16.11.2012, 12:36

Trübe Konjunkturaussichten für Europa

Eurozone schlittert in die Rezession

Foto: dpa

Eurozone schlittert in die Rezession Foto: dpa

Konjunktur in Europa bricht ein, die USA konnten zuletzt leicht zulegen, sagt Sören Wiedau, Analyst der Weberbank Berlin.

Die europäischen Konjunkturindikatoren sind enttäuschend. Die Einkaufsmanagerindizes gaben in der vergangenen Woche weiter nach und deuten sogar auf einen beschleunigten Abwärtstrend in der Industrie hin. Immer deutlicher zeigt sich, dass die Krise in den Peripherieländer die beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone, Deutschland und Frankreich, in Mitleidenschaft zieht. Dies bestätigten auch das Industrievertrauen und das Geschäftsklima, welche wesentlich schlechter ausfielen, als von den Volkswirten erwartet wurde. Angesichts der sich verschärfenden Eintrübung der Konjunktur ist für das vierte Quartal mit einer Fortsetzung der Rezession im Euroraum zu rechnen.

US-Konjunktur mit guten Zahlen

Im Gegensatz dazu konnten sich die Konjunkturdaten aus Amerika zuletzt mehrheitlich verbessern. Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,0 Prozent gewachsen. Verantwortlich dafür waren vor allem höhere private Konsumausgaben, höhere Staatsausgaben sowie die Belebung beim Wohnungsbau. Überraschend positiv fiel auch der Arbeitsmarktbericht aus: Außerhalb der Landwirtschaft wurden im Oktober 171.000 neue Stellen geschaffen.

Auch die vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und für Dienstleistungen liegen wieder oberhalb der Wachstumsschwelle und zeigen eine Belebung im Industrie- und Dienstleistungssektor an. Zusätzlich stieg das Konsumentenvertrauen auf den höchsten Stand seit über vier Jahren, und die Verbraucher zeigten sich auch wieder etwas ausgabefreudiger. Die Fortschritte am Arbeitsmarkt, Stabilisierungstendenzen am Immobilienmarkt sowie anziehende Konjunkturfrühindikatoren deuten auf eine Aufhellung der amerikanischen Wirtschaft hin, wenn auch nicht mit einem überdurchschnittlichen Wachstum zu rechnen ist.

Unsicherheit über "fiscal cliff" bleibt bestehen

Die US-Wahl ist mit Barack Obama als US-Präsident entschieden. Die Demokraten stellen auch weiterhin mindestens 51 der 100 Senatoren und können damit ihre knappe Mehrheit verteidigen. An den Machtverhältnissen in Washington hat sich damit nichts verändert. Die Unsicherheit über die "fiscal cliff" bzw. wie viele der auslaufenden Steuerentlastungen aus der Amtzeit von Bush verlängert und wie stark die Ausgaben gekürzt werden, bleibt somit weiter bestehen. Angesichts der völlig unterschiedlichen Vorstellungen, wie die Haushaltssanierung und die Entschärfung der Schuldenbremse erfolgen sollen, ist mit einer schnellen Einigung der Parteien nicht zu rechnen. Letztendlich wird es zu einem Kompromiss kommen, da keiner ein Abrutschen in eine Rezession riskieren wird.

Keine Trendwende am Zinsmarkt in Sicht

Die unverändert trüben Konjunkturaussichten in Europa, die Diskussionen um das weitere Vorgehen in Griechenland sowie die Angst vor der "fiscal cliff" in Amerika geben den Rentenmärkten weitere Unterstützung und lassen zur Zeit wenig Spielraum für eine Trendwende am Zinsmarkt. Solange sich ein Verhandlungsabschluss zwischen Griechenland und den Kreditgebern bzw. der Hilfsantrag Spaniens beim ESM hinzieht, bleiben sichere Häfen wie deutsche Anleihen gut unterstützt.

Haftungsausschluss:

Diese Darstellung der aktuellen Marktsituation hat die Weberbank entweder selbst angestellt oder aus von der Weberbank als zuverlässig angesehenen Quellen bezogen. Trotz Anwendung größter Sorgfalt kann die Weberbank für die Richtigkeit ihrer Einschätzungen keine Haftung übernehmen. Diese Darstellung ist nicht als Aufforderung zum Erwerb, Verkauf oder Halten bestimmter Wertpapiere intendiert.

www.weberbank.de

Jens Herdack

Sören Wiedau,
Senior-Portfoliomanager der Weberbank


Sören Wiedau hat den Schwerpunkt europäische Einzelaktien und ist seit 1999 bei der Weberbank tätig. Der Diplomkaufmann hat zudem seinen Abschluss um die Qualifikation Certified European Financial Analyst erweitert.

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