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09.07.10

Strategie

Der Goldpreis ist noch längst nicht ausgereizt

Das Risiko beim Kauf von Gold ist begrenzt: Die Feinunze wird kaum unter die Produktionskosten von 880 Dollar fallen.

© picture-alliance / n03/ZUMA Pres/n03
Gold Trading Increase In The US

Der Goldpreis steigt seit zehn Jahren in allen Währungen. Er hat sich zum Teil vervierfacht, allen Unkenrufen zum Trotz. Das ist Fakt. Das Edelmetall hat damit so gut wie alle Anlageklassen geschlagen. Gold unterliegt keinem Emittentenrisiko, wie etwa eine griechische Staatsanleihe oder eine BP-Aktie. Deswegen wird auf das langweilige Halten von Gold auch kein Zins gezahlt. Das ist gut so, denn wer physisches Gold kauft und sicher parkt, kauft sich kein Risiko ein, außer einem fallenden Preis – mehr nicht.

Doch dieser Preis kann per Definition nicht allzu weit unter die Goldproduktionskosten fallen, und diese stehen momentan etwa bei 880 Dollar die Unze (es waren 280 Dollar Produktionskosten im Jahre 1999, als der britische Schatzkanzler Gordon Brown die Goldbestände der Bank of England zu 250 Dollar die Unze verkaufen ließ). Das war dann das Tief im letzten Zyklus. Das Risiko nach unten ist also überschaubar, und einen Totalausfall des Investments wird es wohl nie geben.

Gold als Naturaltauschobjekt gibt es schon seit 5000 Jahren. Eine potenzielle Dividende ist deswegen irrelevant und wird durch einen steigenden Preis mehr als wettgemacht. Voraussetzung ist, man versteht Aktien-, Zins- und Rohstoffzyklen (Brown offensichtlich nicht). Die Börsen befinden sich seit zehn Jahren in einem Bärenmarkt, und dieser wird noch einen Großteil dieses Jahrzehnts andauern. Natürlich oszillieren die Aktienkurse, zum Teil massiv, und man kann auch zufallsmäßig Gewinne machen.

Doch die Strategie "Kaufen und halten" gehört der Vergangenheit an. Das war sinnvoll beim Aktien-Bullenzyklus in den Jahren 1981 bis 2000, in dem jedes Kleinkind Gewinne gemacht hätte. Und genauso hat im letzten Rohstoff-Bärenmarkt, spiegelbildlich auch etwa 1981 bis 2000, so gut wie jeder Sparer Einbußen erlitten, auch und gerade bei Gold.

Der Gesetzgeber findet jetzt kurzfristiges Spekulieren sowieso besser und hat deswegen konsequenterweise die Abgeltungsteuer eingeführt. Er bevorteilt also Zocker, obwohl Politiker in Sonntagsreden jene verurteilen. Das ist die gewöhnliche Doppelmoral. Der Gesetzgeber hat dem Investor so gut wie jeden Anreiz genommen, langfristig zu denken und zu investieren. Und Riester-Sparen bleibt inflationsbereinigt wahrscheinlich ein Nullsummenspiel, abzüglich Kosten (sollte der Euro in 30 Jahren noch existieren).

Was aber nützt eine Aktie mit einer netten Dividende im Depot, wenn der Aktienkurs des Unternehmens unter Umständen brachial fällt oder die Währung kollabiert? Das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends brachte Börsenkrisen ohne Ende. Wer als Privatinvestor meint, in einer solchen Zeit meist das richtige Timing zu finden, sollte dann an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen. Viel Glück dem Narren des Zufalls.

Für das Ersparte des Investors ist der Aktienmarkt allgemein weiterhin ein unsicherer Hafen. Dies gilt zumindest für die meisten OECD-Staaten, aber nicht für die BRIC-Staaten, die sich in einem ganz anderen Zyklus befinden. Sie haben etwas im Rücken, das die OECD-Staaten nicht mehr haben: eine junge Bevölkerung, die Wohlstand erwirtschaften möchte. Wenn man sich die Aktienkurse mancher großen deutschen Versicherer anschaut, kann man es schon mit der Angst zu tun bekommen. Ähnliches gilt für Banken.

Selbst ein global agierender Rohstoffkonzern wie BP, der theoretisch Staatsinsolvenzen oder einen Währungskollaps überleben würde, kann ins Straucheln kommen. Gold ist per Definition ein Rohstoff, doch in Zeiten der Krise konvertiert das Metall zum "Geld". Nur wenige verstehen diesen Mechanismus. Dann wird Gold zum Investmentprodukt und damit zur eigenen, auch institutionellen, Anlageklasse. Das heißt, Fonds, Staatsfonds, aber auch Zentralbanken kaufen physisches Gold zur monetären Absicherung.

Das Platzen der Blase ist dann erreicht, wenn der Goldpreis anfängt, erratisch und unrealistisch schnell nach oben zu springen. Von diesem Punkt, der sicher kommen wird, ist der Goldmarkt aber noch viele, viele Jahre entfernt. Eine Goldhysterie also ist noch nicht sichtbar, das übliche Sommerloch aber schon.

Der Autor ist Finanzstratege und Partner bei EPM Group Berlin

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