Finanzmärkte
Griechenland-Zitterpartie löst Börsentalfahrt aus
Die Hürden für die Hilfsgelder in Griechenland schienen überwunden. Doch nun dreht sich das Blatt, die erste Partei ist ausgeschert. Die Börse reagiert scharf.
Wegen wachsender Zweifel an Griechenlands Reformfähigkeit haben sich einige Anleger aus den europäischen Finanzmärkten zurückgezogen. Genährt wurden die Bedenken unter anderem von der Ankündigung des Parteichefs der griechischen Rechten, das mit EU, EZB und IWF vereinbarte Sparpaket im Parlament nicht mitzutragen.
Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker zufolge werden die neuen Hilfsgelder aber erst freigegeben, wenn das Parlament das Sparpaket verabschiedet und sich alle führenden Parteien schriftlich zur Umsetzung der Maßnahmen verpflichten.
"Just als alle dachten, Griechenland hat die Hürden überwunden und Europa kann wieder nach vorne blicken, ist das Thema alles andere als erledigt", sagte Aktienhändlerin Anita Paluch von Gekko Global Markets. "Die frustrierten Gläubiger Griechenlands verlieren langsam die Geduld, da das Land seine bisherigen Versprechen nicht eingehalten hat. Daher bestehen sie auf der parlamentarischen Ratifizierung des Sparprogramms."
Viele Börsianer haben Griechenland schon komplett abgeschrieben. "Wir wissen, dass Griechenland die Anforderungen nicht erfüllen kann", betonte Aktienmarkt-Experte Justin Urquhart Stewart von Seven Investment Management. "Selbst wenn sie sich dazu verpflichten, werden sie die Maßnahmen nicht umsetzen können.
Es scheint unausweichlich, dass Griechenland einen 'Euro light' erhält oder ganz aus dem Währungsraum ausscheidet." Ein Grund zum Total-Rückzug aus dem Aktienmarkt sei dies aber nicht, fügte Urquhart Stewart hinzu. Anleger sollten vielmehr die durch die allgemeine Nervosität hervorgerufenen Kursausschläge für sich nutzen.
Dax verliert gut zwei Prozent
Dax und EuroStoxx50 verloren bis zum frühen Freitagnachmittag rund zwei Prozent auf 6651 beziehungsweise 2471 Punkte. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten darauf hin, dass die Wall Street ebenfalls ins Minus rutscht.
Die schwindende Aussicht auf eine Lösung für Griechenland belastete auch den Euro. Er kostete mit 1,3174 Dollar einen guten US-Cent weniger als zum New Yorker Vortagesschluss.
"Das sind bislang aber nur Gewinnmitnahmen", betonte ein Börsianer. "Da wollen einige vor dem Wochenende offenbar auf Nummer sicher gehen. Schließlich darf man nicht vergessen, dass der Dax in den vergangenen Wochen rund 1000 Punkte gestiegen ist. So lange er heute nicht unter die Marke von 6500 Punkten fällt, ist noch alles im grünen Bereich."
Anleger trennen sich von Italien- und Spanien-Anleihen
Am Anleihemarkt trennten sich Investoren von Papieren anderer Schulden-Staaten wie Italien oder Spanien und nahmen Kurs auf den "sicheren Hafen" Bundesanleihen. Der Bund-Future stieg daraufhin um 118 Ticks auf 138,27 Zähler.
Angesichts des neuen Widerstands gegen die Sparauflagen trennten sich Investoren vor allem von Finanzwerten, die besonders sensibel auf dieses Thema reagieren. "Wenn es keine Einigung gibt, könnte es zu einer chaotischen Insolvenz kommen", sagte Bob Parker, Anlageberater der Credit Suisse. "Die Abschreibungen der Banken und Investoren würden in diesem Fall zunehmen."
Der griechische Bankenindex brach um 12,5 Prozent ein und sein gesamteuropäisches Pendant verlor 2,5 Prozent. Im EuroStoxx50 belegten Deutsche Bank, Societe Generale & Co. mit Kursverlusten zwischen 3,5 und 6,2 Prozent fünf der sechs ersten Plätze der Verliererliste. Im Dax war die Commerzbank das Schlusslicht. Ihre Aktien gaben 6,6 Prozent auf 2,03 Euro nach.
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