17.06.11

Telefonieren

Call-by-Call lohnt sich auch für Flatrate-Kunden

In Zeiten von Flatrates sind Billig-Vorwahlen fast ins Vergessen geraten. Dabei lassen sich mit Call-by-Call hohe Telefonrechnungen verhindern.

Foto: DPA
Vorsicht bei langen Telefonaten ins Ausland: Mit dem falschen Tarif kann das schnell teuer werden
Vorsicht bei langen Telefonaten ins Ausland: Mit dem falschen Tarif kann das schnell teuer werden

An freien Tagen rattert der Gebührenzähler im Telefon daheim besonders schnell. Freunde und Verwandte in der ganzen Welt anrufen geht ordentlich ins Geld, ob bei Gesprächen ins Festnetz oder aufs Handy. Ein Geheimtipp gegen Riesenrechnungen sind Call-by-Call-Tarife. Die Billig-Vorwahlnummern kannte vor wenigen Jahren noch fast jeder. Mit dem Siegeszug der Flatrate-Angebote gerieten sie aber meist in Vergessenheit."Das Wiederentdecken lohnt sich", sagt Rafaela Möhl vom Online-Ratgeber Teltarif.

Millionen Telefonkunden könnten mit Call-by-Call bis zu 80 Prozent Gebühren sparen. Der Spartipp ist für die Kunden der Deutschen Telekom hochinteressant, wie Barbara Steinhöfel, Telekommunikationsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, erklärt. All die, die nicht mit ihrem Anschluss komplett zu einem Konkurrenz-Anbieter gewechselt sind, haben jederzeit die Möglichkeit, für einzelne Gespräche auf billigere Netze auszuweichen. Das gilt selbst bei monatlicher Flatrate-Pauschale. Mit der Sparvorwahl kosten Telefonate zum Handy nur noch etwa die Hälfte der sonst üblichen Gebühren.

Gespräche in viele Länder Europas sind für weniger als zwei Cent pro Minute zu haben. Beim Call-by-Call-System wird die Vorwahl, die immer mit 010... beginnt, noch vor der eigentlichen Nummer eingetippt – ganz gleich, ob man von Festnetz- zu Festnetzanschluss telefoniert, ein Handy anruft oder ins Ausland durchklingelt.

Bei der Suche nach einer Billig-Verbindung bieten Tarifrechner wie teltarif.de , verivox.de , telefontarife.de oder billiger-telefonieren.de aktuelle Unterstützung. Die größte Ersparnis ist bei Anrufen ins Ausland drin. Nach Italien können Telekomkunden von zu Hause aus schon für 0,89 Cent die Minute durchläuten, nach Spanien ab einem Cent, Polen für 0,97 oder Österreich für 1,85 Cent.

Zum Vergleich: Im Standardtarif Call Plus der Telekom fallen nach Italien und Spanien mit etwa 12,6 Cent pro Minute deutlich höhere Gebühren an. Eine Minute Verbindung nach Österreich kostet beispielsweise 12,6 Cent, nach Polen 25,2 Cent. Die günstigen Vorwahlnummern ins Ausland gelten in der Regel rund um die Uhr. Wer sie nutzt, muss nicht auf die Tageszeit achten.

Vertippen kann teuer werden

Trotzdem heißt es höllisch aufpassen, mahnt Christof Zinkgräf vom Verbraucherportal Verivox zur Vorsicht. Schusseligkeit beim Wählen kann teuer werden. Wer sich vertippt und beispielsweise eine Null auslässt, muss statt wenigen Cent stolze 1,79 Euro pro Minute zahlen. Und zwar für alle Auslandsziele einheitlich.

Für ein 54-Minuten-Gespräch nach Spanien können am Ende dann über satte 96 Euro anfallen statt wie geglaubt nur günstige 97,2 Cent. Ordentlich Kosten drücken lässt sich mit Hilfe der Sparvorwahlnummer auch beim Telefonieren in Handynetze hierzulande oder im Ausland. Das Einsparpotenzial für Telekom-Kunden liege bei mindestens 50 Prozent, betont Möhl.

Allerdings sollten Call-by-Call-Nutzer nicht wochenlang auf die gleiche gewohnte Sparvorwahl vertrauen. Der Anbieter, der an einem Tag sehr günstig ist, kann an einem anderen deutlich mehr für die gleiche Verbindung verlangen. Viele Anbieter im Markt setzten auf diese verwirrende Strategie der ständig wechselnden Tarife, warnt Möhl. Der Kunde zahlt dann plötzlich mehr als das Doppelte pro Minute.

"Billigpreise können sich sogar um das 100-Fache verteuern", berichtet Steinhöfel. Wird der Anrufer morgens noch mit 0,9 Cent pro Minute zur Kasse gebeten, können es abends schon neun Cent sein. Vorsicht ist auch bei Städtetarifen geboten. Während das Telefonieren in die Schweiz 0,7 Cent pro Minute kostet, rechnet der gleiche Anbieter beim Anruf nach Genf 50 Cent pro Minute ab, so Verivox.

Gegen böse Überraschungen helfen folgende Tipps: Erst unmittelbar vor dem Anruf die günstigsten Preise checken und ausschließlich Anbieter mit Tarifansage aussuchen. Wer beim Anwählen eine höhere Gebühr als erwartet angekündigt bekommt, kann notfalls ganz schnell wieder auflegen.

Quelle: dapd/cat
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