20.02.12

Geldanlagen

Apple so viel wert wie die sechs größten Dax-Konzerne

Der Dax legt den stärksten Jahresauftakt aller Zeiten hin. Dennoch bleiben deutsche, börsennotierte Firmen im internationalen Vergleich Leichtgewichte.

Von Daniel Eckert

Achtzehn Prozent hat der Deutsche Aktienmarkt seit Anfang Januar zugelegt. Das ist der beste Start ins Börsenjahr seit Auflegung des Index im Jahr 1988 . Mit dem satten Plus hat der Dax fast alle großen Indizes auf dem Planeten abgehängt. Währungsbereinigt waren lediglich die Börsen in Mumbai und Rio de Janeiro besser.

Am Montag notierte der Dax bei 6950 Zählern auf dem höchsten Niveau seit Ende Juli 2010. Doch während sich die deutschen Anleger derzeit der neuen Stärke erfreuen, ist der hiesige Aktienmarkt international immer noch ein kleines Licht. Alle 30 Dax-Firmen zusammen sind knapp 800 Mrd. Euro wert. Werden die Börsenfirmen außerhalb des Leitindex dazugezählt, bringt es die Bundesrepublik auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,1 Billionen Euro. Damit rangiert Deutschland nur knapp vor der Schweiz und hinter Frankreich. Deutlich mehr bringen Kanada, Hongkong, Festlands-China, England, Japan und die USA auf die Börsenwaage.

Londoner Börse in Europa die Nummer Eins

In der Alten Welt ist und bleibt die Londoner Börse der Koloss. Obwohl die britische Wirtschaft ein Drittel kleiner ist als die deutsche, ist der Aktienmarkt auf der Insel weitaus gewichtiger als bei uns. Zusammen bringen es die Börsenfirmen des Vereinigten Königreichs auf eine Kapitalisierung von umgerechnet 2,5 Billionen Euro. Selbst das nimmt sich indes zwergenhaft aus verglichen mit den 12,3 Billionen Euro, die sämtliche US-Firmen am Aktienmarkt wert sind.

Auch bei der Größe der Unternehmen können die Deutschen trotz des jüngsten Dax-Höhenflugs nicht mithalten. Die größte hiesige Börsengesellschaft Siemens schafft es mit einem Marktwert von 68 Mrd. Euro gerade mal auf Platz 62 der globalen Rangliste. Unter den Top-100 finden sich neben den Münchnern lediglich vier andere deutsche Firmen: Volkswagen auf Rang 71, SAP auf Rang 75, BASF auf Rang 83 sowie Daimler auf Rang 98. Dominiert wird die Liste der größten Firmen von den Amerikanern. Sechs der zehn Spitzenreiter haben in den Vereinigten Staaten ihren Sitz, China bringt es auf drei, Großbritannien auf einen.

Der Finanzkrise und der Überschuldung zum Trotz sind die USA die unangefochten größte Volkswirtschaft auf dem Planeten. Das bietet den Unternehmen einen starken Heimatmarkt, von dem aus sie auf Expansionskurs in anderen Teilen der Welt gehen können. Keine Firma hat das in den vergangenen Jahren besser beherrscht als der kalifornische Elektronik-Konzern Apple.

Apple mehr wert als die sechs größten Dax-Konzerne

Der iPad-Hersteller ist an der Börse fast eine halbe Billion wert. Mit einer Marktkapitalisierung von 468 Mrd. Dollar oder umgerechnet 353 Mrd. Euro kostet Apple mehr als die sechs größten Dax-Konzerne zusammen. Beeindruckend an der Firma des jüngst verstorbenen Steve Jobs ist jedoch nicht allein die schiere Größe, sondern auch die Dynamik der Entwicklung. Vor zehn Jahren war Apple weltweit erst die Nummer 75. Selbst vor zwei Jahren, als das iPhone bereits den Markt beherrschte, rangierte die Firma lediglich auf Position fünf.

Anlegern bescherte die Apple-Aktie seit dem Jahr 2000 einen Gewinn von 1660 Prozent. Aus damals investieren 10000 Dollar wurden 166000 Dollar. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 27 Prozent. Leider ist die Kult-Aktie mit der fulminanten Wertentwicklung die große Ausnahme. Siemens, die deutsche Nummer eins, brachte seinen Aktionären seit der Jahrtausendwende einen Gesamtertrag von gut 39 Prozent oder 2,8 Prozent per annum. Mit vielen anderen Großkonzernen fuhren die Anleger schlecht. Wer vor zwölf Jahren Telekom-Papiere kaufte, sitzt bis heute auf herben Verlusten.

General Electric war im Jahr 2000 die Nummer 1

Größe ist keine Garantie für künftigen Erfolg an der Börse. Die Nummer eins des Jahres 2000 war General Electric. Wer in Vertrauen auf die Jahrzehnte alte Erfolgsgeschichte des US-Mischkonzerns die Aktie kaufte, fuhr bis heute einen Verlust von rund 40 Prozent ein, Dividendenzahlungen eingerechnet.

Noch viel übler erging es Investoren, die damals in Eastman Kodak investieren, in der Erwartung, dass der Film- und Kamerahersteller die Kurve ins digitale Zeitalter bekommen würde. Mit Aktien des inzwischen insolventen Unternehmens haben sie rund 99 Prozent ihres Geldes verloren. Es ist ein Beispiel dafür, wie schnell ein Weltkonzern technologisch den Anschluss verpassen kann. In den Achtzigern war Eastman noch die neuntgrößte Firma der Welt.

Einen der steilsten Abstiege in Europa hat der Handyhersteller Nokia hinter sich. Zur Jahrtausendwende noch die Nummer elf weltweit finden sich die Finnen heute nichtmal mehr unter den Top-100. Der Börsenwert beträgt mit 15,6 Mrd. Euro rund ein Zehntel des Wertes von damals.

ExxonMobil seit Jahrzehnten in der Spitzegruppe

Kontinuierlicher entwickelt als viele Technologie-Konzerne haben sich Firmen, die in den Sektoren Energie oder Lebensmitteln tätig sind. Der US-Ölkonzern ExxonMobil findet sich zum Beispiel seit Jahrzehnten in jeder Rangliste. Dass das Nachfolge-Unternehmen der berühmten Standard Oil von Rockefeller heute nur noch Platz zwei hinter Apple ist, wird die Aktionäre kaum stören.

Seit dem Jahr 2000 brachte das Papier seinen Haltern acht Prozent Jahresrendite, seit 1990 waren es sogar 13 Prozent. Es gibt sie also doch, die langfristigen Erfolgsgeschichten an der Börse.

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