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11.12.08

Statt Bafög

Mit dem Stipendium einfacher durchs Studium

Die meisten Studenten in Deutschland müssen jobben, um ihr Studium zu finanzieren. Das kostet Zeit und Nerven. Dabei finden gerade politische Stiftungen nicht genug Studenten, die sie finanziell fördern können. Auch Unternehmen unterstützen gezielt Studenten passender Fachrichtungen.

© dpa
Universität Frankfurt am Main

Sechzig Prozent der deutschen Studierenden sind auf eigenes Einkommen angewiesen, nur 13 Prozent leben ausschließlich von der Unterstützung der Eltern, das hat die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes ergeben. Klar, dass da jede Geldquelle willkommen ist.

Neben Studienkredit, Bafög und eigenem Job sollte daher auch über die Möglichkeit eines Stipendiums nachgedacht werden. Keine Angst: So hart, wie landläufig angenommen, sind die Auswahlkriterien gar nicht. Manche Stipendiengeber, vor allem politische orientierte Stiftungen, klagen gar über Bewerbermangel. Natürlich stellen gerade die Studienstiftungen großer Parteien bestimmte politische Ansprüche an die Geförderten, die nicht jeder erfüllen kann oder mag.

Anders sieht es bei den Stipendienprogrammen von Unternehmen aus. Hier stehen in den meisten Fällen keine politischen, sondern klare wirtschaftliche Interessen der Firmen im Vordergrund: Stipendien sind Teil der Klaviatur, auf der die Personal- und Recruiting-Abteilungen vor allem großer Unternehmen spielen, um frühzeitig geeigneten akademischen Nachwuchs an sich zu binden. Den Hintergrund bildet der bekannte Nachwuchskräftemangel, von dem gerade große, international tätige Unternehmen seit einigen Jahren geplagt werden. Davon können Studierende profitieren.

Wer sich zunächst einen Überblick über Stipendienprogramme ganz allgemein verschaffen will, sollte es zuerst beim Bundesverband deutscher Stiftungen unter www.stiftungsindex.de oder beim Stifterverband für die deutsche Wirtschaft versuchen. Allerdings sind dort Firmenstipendien nicht gesondert ausgewiesen, wie es überhaupt keine Datenbank als komplette Übersicht zum Thema gibt.

Wer darüber nachdenkt, mit einem Firmenstipendium seine finanzielle Situation während des Studiums aufzupeppen, sollte einkalkulieren, dass dann andere Zuschüsse wie etwa das Bafög schmaler ausfallen können. Zur Erinnerung: Beim Bafög hat der Studierende einen bestimmten Freibetrag an Einkünften, der unangetastet bleibt; er darf im Bewilligungszeitraum von einem Jahr rund 4800 Euro betragen. Wer darüber liegt, bekommt weniger oder gar kein BAföG gezahlt. Da Stipendien bis zu 500 Euro im Monat bringen können, ist man schnell oberhalb der magischen Grenze. Daher: Beim Geldgeber nachfragen, ob das Stipendium angerechnet wird.

Das besondere an Stipendien über Firmen ist der zumeist strenge Bezug auf eine oder mehrere Studienrichtungen. In der Praxis sind das oft Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure, auch Studierende naturwissenschaftlich-technischer Disziplinen wie Chemie und Physik.

Und natürlich gehören auch IT- und Multimediaspezialisten zu den Glückspilzen, die gern und oft gefördert werden. Quasi als Ausgleich für ihre Mühe erwarten die Firmen in der Mehrzahl, dass geförderte Absolventen zumindest eine Zeit lang Dienst im betreffenden Unternehmen tun. Das taucht zwar in den seltensten Fällen direkt im Vertrag auf, gehört aber zu den Selbstverständlichkeiten, über die nicht viel geredet wird. Erwartet werden meist gute bis sehr gute Studienleistungen, die auch während der Förderung überprüft werden. Ein Stipendium als Ruhekissen zu betrachten, kann also Folgen haben.

Ein Modell, bei dem Unternehmen zusammen geeigneten Nachwuchs fördern, ist der Verein "International Co-operative Studies e. V." ( I.C.S) , aus Nürnberg. Hier kooperieren Unternehmen wie Ericsson, Siemens, IBM Deutschland und Deutsche Bahn AG mit süddeutschen Hochschulen.

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