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04.08.10

Investment

US-Bank Goldman Sachs berät nur Millionäre

Wer Anlage-Tipps von Goldman Sachs haben will, muss mehrere Millionen mitbringen. Die US-Bank setzt auf Aktien aus Japan.

© REUTERS
Die Investmentbank Goldman Sachs gehört zu den größten Geldhäusern an der Wall Street
Die Investmentbank Goldman Sachs gehört zu den größten Geldhäusern an der Wall Street

Deutsche Unternehmen übertreffen mit ihren Ergebnissen reihenweise die Erwartungen. Der Dax ist seinem Jahreshoch bei 6341 Punkten schon sehr nah. Da stellen sich viele Anleger die Frage, ob sie noch einsteigen sollen – oder welche Alternativen es gibt.

Das geht den Kunden von Rudolf Lang, Leiter des Private-Wealth-Managements von Goldman Sachs in Deutschland, nicht anders. Mehrere Millionen Euro muss mitbringen, wer sich bei der US-Bank beraten lassen will.

Morgenpost Online: Herr Lang, auch viele vermögende Anleger hatten zuletzt große Summen auf Tagesgeldkonten. Ist es für den Wiedereinstieg in Aktien jetzt schon zu spät?

Rudolf Lang: Nein, langfristig auf keinen Fall. Wer als konservativer Anleger noch keine Aktienquote von 25 bis 30 Prozent erreicht hat, kann hier noch über Investitionen nachdenken. Mit hohen, zweistelligen Renditen, sollte er nach dem Kursaufschwung der vergangenen knapp eineinhalb Jahre zwar nicht mehr rechnen, aber acht bis neun Prozent halten wir auch in Zukunft mit Aktien für möglich.

Morgenpost Online: Kann gerade bei deutschen Aktien nach den guten Unternehmensmeldungen noch so viel kommen?

Lang: Deutschland ist der Musterknabe in Europa, kein Aktienindex stieg seit März 2009 stärker als der Dax. Dass die Börsenentwicklung gerechtfertigt war, zeigen jetzt die Unternehmen mit ihren Zahlen. Hier haben die Aktienmärkte mal wieder ihre Prognosekraft unter Beweis gestellt, indem sie diese Nachrichten vorwegnahmen.

Morgenpost Online: Doch zu spät, um einzusteigen?

Lang: Langfristig gehören in jedes gut strukturierte Depot Aktien – aktuell insbesondere von Unternehmen, die starke Geschäftsanteile in Schwellenländern aufweisen. Auf Sicht der nächsten Monate zwölf bis 18 Monate trauen wir besonders japanischen Titeln aber mehr zu. Japan kommt aus einem extremen Tief, dank des hohen Exportanteils nach Asien, vor allem China sehen wir hier den größten Hebel.

Morgenpost Online: Mit Staatsanleihen lässt sich kaum noch Geld verdienen. Welche Rolle spielen die in den Kundendepots?

Lang: Auch wir gehen von stark reduzierten Renditen bei Staatsanleihen aus. Papiere der großen Euroländer Deutschland, Niederlande, Frankreich sind aber weiterhin wichtigGoer Bestandteil der Anlagestruktur. Sie bieten Schutz vor negativen Szenarien wie Deflation und Finanzkrisen. Beim Thema Sicherheit darf und will kein Kunde Kompromisse machen – hier geht es nicht um Renditeoptimierung.

Morgenpost Online: Aber es ist eher wieder mit höheren Zinsen zu rechnen, was Kursverluste bei Anleihen zur Folge hätte.

Lang: Das ist richtig. In den nächsten drei Jahren wird vom Kupon nur noch ein Prozent pro Jahr an Rendite übrig bleiben, nach Inflation ist man dann vielleicht sogar im negativen Bereich. Für den Renditeaspekt setzen wir auf lokale Staatsanleihen von Schellenländern. Hier lässt sich mit einem gut gemischten Portfolio eine Prämie von 4,5 Prozent gegenüber den Titeln entwickelter Staaten erzielen.

Morgenpost Online: Viele Anleger suchten zuletzt Zuflucht in Gold. Ihre Kunden auch?

Lang: Als Finanzanlage würden wir davon abraten. Gold ist nichts anderes als eine gerade sehr teure Versicherungspolice gegen ein Ereignis, von dem niemand hofft, dass es eintritt: eine richtig große Krise. Der Preis ist deshalb vor allem von kurzfristigen Investoren getrieben und zeigt die aktuelle Verunsicherung an den Märkten. Ein fairer Wert lässt sich kaum benennen, denn gebraucht wird das Material eigentlich nicht. Die Welt könnte genauso gut ohne Gold leben.

Das Gespräch führte Karsten Seibel

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