Marktsicht
Warum Marsmenschen keine Goldmünzen kaufen
Die "Bild"-Zeitung verlost Goldbarren und bei den Goldhändlern stehen die Leute Schlange, um sich den ein oder anderen Krügerrand zu kaufen. Die aktuelle Euro-Krise verleitet so manchen in etwas zu investieren, das jahrelang nur wenige Investoren anlocken konnte: Gold. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Metall und warum wollen es nun wieder so viele Menschen haben?
Gold ist nichts anderes als ein Edelmetall mit der Ordnungszahl 79 im Periodensystem. Es ist relativ schwer. Viele sind enttäuscht für ihr Geld nur so wenige Gramm Gold zu erhalten. So ist ein 1kg-Barren mit einer Dicke von knapp 7mm gerade so groß wie ein 5-Euro-Schein, kostet aber aktuell unglaubliche 42.000 Euro. Es wird wohl nur wenigen Investoren vergönnt sein, einen Barren zu erwerben, wie man ihn aus diversen Filmen kennt. Ein solcher umfasst i.d.R. 400 Unzen bzw. 12,44kg und kostet aktuell über eine halbe Million Euro.
Wenn man alles bisher geförderte Gold der Erde in Barren gießt und auf ein Fußballfeld stapelt, würde es gerade einmal 1m hoch gefüllt sein. Das ist auch der Grund, warum Gold schon immer als interessantes Wertaufbewahrungsmittel angesehen wurde und auch für viele Investoren interessant erscheint. Es kann nämlich nicht in beliebiger Menge produziert werden. Während das Papiergeld unserer modernen Gesellschaft von den Notenbanken theoretisch in beliebiger Größenordnung gedruckt werden kann, werden jährlich nur ca. 2.600 Tonnen neuen Goldes gefördert. Es würde ganze 2 Jahre brauchen, um nur den Anstoßkreis eines Fußballfeldes 1 Meter hoch zu befüllen.
Und die Produktion kann kaum gesteigert werden. Im Gegenteil: Obwohl die Minen immer tiefer gegraben werden, enthalten die dortigen Gesteinsschichten nur noch einen Bruchteil des Goldes früherer Tage. Die Produktionskosten einer Unze überschreiten inzwischen häufig die 1100 US-Dollar-Marke und werden mit über 1600 US-Dollar für das Jahr 2015 prognostiziert. Papiergeld kann und wird hingegen fleißig vervielfältigt, wie aktuell insbesondere die USA unter Beweis stellen. Nicht umsonst hat der US-Dollar seit der Aufhebung der Goldpreisbindung am 15. August 1971 durch Präsident Nixon um fast 98% gegenüber dem goldenen Metall abgewertet.
Dabei hat Gold nur einen sehr geringen praktischen Nutzen. Lediglich 11% der Nachfrage nach Gold stammten im letzten Jahr aus dem Industriebereich. Schmuckproduzenten fragten hingegen ungefähr die Hälfte der Jahresproduktion nach. Goldfonds und Barrenverkauf stellten die restliche Nachfrage. Der wohl bekannteste Investor der Welt, Warren Buffett, wird mit den Worten zitiert: "Gold wird aus dem Boden ausgegraben…, dann schmelzen wir es ein, graben ein neues Loch, bringen das Gold wieder dort hinein und bezahlen Leute, die um das Loch herumstehen und das Gold bewachen. Es hat keinen Nutzen. Wenn das jemand vom Mars aus betrachtet, wird er sich am Kopf kratzen."
Hier irrt sich die Investmentlegende. Sicher, Gold kann man nicht essen und die Welt würde ohne das wertvolle Metall nicht untergehen. Aber einen Nutzen hat Gold. Es gibt seinem Besitzer das Gefühl von Sicherheit. Deshalb ist es aktuell so gefragt. Es liegt in der Natur des Menschen nach Sicherheit zu streben. Euro-Krise, Inflation in den Schwellenländern, Immobilienkrise in den USA, all das verunsichert die Menschen. Wer will es ihnen da verübeln, dass sie sich ein kleines bisschen Sicherheit erkaufen wollen? Gold ist trotz seines hohen Preises, der auch durch die hohen Produktionskosten unterstützt wird, aktuell immer noch attraktiv. Dennoch ist Gold keinesfalls für jede Zeitperiode ein sicheres Wertaufbewahrungsmittel. Zwischen 1980 und 2001 fiel der Goldpreis um 70%. Langfristig war Gold hingegen eine sehr gute Wertanlage. Seit 1970 wertete Gold um 5.000% gegenüber dem US-Dollar auf. Mit 1 kg Gold konnte man 1974 z.B. einen VW Golf kaufen. Das kann man auch heute noch. Dumm für die Marsmenschen, die werden wohl sobald keinen Golf fahren können.
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Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

Jens Herdack,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank
Jens Herdack hat die Schwerpunkte Aktien-, Rohstoff- und Alternative Investments. Seit 2002 ist der Diplomkaufmann und Analyst bei der Weberbank tätig und blickt auf insgesamt 14 Jahre Investmenterfahrung im Wertpapier- und Derivatesegment zurück.






