23.11.2012, 13:45

Marktsicht Black Friday – Amerikaner im Einkaufsrausch

A crowd of shoppers browse at Target on the Thanksgiving Day holiday in Burbank, California

Foto: REUTERS

A crowd of shoppers browse at Target on the Thanksgiving Day holiday in Burbank, California Foto: REUTERS

Einzelhändler eröffnen mit Rabatten das US-Weihnachtsgeschäft, in der Eurozone geben die Umsätze weiter nach, sagt Jens Herdack, Senior-Portfoliomanager der Weberbank.

Kennen Sie den "Black Friday"? Oder den "Cyber-Monday"? Beim "schwarzen Freitag" werden viele Leser bestimmt an den Börsencrash des Jahres 1929 denken. In den USA ist mit dem "Black Friday" allerdings ein völlig anderes Ereignis gemeint. Hier bezeichnet der Begriff den Freitag nach Thanksgiving, an dem sich die Einzelhändler in eine Rabattschlacht sondergleichen begeben. Es gibt verschiedenste Erklärungsversuche zum Ursprung der Bezeichnung: von der schwarz gekleideten Menschenmasse vor den Läden bis hin zu den schwarzen Zahlen, die an diesem Tag von den Händlern geschrieben werden.

Aber unabhängig, welche Erklärung nun wirklich richtig ist, stellt dieser Tag den Auftakt des sehr wichtigen Weihnachtsgeschäftes in den USA dar. Denn in den letzten zwei Monaten des Jahres generieren die US-Einzelhändler üblicherweise über 25 Prozent ihrer Jahresumsätze. Und da das Bruttoinlandsprodukt der USA zu großen Teilen durch den Konsum der US-Verbraucher bestimmt wird, sind die Umsätze des Black Friday ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftsentwicklung in Übersee.

Größtes Umsatzplus seit fünf Jahren erwartet

Heute ist eben jener "Black Friday", der dank Onlinehandel inzwischen durch den "Cyber Monday" ergänzt wird, an dem die Internethändler ihrerseits mit massiven Rabatten locken. Der US-Einzelhandelsverband erwartet das größte Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr seit 2007. Das wäre ein gutes Zeichen für die US-Konjunktur. Neben dem Aufschwung am Immobilienmarkt, der sich u.a. in der Zahl der privaten Baubeginne und der Verkäufe bestehender Immobilien zeigt, könnte der Einzelhandel eine weitere Aufschwungstütze der US-Wirtschaft sein. Sicherlich gibt es noch viele Rädchen im US-Getriebe, die noch nicht ganz rund laufen. Hierzu zählen der US-Arbeitsmarkt und das vielbeachtete Problem "Fiskalklippe", das von den US-Parteien gelöst werden muss. Eine Bodenbildung bei der US-Konjunktur ist jedoch deutlich zu erkennen.

Aussichten in der Eurozone vor dem Weihnachtsgeschäft mau

In Europa scheint das Schlimmste hingegen noch bevorzustehen. So ist es wahrscheinlich, dass das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im vierten Quartal leicht zurückgehen wird und sich die hiesige Wirtschaft damit den übrigen EU-Ländern annähert, die sich bereits in der Rezession befinden. Die Einzelhandelsumsätze für den Euroraum gehen bereits seit April 2011 beständig zurück. Und nach einem Aufflammen im Sommer ist nun auch die Nachfrage der deutschen Konsumenten rückläufig.

Zwar wird Deutschland mit einer schwach wachsenden Wirtschaft wahrscheinlich immer noch besser dastehen als die übrigen Euro-Länder, eine Bodenbildung wie in den USA wird sich hierzulande aber erst im nächsten Jahr einstellen. Insbesondere die Verschlechterung der Auftragseingänge der deutschen Industrie stimmt im Moment eher nachdenklich. Hoffnung wird weiter in die Wirtschaftsaktivität der Schwellenländer gesetzt. Diese – gerade für Deutschland sehr wichtigen Märkte – zeigen wie die USA erste Bodenbildungstendenzen.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

www.weberbank.de

Jens Herdack

Jens Herdack,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Jens Herdack hat die Schwerpunkte Aktien-, Rohstoff- und Alternative Investments. Seit 2002 ist der Diplomkaufmann und Analyst bei der Weberbank tätig und blickt auf insgesamt 14 Jahre Investmenterfahrung im Wertpapier- und Derivatesegment zurück.

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