28.01.13

Steuererklärung 2012

Rechnen Sie mit dem Finanzamt ab

Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich vom Fiskus Geld zurückholen. Im Schnitt waren das im vergangenen Jahr in Berlin und Brandenburg immerhin 858 Euro pro Person.

Von Barbara Brandstetter
Foto: dpa

Geld vom Staat zurück. Die Berliner Morgenpost gibt Tipps
Geld vom Staat zurück. Die Berliner Morgenpost gibt Tipps

Es ist zweifelsohne leicht, eine attraktivere Freizeitbeschäftigung zu finden als die alljährliche Steuererklärung. Denn kaum jemand dürfte Freude daran haben, seine Kartons, Ordner und Papierstapel nach Belegen zu durchforsten und sich mit dem unverständlichem Steuerkauderwelsch auseinander zu setzen. Doch wer sich vor der Abrechnung mit dem Finanzamt drückt, verschenkt viel Geld. Denn der Lohn für das Ausfüllen der Bögen kann sich sehen lassen: Im vergangenen Jahr haben die Finanzämter in Berlin und Brandenburg ihren Bürgern im Schnitt 858 Euro überwiesen.

Zudem waren die Finanzbeamten für das Steuerjahr 2012 wenig innovationsfreudig beim Erfinden neuer Regelungen. Die Änderungen, auf die sich die Steuerzahler beim Ausfüllen der Bögen für 2012 einstellen müssen, halten sich in Grenzen. Doch ganz ohne neue Regelungen geht es eben doch nicht. Die große Steuerserie in der Berliner Morgenpost führt sie durch das Steuerdickicht und verrät Ihnen, wie Sie dem Finanzamt keinen Cent schenken.

Vor allem Eltern können sich bei der Abrechnung 2012 auf zahlreiche Vereinfachungen freuen. Die komplizierte Unterscheidung, ob die Kosten für die Betreuung der Sprösslinge "wie Werbungskosten" oder als "Sonderausgaben" abgerechnet werden, haben die Finanzbeamten gestrichen und mit der Vereinfachung gleich eine komplette Seite in der "Anlage Kind". Ab sofort können Eltern zwei Drittel der Betreuungskosten, maximal 4000 Euro, als Sonderabgaben abrechnen. Und zwar unabhängig davon, ob berufliche Termine oder ob Abende im Theater oder bei Freunden der Grund für die Ausgaben für den Babysitter sind. Diese Regelung gilt für alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr (Teil 4 der Serie).

Änderungen für Pendler

Erleichterungen gibt es auch für Eltern erwachsener Kinder, die eine Berufsausbildung absolvieren. Bislang haben die Finanzbeamten den Eltern Kindergeld und Kinderfreibetrag gestrichen, wenn Einkünfte und Bezüge des Sprösslings 8004 Euro auch nur um einen Euro überstiegen. Das Rechnen können sich Eltern von Kindern bis zum 25. Lebensjahr nun sparen: Künftig kann der Nachwuchs in Ausbildung so viel verdienen, wie er will, ohne dass den Eltern das Kindergeld gestrichen wird. Eine einzige Einschränkung machen die Finanzbeamten jedoch: Wenn Sohn oder Tochter eine zweite Ausbildung absolvieren, dürfen diese maximal 20 Stunden in der Woche arbeiten. Die Höhe des Verdienst spielt jedoch auch hier keine Rolle mehr (Teil 4).

Doch nicht nur für Eltern bringt das Steuerjahr 2012 Änderungen. Auch Pendler müssen anders rechnen. Sie können nun nicht mehr Tag für Tag entscheiden, ob sie dem Finanzamt die Kosten für Tickets oder die Entfernungspauschale in Rechnung stellen wollen. "Der Steuerzahler muss sich für das gesamte Jahr für eine Variante entscheiden", sagt Steuerberater Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg (Teil 3).

Studenten und Auszubildende können Sonderausgaben geltend machen

Gegenüber Leuten, die eine erste Ausbildung oder ein Erststudium absolvieren, zeigt sich das Finanzamt auf den ersten Blick spendabel. Denn seit 2012 können Steuerzahler die Aufwendungen bis 6000 Euro (bisher 4000 Euro) als Sonderausgaben verrechnen. "Der Nachteil ist, dass Sonderausgaben nur in dem Jahr das Einkommen vermindern, in dem sie anfallen", gibt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine zu bedenken.

Wer also jeden Tag an die Hochschule fährt, Bücher kauft und Geld für Kopien ausgibt, kann die Ausgaben dem Finanzamt ohne Einkünfte im selben Jahr nicht in Rechnung stellen. Wer eine erste Ausbildung absolviert, könnte die Ausgaben fürs Lernen nur dann mit künftigen Einkünften verrechnen, wenn er sie als Werbungskosten angeben könnte.

Etliche Steuerzahler klagen daher gegen die aktuelle Regelung. Ob diese rechtens ist, muss nun erneut das oberste Finanzgericht, der Bundesfinanzhof, entscheiden. Dort sind inzwischen wieder zahlreiche Verfahren anhängig (Az. IV R 61/11, VI R 2/12, VI R 6/12, VI R 8/12, VIII R 49/11) (Teile 2 und 3).

Die Abgeltungssteuer vereinfacht die Steuererklärung

Mit der Abgeltungsteuer 2009 sollte das lästige Auflisten von Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen in der Steuererklärung entfallen. Doch wer Ausgaben für Krankheit, Pflege oder Kur – also außergewöhnliche Belastungen – in seiner Steuererklärung abrechnen wollte, musste seine Kapitalerträge angeben. "Das ist künftig nicht mehr notwendig", sagt Peter Kauth vom Internetportal Steuerrat24.de. Das Auflisten von Zinsen, Dividenden oder Kursgewinnen entfällt, wenn das Kreditinstitut bereits Abgeltungsteuer einbehalten hat. "Für außergewöhnliche Belastungen ist diese Regelung von Vorteil", sagt Steuerexperte Kauth. Denn ohne die Kapitalerträge schrumpft der Gesamtbetrag der Einkünfte und mit ihm auch die zumutbare Belastung, die der Steuerzahler zunächst aus der eigenen Tasche berappen muss (Teil 2).

In vielen Fällen rechnet es sich trotz Abgeltungsteuer und neuer Regelung, seine Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben. Etwa dann, wenn es Anleger versäumt haben, Freistellungsaufträge zu stellen oder wenn der persönliche Steuersatz unter 25 Prozent liegt (Teil 4).

Wie Sie sich besonders viel Geld vom Finanzamt zurückholen, erfahren Sie in der großen Steuerserie der Berliner Morgenpost. Rechenbeispiele und Tipps stellen sicher, dass Sie kein Geld verschenken. Sollte eine Ihrer Fragen unbeantwortet bleiben, können Sie diese am Sonnabend, 2. Februar, den acht Experten des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg und des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine stellen.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Steuererklärung
  • Arbeitnehmer

    Arbeitnehmer müssen nicht immer mit dem Finanzamt abrechnen. Doch in einigen Fällen kommen Steuerzahler um das Ausfüllen der Bögen nicht herum. Beispielsweise wenn:

     

    sie Leistungen mit Progressionsvorbehalt erhalten haben. Darunter verstehen die Finanzbeamten beispielsweise Elterngeld, Kurzarbeitergeld, Mutterschaftsgeld oder Krankengeld.

     

    sie neben dem Gehalt noch weitere Einkünfte von mehr als 410 Euro erhalten haben, von denen keine Lohnsteuer einbehalten wurde.

     

    sie auf der Lohnsteuerkarte einen Freibetrag haben eintragen lassen.

     

    sie 2012 sowohl eine rentenversicherungspflichtige als auch eine rentenversicherungsfreie Beschäftigung ausgeübt haben.

     

    Eheleute gemeinsam veranlagt werden und einer Steuerklasse V oder VI hat.

     

    sich ein Ehepaar hat scheiden lassen und einer der Partner im selben Jahr wieder geheiratet hat.

     

    ein Ehegatte getrennte Veranlagung beantragt.

  • Nicht-Arbeitnehmer

    Nicht-Arbeitnehmer müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn der Gesamtbetrag ihrer Einkünfte den Grundfreibetrag von 8004 Euro für Alleinstehende beziehungsweise 16.008 Euro für Verheiratete übersteigt. Doch auch wenn die Betroffenen eine Steuererklärung bei ihrem Finanzamt abgeben müssen, bedeutet das nicht automatisch, dass sie auch Steuern zahlen müssen.

Abgabefristen
  • Pflicht

    Steuerzahler, die verpflichtet sind, eine Steuererklärung zu machen, müssen diese spätestens bis zum 31. Mai 2013 bei ihrem Finanzamt einreichen. Wer für das Ausfüllen der Bögen einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, hat mit der Abgabe bis zum 31. Dezember 2013 Zeit. Sollten Steuerzahler den Termin nicht einhalten können, empfiehlt es sich, bei seinem Finanzamt einen formlosen Antrag auf Fristverlängerung zu stellen. Diese gewähren die Finanzämter meist problemlos.

  • Zuschlag

    Einfach den Kopf in den Sand stecken und später abgeben kann teuer werden. Die Beamten können dann einen Verspätungszuschlag erheben. Wer von den Finanzbeamten nicht aufgefordert wird, eine Steuererklärung abzugeben, kann im Übrigen seine Steuererklärung noch bis zu sieben Jahre nach dem Steuerjahr einreichen – für die Steuererklärung 2012 wäre der letzte Termin demnach 2019.

  • Freiwillig

    Komfortabel ist die Situation auch für all diejenigen, die nicht zwingend mit dem Finanzamt abrechnen müssen. Die Betroffenen haben in diesem Fall nach dem Steuerjahr vier Jahre Zeit, die Bögen auszufüllen – für 2012 wäre dies also 2016. Dass die Abgabefrist von vier und nicht sieben Jahren für freiwillige Steuererklärungen rechtens ist, hat jüngst der Bundesfinanzhof bestätigt (VI R 53/10, BStBI. 2011 II S. 746).

  • Pflicht

    Steuerzahler, die verpflichtet sind, eine Steuererklärung zu machen, müssen diese spätestens bis zum 31. Mai 2013 bei ihrem Finanzamt einreichen. Wer für das Ausfüllen der Bögen einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein beauftragt, hat mit der Abgabe bis zum 31. Dezember 2013 Zeit. Sollten Steuerzahler den Termin nicht einhalten können, empfiehlt es sich, bei seinem Finanzamt einen formlosen Antrag auf Fristverlängerung zu stellen. Diese gewähren die Finanzämter meist problemlos.

  • Zuschlag

    Einfach den Kopf in den Sand stecken und später abgeben kann teuer werden. Die Beamten können dann einen Verspätungszuschlag erheben. Wer von den Finanzbeamten nicht aufgefordert wird, eine Steuererklärung abzugeben, kann im Übrigen seine Steuererklärung noch bis zu sieben Jahre nach dem Steuerjahr einreichen – für die Steuererklärung 2012 wäre der letzte Termin demnach 2019.

  • Freiwillig

    Komfortabel ist die Situation auch für all diejenigen, die nicht zwingend mit dem Finanzamt abrechnen müssen. Die Betroffenen haben in diesem Fall nach dem Steuerjahr vier Jahre Zeit, die Bögen auszufüllen – für 2012 wäre dies also 2016. Dass die Abgabefrist von vier und nicht sieben Jahren für freiwillige Steuererklärungen rechtens ist, hat jüngst der Bundesfinanzhof bestätigt (VI R 53/10, BStBI. 2011 II S. 746).

Kurzversion
  • Abgespeckt

    Einige Arbeitnehmer können auch eine abgespeckte Steuererklärung einreichen. „Die Möglichkeit haben nur Steuerzahler, die neben ihrem Arbeitslohn keine weiteren Einkünfte haben“, sagt Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Doch so verlockend es ist, eine vereinfachte Steuererklärung einzureichen, die gerade einmal zwei Seiten umfasst. Die Regelungen sind die gleichen wie für die große Abrechnung und somit ähnlich kompliziert.

  • Papierform

    „Oft verleitet die kurze Version auch dazu, dass Steuerzahler vergessen, alle Ausgaben abzurechnen“, warnt Rauhöft. Und Steuerzahler, die neben ihrem Arbeitslohn weitere Einkünfte wie beispielsweise Renten, Mieten oder Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit bezogen haben, kommen ohnehin nicht umhin, eine normale Steuererklärung mit den entsprechenden Anlagen abzugeben. „Auch für Steuerzahler, die ihre Steuererklärung online einreichen wollen, entfällt die abgespeckte Version“, sagt Rauhöft. Denn diese können Steuerzahler nur in Papierform beim zuständigen Finanzamt einreichen.

  • Internet

    Alle Formulare für Ihre Steuererklärung 2012 können Sie einfach aus dem Internet herunterladen:

    https://www.formulare-bfinv.de/

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Protestzug Nazis demonstrieren gegen Berliner Flüchtlingsheim
E-Bike Dieses Holzfahrrad ist absolut CO2-neutral
Mariachi-Musiker So bunt feiern die Mexikaner ihre Schutzpatronin
Kampf gegen IS Das fordert US-Vize Biden von Erdogan
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Unfall in Brandenburg

Reisebus stürzt auf der A10 um

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote