Energie
Millionen Gaskunden drohen deutlich höhere Preise
Ein neues Gesetz soll jetzt für mehr Wettbewerb bei den Gaspreisen sorgen. Den Verbrauchern bleibt derzeit nur der Anbieterwechsel.
Von Kathrin Gotthold
Sinkende Preise für Energiekunden durch mehr Wettbewerb – das ist das erklärte Ziel der neuen Gasnetzzugangsverordnung, die die Bundesregierung beschlossenen hat. Ob das tatsächlich erreicht wird, bezweifeln Experten jedoch. Sie kritisieren vor allem die hohen Gewinnspannen der Unternehmen. Kunden haben es mit ihrer Wechselbereitschaft in der Hand, den Eifer der Anbieter anzuheizen. Dabei sollten sie sowohl auf den Service als auch auf die Preise achten.
Einen diskriminierungsfreien Zugang und so mehr Wettbewerber um die Gasnetze soll die neue Regelung bringen. Thorsten Kaspar, Energieexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband sieht das differenziert: "Die Novelle bringt eine Verbesserung – aber wichtige Stellschrauben werden von ihr nicht einmal berührt." Etwa, dass der Gaspreis dem Preis für leichtes Heizöl folge. Und diese Kurve zeigt derzeit eindeutig wieder nach oben. Dabei ist der Gaspreis, offiziell, abgekoppelt vom Ölpreis. Kaspar: "Aber nur auf Endverbraucherseite." Versorger und Lieferanten untereinander beziehen sich in ihren Verträgen weiterhin auf das schwarze Gold.
Wie zum Beweis kündigen Gasversorger jetzt Erhöhungen an. Vorreiter war die Berliner Gasag. Ihr werden Anbieter folgen, sagt Dagmar Ginzel vom Vergleichsportal Verivox: "Stand 18. August werden zum Oktober zehn Tarife teurer – im Schnitt um zehn Prozent." Betroffen seien mindestens 2,4 Millionen Haushalte. Im Gegensatz dazu gibt es zwar auch 28 Senkungen – jedoch durchschnittlich nur um 6,6 Prozent. Und Profiteure des Preisrückgangs sind bisher lediglich 1,9 Millionen Haushalte. Die Gasanbieter erklären den Preisschub mit ansteigenden Einkaufskosten. Die Gasag etwa wies ihre Kunden in einem Rundschreiben darauf hin, dass sie Erhöhungen nur in dem Umfang weitergeben, wie es der Markt verlange. Zudem habe das Unternehmen 2009 viermal die Preise um bis zu 27 Prozent gesenkt.
Warum gerade jetzt wieder die Preise anziehen, ist für Kaspar offensichtlich: "Die Heizsaison steht wieder vor der Tür." Da werde 2010 keine Ausnahme sein: "Jedes Jahr im Oktober steigen die Gaspreise." Vor allem mittel- bis langfristig sieht er stark anziehende Preise auf die Kunden zukommen. Ein Blick auf die Kurve zeigt: Seit Januar vergangenen Jahres sinken die Preise für Gas – doch entscheidend ist, von welchem Niveau ausgehend. "Zwischen August 2008 und Dezember 2008 haben die Anbieter exorbitant erhöht – zu erklären versuchten sie dies mit dem gestiegenen Ölpreis." Kaspar verweist auf die nicht funktionierende Konkurrenz: "Die Marktverhältnisse weisen nach wie vor keinen funktionsfähigen Wettbewerb auf."
Die Kalkulation für Preisprüfer wie für Verbraucher ist alles andere als transparent. Immerhin fast die Hälfte der Kosten, die beim Verbraucher auf der Rechnung erscheinen, fallen unter "Beschaffung und Marge". Kunden können durch einen Anbieterwechsel in den Markt eingreifen. Dabei sollten sie nicht nur auf den Preis schauen. "Die Gasversorger haben bereits erkannt, dass Kundenservice und Vertragsgestaltung wichtige Produktmerkmale sind, die wie der Preis attraktiv gestaltet sein müssen", sagt Ginzel. In einer groß angelegten Gas-Servicestudie 2010 hat Verivox Vertragsgestaltung und Service der 100 wichtigsten deutschen Anbieter untersucht. Gesamtsieger mit sehr guten Noten in beiden Bereichen wurde die Mainova.
"Der ideale Gastarif hat eine kurze Laufzeit, ist jederzeit kündbar und bietet langfristige Preisstabilität", sagt Ginzel. Wichtig sei ebenfalls ein gut gestaltetes Kundenportal, mit ausführlichen Informationen. Und für Rückfragen zu Rechung und Vertrag sollte eine kostenlose Hotline zur Verfügung stehen. Weil sich diese Merkmale auf den Preis auswirken, müssen Verbraucher oft immer noch zwischen dem serviceorientiertesten und dem günstigsten Anbieter auswählen. "Bei der Suche nach einem neuen Gasanbieter steht natürlich der Preis im Vordergrund. Faire Vertragsbedingungen und Kundenfreundlichkeit sind jedoch ebenfalls wichtige Faktoren", sagt Peter Reese, Energieexperte bei Verivox.
Das Ergebnis zeigt, dass die Versorger sowohl in Bezug auf Service als auch auf die Vertragsgestaltung ein gutes Bild abgeben. Mehr als zwei Drittel der Anbieter (67 Prozent) erhielten die Note "sehr gut" oder "gut" für ihre Kundenorientiertheit. Ein Großteil der Gasversorger biete telefonischen Kontakt zum Null- oder Ortstarif und gute Beratungsleistungen. Und auch die Kontrakte bewertet Verivox positiv: Fast die Hälfte aller untersuchten Tarife (45 Prozent) erhielt die Note "sehr gut" oder "gut". Abwertungen erhielten vor allem Tarife mit langen Laufzeiten und fehlenden Preisgarantien. Die Ergebnisse der Studie stehen zur Verfügung.
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