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24.01.12

Geldanlagen

Die Deutschen haben keine Ahnung von Fonds

Die Bürger glauben sich mit nachhaltigen Finanzanlagen auszukennen. Doch tatsächlich wissen viele nicht, was das ist – und das sind nicht die einzigen Lücken.

© PA/chromorange
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Fast jeder Kunde wurde schon mal von einem der Verkäufer am Bankschalter damit behelligt: nachhaltige Investments. Seit Jahren trommelt die Finanzindustrie dafür, unzählige Nachhaltigkeitsfonds sind mittlerweile auf dem Markt, eine riesige Marketingmaschinerie kreist darum. Und eines haben die Fondsgesellschaften damit offenbar erreicht: Die große Mehrheit der Menschen kennt den Begriff inzwischen. Allerdings wissen die meisten nach wie vor nicht, was das eigentlich ist.

Das jedenfalls ergab eine Studie der Fondsgesellschaft Axa Investment Managers. Bei einer Umfrage unter 1000 zufällig ausgewählten Teilnehmern antworteten zwei Drittel der Befragten, der Ausdruck "Nachhaltigkeit" sei für sie ein gängiger Begriff. Ebenfalls zwei Drittel kannten auch entsprechende Anlageprodukte.

Als man den Befragten dann jedoch die Aussage vorlegte, nachhaltige Investmentfonds berücksichtigten ökologische, soziale und ethische Kriterien, da bezeichneten nur 45 Prozent dies als richtig, fast ebenso viele sagten, diese Aussage sei falsch. Dabei geht es bei diesen Anlagen ja genau darum. Immerhin 56 Prozent beteuerten dann aber wiederum, das Kriterium Nachhaltigkeit spiele bei ihren Anlageentscheidungen eine wichtige Rolle.

Offenbar ist den Deutschen also erfolgreich eingehämmert worden, dass Nachhaltigkeit irgendetwas Gutes ist und man danach handeln sollte. Wenn sie sich entscheiden sollen, beispielsweise beim Verkaufsgespräch in der Bank dann sprechen die Menschen sich folglich dafür aus. Was Nachhaltigkeit aber eigentlich ist und was das vor allem beim Investieren bringt, scheinen aber selbst viele von jenen nicht zu wissen, die vorgeben nachhaltig zu investieren. Nachhaltigkeit ist also vor allem ein gut funktionierendes Werbeargument. Auf den Inhalt kommt es dagegen kaum an, da die Menschen ohnehin nicht so genau wissen, worum es dabei eigentlich geht.

Leider beschränkt sich dieses lückenhafte Wissen allerdings nicht nur auf den Bereich des nachhaltigen Investierens. Insgesamt steht es um die Kenntnisse der Deutschen in Bezug auf Fondsanlagen nicht zum Besten. Dies zeigten einige Fragen zum generellen Wissen rund um diese Investmentvehikel. Immerhin ein Drittel weiß nicht, dass Rentenfonds in festverzinsliche Wertpapiere investieren – sie dachten dabei wahrscheinlich eher an die Altersvorsorge, sprich, an die Rente.

Viele Menschen besitzen keine Fonds – oder wissen es nicht

Dass Fondsanteile täglich ohne Einhaltung von Fristen verkauft werden können, halten wiederum nur 43 Prozent für möglich, und nur 34 Prozent wissen, dass es spezielle Fonds gibt, die vor Inflation schützen sollen. Ganz trübe sieht es schließlich beim Thema Insolvenzsicherheit aus. Dass das Vermögen eines Fonds bei der Pleite eines Anbieters geschützt ist, weiß nur jeder Vierte.

Vielleicht liegt das Unwissen aber auch einfach darin begründet, dass die große Mehrheit schlicht keine Fonds besitzt. Gerade mal 17 Prozent der Befragten nennen Fondsanteile ihr eigen – oder vielleicht sollte man besser sagen: Sie wissen, dass sie welche besitzen. Drei Prozent wissen es nämlich schlicht nicht, und es ist anzunehmen, dass es unter den übrigen 82 Prozent noch etliche gibt, die für die Riester-Rente mit Fondsanteilen sparen, dies aber einfach nicht als Fonds-Anlage wahrnehmen.

Von jenen aber, die keine Fonds haben oder glauben, keine zu haben, nennt die große Mehrheit dann Geldmangel als Grund dafür, dass sie keine Anteile besitzen. Immerhin ein Viertel jedoch sagt, man spare lieber eigenständig. Offenbar trauen sie den Banken und Fondsgesellschaften nicht zu, ihr Geld sicher und erfolgreich zu verwalten. Oder vielleicht geht einigen auch schlicht das permanente Herumreiten auf nachhaltigen Finanzanlagen durch die Bankverkäufer auf die Nerven.

Verbinden Sie sich mit dem Morgenpost Online-Autor auf Twitter: Frank Stocker schreibt schwerpunktmäßig zu den Themen: Geldanlage, China und Schwellenländer.

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