jedoch auch Jahre nach Einführung der Abgeltungsteuer nicht ganz so reibungslos wie von den Initiatoren beabsichtigt. Nach wie vor gibt es Steuerzahler, die verpflichtet sind, die "Anlage KAP" auszufüllen (Pflichtveranlagung). Und in anderen Fällen wiederum empfiehlt es sich, seine Kapitalerträge aufzulisten, wenn Sie dem Finanzamt nicht unnötig Geld schenken wollen (Wahlveranlagung).

Beim Ausfüllen der "Anlage KAP" sind die Steuerbescheinigungen der Kreditinstitute eine essenzielle Hilfe. Denn in diesen finden Sie Hinweise, in welcher Zeile der "Anlage KAP" Sie welche Angaben machen müssen. "Beantragen Sie daher bei Ihrer Bank eine Jahressteuerbescheinigung", rät Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine.

Pflichtveranlagung

In einigen Fällen sind Steuerzahler verpflichtet, Zinsen, Dividenden und Kursgewinne in der "Anlage KAP" einzutragen. Das ist beispielsweise dann notwendig, wenn Sie Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen im Ausland erhalten haben und die Bank keine Abgeltungsteuer einbehalten hat (Zeilen 17 bis 21).

Die "Anlage KAP" müssen Steuerzahler auch ausfüllen, wenn Banken für Kapitalerträge im Ausland die EU-Zinssteuer von 35 Prozent einbehalten haben. In diesem Fall ist die Abrechnung für den Steuerzahler jedoch von Vorteil. "Die Anrechnung der EU-Zinssteuer auf die Abgeltungsteuer führt zu einer Erstattung von zehn Prozent", sagt Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg. Zinsen, Dividenden und Kursgewinne aus dem Ausland von denen EU-Zinssteuer einbehalten wurde, tragen Sie in die Zeilen 17 bis 19 ein, die EU-Zinssteuer in Zeile 59.

Die "Anlage KAP" müssen Anleger auch einreichen, wenn sie bei ihrer Bank keinen Antrag gestellt haben, dass sie zusätzlich zur Abgeltungsteuer Kirchensteuer einbehalten soll. "In diesem Fall genügt es, wenn Sie nur die einbehaltene Abgeltungsteuer und den Solidaritätszuschlag eintragen", sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Wer sich das Prozedere im kommenden Jahr sparen möchte, kann bei seinen Kreditinstituten einen Antrag zum Einbehalt der Kirchensteuer stellen.

Steuerzahler, die von ihrem Finanzamt Erstattungszinsen erhalten haben, sind verpflichtet, diese in Zeile 23 der "Anlage KAP" anzugeben. Erstattungszinsen müssen die Behörden immer dann zahlen, wenn sie länger als 15 Monate nach dem eigentlichen Steuerjahr brauchen, um Ihre Steuererklärung zu bearbeiten. "Die Steuerpflicht für Erstattungszinsen ist derzeit umstritten", sagt Steuerexperte Kauth. Daher sollten Steuerzahler die erhaltenen Erstattungszinsen auflisten, gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen und auf die beim Bundesfinanzhof anhängigen Revisionsverfahren verweisen (VIII R 1/11, VIII R 36/10).

Um das Ausfüllen der "Anlage KAP" kommen Sie auch nicht herum, wenn Sie 2012 Ihre Kapitallebensversicherung verkauft haben. In diesem Fall müssen Sie den Gewinn in Zeile 16 eintragen. "Ausgenommen hiervon sind Kapitallebensversicherungen, die vor 2005 abgeschlossen und die nicht vor zwölf Jahren verkauft wurden", sagt Steuerberater Wawro.

Wahlveranlagung

In einigen Fällen ist es sinnvoll, die Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben, um nicht unnötig Geld zu verschenken. Etwa dann, wenn Sie vergessen haben, bei Ihren Kreditinstituten einen ausreichend hohen Freistellungsauftrag zu stellen. Alleinstehende können Kapitalerträge bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags von 801 Euro einstreichen, ohne einen Cent Steuern zahlen zu müssen. Für Verheiratete verdoppelt sich der Betrag auf 1602 Euro.

Wenn Ihre Kreditinstitute ab dem ersten Euro Abgeltungsteuer einbehalten haben, können Sie sich über die Einkommensteuererklärung die zu viel gezahlte Steuer zurückholen. Dazu müssen Sie Ihre Kapitalerträge in die Zeilen 7 bis 13 eintragen und in Zeile 14 den Teil des Sparerpauschbetrags angeben, der bereits für diese Erträge ausgeschöpft wurde.

Ihre Kapitalerträge sollten Sie auch dann in Ihrer Steuererklärung eintragen, wenn Ihr Einkommen nicht allzu hoch ist. Denn in diesem Fall kann es sein, dass es günstiger wäre, die Kapitalerträge mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern anstatt mit der Abgeltungsteuer. Das betrifft Steuerzahler, deren zu versteuerndes Einkommen bei Alleinstehenden unter 15.500 Euro (Verheiratete 31.000 Euro)liegt. In diesem Fall sollten Steuerzahler in Zeile 4 eine 1 eintragen und so eine Günstigerprüfung beantragen.

"Ruheständler sollten immer ihre Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben", rät Steuerberater Rauhöft. Denn dann berücksichtigen die Finanzbeamten automatisch den Altersentlastungsbetrag. So steht Steuerzahlern, die im vergangenen Jahr 64 Jahre alt geworden sind, ab dem Steuerjahr 2013 zeitlebens ein Altersentlastungsbetrag von 27,2 Prozent der Einkünfte, maximal 1292 Euro zu.

Auch für Anleger, die mit ihren Kapitalanlagen Verlust gemacht haben, kann sich das Ausfüllen der "Anlage KAP" rechnen. Wenn Sie bei einer Bank Verluste und Gewinne erwirtschaften, verrechnet die Bank diese, so dass sie weniger oder keine Abgeltungsteuer zahlen müssen. Sollte der Verlust höher sein als die Gewinne, kann die Bank den Verlust in das kommende Jahr übertragen. "Alternativ kann das Kreditinstitut Anlegern auch eine Bescheinigung über den Verlust ausstellen", sagt Rauhöft.

Die Bescheinigung muss bis zum 15. Dezember des Steuerjahres bei der Bank beantragt werden. Mit diesem Schrieb können Sie den Verlust dann in der Steuererklärung steuerlich geltend machen. "Diese Verrechnungsmethode ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie bei einer Bank Verluste und bei einer anderen Bank Gewinne erzielt haben", sagt Rauhöft.

Das Portal Steuerrat24.de bietet den Lesern der Berliner Morgenpost kostenlos den monatlichen Steuersparbrief an, in dem Sie viel Wissenswertes zu aktuellen Urteilen und neuen Regelungen im deutschen Steuerrecht erfahren. Sie finden den Steuersparbrief im Internet unter www.steuerrat24.de

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Verbindliche Informationen
  • Service

    Seit 2007 lassen sich die Beamten verbindliche Informationen vergüten. Bislang mussten Steuerzahler für diesen Service mindestens 100 Euro zahlen. Das Geld können sich Steuerzahler in bestimmten Fällen künftig sparen. So kosten verbindliche Informationen der Finanzämter bis zu einem Gegenstandswert von bis zu 10.000 Euro nichts mehr.

  • Gebühr

    Falls der Gegenstandswert der Anfrage sich nicht beziffern lässt, stellen die Beamten die Bearbeitungszeit in Rechnung. Bislang waren je angefangene halbe Stunde 50, mindestens jedoch 100 Euro fällig. Auch bei dieser Abrechnungsform sind die Finanzämter künftig kulant und verlangen bei einer Bearbeitungszeit von bis zu zwei Stunden keine Gebühr mehr.

  • Abrechnung

    Doch wenn Gegenstandswert oder Zeitaufwand höher liegen, rechnen die Finanzämter wie bisher ab. Bei einem Gegenstandswert von 50.000 Euro werden beispielsweise 456 Euro fällig. „Und der Gebührenhöchstbetrag für Anfragen mit einem Gegenstandswert von 30 Mio. Euro liegt nach wie vor bei 91.456 Euro“, rechnet Peter Kauth vom Internetportal Steuerrat24.de vor.

Sonstige Einkünfte
  • Unterhalt

    In der Anlage „Sonstige Einkünfte“ fragt das Finanzamt gleich ein ganzes Bündel an Einkünften ab. In die Zeilen 5 und 6 tragen Steuerzahler beispielsweise die Unterhaltsleistungen des Ex-Gatten ein. Das ist immer dann notwendig, wenn Sie zugestimmt haben, die Zahlungen zu versteuern. Im Gegenzug kann der Unterhaltszahler seine Aufwendungen bis zu 13.805 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen.

  • Verkauf

    Die „Anlage SO“ müssen Sie auch ausfüllen, wenn Sie mehr als 600 Euro Gewinn aus sogenannten privaten Veräußerungsgeschäften erwirtschaftet haben. Von einem Veräußerungsgeschäft sprechen die Finanzbeamten immer dann, wenn Sie beispielsweise Häuser, Grundstücke, Edelmetalle, Briefmarken, Schmuck oder Kunstgegenstände innerhalb der Spekulationsfrist verkaufen. Diese Frist beträgt für Häuser, Wohnungen und Grundstücke oder geschlossene Immobilienfonds zehn Jahre, für andere Wirtschaftsgüter ein Jahr.

  • Steuerfrei

    Gewinne bleiben bis zu 600 Euro im Jahr steuerfrei. Verkaufen Sie jedoch eines Ihrer Gemälde mit einem ordentlichen Plus innerhalb der Spekulationsfrist, dann müssen Sie den Betrag, der die 600 Euro übersteigt, in voller Höhe mit Ihrem individuellen Steuersatz versteuern.

  • Verlust

    „Verluste dürfen nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden“, sagt Peter Kauth von Steuerrat24.de. Wer beispielsweise seine historische Vase innerhalb von zwölf Monaten mit einem Verlust verkauft, aber keine Gewinne aus Veräußerungsgeschäften erwirtschaftet hat, sollte unbedingt die „Anlage SO“ ausfüllen.

  • Vortrag

    Dann können die Finanzbeamten den Verlust festschreiben und mit Spekulationsgewinnen im vergangenen Jahr oder in den folgenden Jahren verrechnen. „Sind die Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften negativ, kreuzen Sie immer im Steuerhauptformular auf Seite 1 oben das Feld ‚Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags‘ an“, rät Kauth.

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