Autokonzern
Aktionäre strafen VW trotz Gewinnexplosion ab
Der Autokonzern verdient im ersten Halbjahr 6,5 Milliarden Euro. Börsenerxperten hatte mehr erwartet, der Aktienkurs fällt.
Die VW-Aktie ist trotz einer Gewinnexplosion massiv eingebrochen. Der Kurs fiel bis Mittag um über sechs Prozent und machte Volkswagen zum schlechtesten Wert im Aktienindex Dax . Vorher hatte der größte Autokonzern Europas eine Steigerung des Nettoergebnisses im ersten Halbjahr von 1,8 Milliarden Euro 2010 auf 6,5 Milliarden Euro bekanntgegeben. Börsenexperten hatten nach dem guten Jahresauftakt einen noch stärkeren Zuwachs beim Betriebsgewinn und eine entsprechend höhere Rendite erwartet.
Allerdings stammen 2,1 Milliarden Euro Gewinn aus dem Finanzergebnis und nicht aus dem operativen Geschäft. Darin stecken die Gewinne der China-Töchter sowie Bewertungsänderungen im Zusammenhang mit der Porsche-Übernahme. Außerdem warnte Vorstandschef Martin Winterkorn vor Wolken am Konjunkturhimmel.
Der VW-Umsatz stieg bis Ende Juni um 26 Prozent auf 77,8 Milliarden Euro. Die Wolfsburger hatten weltweit 4,1 Millionen Fahrzeuge abgesetzt, ein Zuwachs von 16 Prozent. Offenbar greifen viele Kunden zu größeren oder besser ausgestatteten Modellen. Nach Angaben von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch haben neben dem höheren Absatz "die geringeren Produktkosten zur gestiegenen Profitabilität" beigetragen.
Volkswagen hob angesichts der guten Zahlen den Ausblick für das Gesamtjahr an: Umsatz und operativer Gewinn werden das Ergebnis von 2010 "deutlich übertreffen", teilte der Konzern in Wolfsburg mit. Allein aus dem China-Geschäft flossen VW Gewinne von 1,2 Milliarden Euro zu, 50 Prozent mehr als im Vorjahr.
19,4 Milliarden auf der hohen Kante
Die flüssigen Mittel des Konzerns stiegen gegenüber Ende Dezember um 0,8 Milliarden auf 19,4 Milliarden Euro, obwohl Milliarden Euro für Firmenzukäufe wie die Porsche-Vertriebsholding, MAN-Anteile oder Aktien von SGL Carbon abflossen.
Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen, dass die weltweite Autonachfrage weiter anzieht. "Die anhaltend hohe Nachfrage in strategisch wichtigen Märkten gibt uns Rückenwind und unsere zahlreichen neuen Modelle sorgen für zusätzlichen Schub", sagte Winterkorn. Zugleich warnte der Konzernchef aber auch vor Risiken: Die angespannte Schuldensituation einiger Euro-Staaten und das Ende der Förderprogramme würden die Nachfrage belasten.
Die Märkte in China und Indien werden ihre positive Entwicklung nach VW-Einschätzung dagegen fortsetzen, und auch in Amerika geht der Konzern von einem Wachstum der Neuzulassungen aus. "Volkswagen ist robust genug, um auf der Überholspur bleiben zu können", sagte Winterkorn.
Winterkorn peilt für das Gesamtjahr einen Rekordabsatz von über acht Millionen Stück an. Bis 2018 will der Konzern mit Marken wie VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche oder Scania bei zehn Millionen Stück liegen und der größte Autobauer der Welt werden.
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