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10.02.12

Deutsche Börse

Nach geplatzter Fusion wittern die Aktionäre Bargeld

Der Gewinn dürfte sich 2011 mehr als verdoppelt haben. Die Blicke richten sich jetzt schon auf die Hauptversammlung. Denn die Aktionäre hoffen auf eine Sonderzahlung.

© PA/dpa
Hauptversammlung Deutsche Börse

Alles auf Anfang: Nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse muss Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni der Öffentlichkeit am Dienstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2011 erklären, wie sich das Unternehmen alleine im globalen Wettbewerb behaupten will.

Bereits am Montag dürfte sich bei einer Sitzung des Börsen-Aufsichtsrats zeigen, ob sich der Schweizer an der Spitze von Deutschlands größtem Börsenbetreiber halten kann. Trotz Kritik der Arbeitnehmer und der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wird bislang nicht damit gerechnet, dass Francioni zurücktreten muss. Ob er allerdings seinen bis Ende November 2013 laufenden Vertrag erfüllt, gilt in Unternehmenskreisen längst nicht als ausgemacht.

Im Umfeld Francionis wiegelt man die aufgekommene Kritik ab. Dass die Arbeitnehmer, die von Anfang an gegen die Fusion waren, gegen ihn Stimmung machten, sei vorhersehbar gewesen. "Aber es gibt keine Anzeichen, dass die Kapitalseite Francioni stürzen will", heißt es. Die Anteilseigner stellen im Aufsichtsrat der Börse zwölf von 18 Mitgliedern und entscheiden somit über die Zukunft des Mannes, der seit Ende 2005 an der Spitze des Dax-Konzerns steht.

Kritiker werfen dem Börsen-Chef allerdings vor, dass es ihm in den vergangenen Monaten nicht gelang, ausreichend politische Unterstützung für die Transaktion zu organisieren, nachdem sich früh abzeichnete, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel ihr Veto einlegen würden. Auch den Banken, den Kunden der Börse, habe die Führungsmannschaft die gut sieben Mrd. Dollar schwere Fusion zu wenig schmackhaft gemacht.

Aufsichtsrat steht hinter Francioni

Börsen-Aufsichtsratschef Manfred Gentz hat bereits unmittelbar nach dem Platzen der Fusion signalisiert, dass er hinter Francioni steht. "Es besteht zu grundlegenden Änderungen von Strategie, Struktur und Führung kein Anlass, vielmehr sind jetzt Ruhe und Kontinuität geboten", ließ er per Pressemitteilung verbreiten. Gentz wird bei der Hauptversammlung im Mai sein Amt allerdings aus Altersgründen niederlegen.

Das Machtgefüge an der Spitze des Unternehmens wird deshalb so oder so in Bewegung kommen. Dies mag dafür sprechen, dass zumindest an der Vorstandsspitze erst einmal Ruhe bewahrt werden soll. Allerdings wird auch immer wieder kolportiert, dass Francioni nur wegen der seit drei Jahren vorbereiteten Fusion mit New York überhaupt noch an der Vorstandsspitze steht. Die nach dem Zusammenschluss mit der Nyse angedachte Rolle eines Verwaltungsratschefs, der sich nicht mehr mit dem Tagesgeschäft beschäftigen muss, entspreche schon seit längerem eher seinen Vorstellungen, heißt es immer wieder.

Der Weg an die Aufsichtsratsspitze der Deutschen Börse dürfte Francioni allerdings verbaut sein – spätestens seit Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit einem ähnlichen Ansinnen in seinem Haus an den eigenen Aktionären scheiterte. Immerhin stünde mit Andreas Preuß, Chef der Terminbörse Eurex und seit längerem Stellvertreter Francionis, ein Nachfolger für den Posten des Vorstandsvorsitzenden bereit.

Aktionäre wollen zwei Euro Sonderdividende

Seinen Kritikern will Francioni auch mit Hilfe der Geschäftszahlen 2011 Wind aus den Segeln nehmen. Nach Einschätzung von Analysten hat der Konzern seinen Überschuss im Vorjahr auf 853 Mio. Euro mehr als verdoppelt.

Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass die Börse ihren Aktionären eine Sonderdividende von zwei Euro bezahlen wird, die das Unternehmen eigentlich nur für den Fall einer geglückten Fusion versprochen hatte. Um die Anteilseigner bei Laune zu halten, wird auch ein Aktienrückkaufprogramm nicht ausgeschlossen.

Ein grundlegender Schwenk der Strategie, die Francioni am Dienstag noch einmal erläutern will, ist nicht zu erwarten. Neue Mega-Deals wolle er vorerst nicht in Angriff nehmen, sondern die Position der Deutschen Börse in kleinen Schritten stärken, sagte er bereits. "Wir werden mit Nachdruck unsere Positionen ausbauen, mit Schwerpunkt auf den Bereichen Derivate-Clearing, Risiko- und Sicherheitenmanagement".

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