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20.01.12

Grüne Woche

Tierschutzbund plant Qualitätssiegel für Fleisch

Die Skandale um belastetes Fleisch aus Massentierhaltung reißen nicht ab. Tierschützer wollen nun ein Qualitätssiegel einführen.

© picture alliance / ZB
Massentierhaltung: Siegel soll vor Missbrauch schützen
Masthühner: Produktionskette von der Zucht bis zur Schlachtung häufig nicht bekannt

Angesichts der anhaltenden Kritik an der Massentierhaltung in der Landwirtschaft will der Deutsche Tierschutzbund mit einem Qualitätssiegel den Verbrauchern Orientierung geben. "Wer sich für Fleisch entscheidet, muss verlässlich und transparent erfahren, wie das Produkt aus Tierschutzsicht entstanden ist", sagte der Ehrenpräsident des Tierschutzbundes , Wolfgang Apel, auf der Grünen Woche in Berlin.

Mit dem Siegel sollten künftig Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet werden, bei denen Tierschutzstandards weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus eingehalten werden. Die Kriterien sollen für alle Tiere in der Landwirtschaft erarbeitet werden und die gesamte Produktionskette von der Zucht bis zur Schlachtung umfassen. Mit einem Qualitätssiegel für Produkte von Masthühnern und Mastschweinen will der Tierschutzbund starten.

Im Zuge der Eindämmung von Arzneien in der Tiermast soll auch das Recht der Tierärzte überprüft werden, von ihnen empfohlene Medikamente selbst zu verkaufen. "Das sogenannte Dispensierrecht geht zurück auf eine Ausnahme vom Apothekenmonopol, die in den 1950er-Jahren für die Tierärzte geschaffen wurde. Es stellt sich die Frage, ob das noch in die Zeit passt", sagte Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" . "Wir stellen das Dispensierrecht deshalb auf den Prüfstand."

Dies war eine Forderung des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gewesen, nachdem Aigner ihren Gesetzentwurf zur Eindämmung des Antibiotika-Einsatzes in der Tiermast vorgelegt hatte. Über den Verzehr von Lebensmitteln können Menschen Keime einnehmen, die gegen Antibiotika unempfindlich sind. Das kann dazu führen, dass die Arznei bei Krankheiten nicht mehr wirkt.

Verbraucherschutz steht an erster Stelle

Aigner bezeichnete den Kampf gegen den Hunger in Entwicklungsländern als Verpflichtung. "Wir wissen, dass eine Milliarde Menschen nicht satt werden können", sagte die Verbraucherschutzministerin beim traditionellen Eröffnungsrundgang. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, bei der Schau der weltweiten Ernährungswirtschaft stehe auch Verbraucherschutz auf der Agenda. Es müssten gesunde Lebensmittel in die Geschäfte kommen.

Bei der ersten Station des Rundgangs am Stand des diesjährigen Partnerlands Rumänien kam es zu einem kurzen Zwischenfall. Ein Tierschützer lief plötzlich vor die Kameras und hielt ein kleines Transparent hoch, mit dem er gegen die Kaninchenmast protestierte. Er wurde von Sicherheitskräften abgedrängt. Bis zum 29. Januar präsentieren sich in den Hallen unter dem Berliner Funkturm mehr als 1600 Aussteller aus knapp 60 Ländern.

Quelle: dapd/dpa/cat
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