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28.06.10

Vor der Abreise

Die besten Krankenpolicen für den Urlaub

Damit das finanzielle Risiko nicht mitreist: Guter Versicherungsschutz im Urlaub muss gar nicht so teuer sein.

© picture-alliance/ ZB/dpa-Zentralbild
Bahamas - Krankenhaus in Treasure Cay auf der Insel Abaco
Blick auf das Krankenhaus von Treasure Cay auf der Hauptinsel Great Abaco auf den Bahamas - bei schweren Verletzungen ist der Transport in ein Hospital in Nassau oder zum Festland (Florida/USA) sichergestellt

Es ist schnell passiert: Eine kleine Unachtsamkeit im fernen Urlaubsort. Ein Unfall. Oder ein Herzinfarkt, wie im Fall eines Mannes aus Böblingen. Den 68-Jährigen ereilte dieses Schicksal im vergangenen Jahr in Los Angeles. Mit einer fünffachen Bypass-Operation konnte er gerettet werden. Die Kosten inklusive des Krankenrücktransports nach Deutschlands beliefen sich auf 247.000 Euro. Sein Glück: Er hatte einen Auslandsreise-Krankenversicherungsschutz.

"Solche Fälle sind keine Seltenheit", sagt ADAC-Sprecher Jochen Oesterle. So kostet schon ein einfacher Krankenrücktransport von der Urlaubsinsel Mallorca rund 10 .000 Euro. Hinzu kommen noch Kosten für Krankenhausaufenthalte und Behandlungen vor Ort. Wer nicht versichert ist, muss das alles aus eigener Tasche bezahlen.

Auch wenn laut Urlaubsbarometer 2010 der Europ Assistance das Reisebudget der Deutschen in diesem Jahr mit durchschnittlich 1956 Euro geringer ausfällt als im Vorjahr (2150 Euro) - an der Auslandsreise-Krankenversicherung sollte man auf keinen Fall sparen. Sonst kann die Urlaubsreise,die die schönste Zeit des Jahres werden sollte, zum Albtraum werden und in den finanziellen Ruin führen. "Gerade bei spontanen Last-Minute-Reisen wird die Auslandsreise- Krankenversicherung auch häufig vergessen", sagt der ADAC-Sprecher.

Risikoschutz schon ab unter fünf Euro erhältlich

Wenn man im Flugzeug sitzt, ist es zu spät. "Für viele wird es dann sündhaft teuer", mahnt Lilo Blunck, Geschäftsführerin des Bundes der Versicherten (BdV). Dabei ist ein solcher Schutz oftmals kaum teurer als ein Kaffeegedeck im Ferienland. Eine Auslands-Krankenversicherungspolice kostet pro Person je nach Versicherer zwischen 4,56 und 20 Euro im Jahr und übernimmt die von der gesetzlichen Krankenkasse oder dem privaten Versicherer nicht gedeckten Kosten für eine Heilbehandlung im Ausland sowie den medizinisch notwendigen Rücktransport.

Einige Gesellschaften, etwa die HUK-Coburg, der ADAC oder auch die Europäische Reiseversicherung, bezahlen den Rücktransport auch dann, wenn er nach Ansicht des Arztes zwar nicht medizinisch notwendig aber aus anderen, etwa sozialen Gründen, sinnvoll ist.

Auslandskrankenversicherer schneiden gut ab

Die Stiftung Warentest hat pünktlich zum Beginn der Urlaubssaison die Angebote der einzelnen Versicherer unter die Lupe genommen. Dabei haben die Experten auch geprüft, ob der Versicherer etwa eine Behandlung von akuten Schwangerschaftskomplikationen bezahlt und ob er provisorischen Zahnersatz oder die Kosten für Hilfsmittel wie Krücken erstattet.

Das Ergebnis war durchweg positiv. Selbst das Schlusslicht Ergo Direkt erreichte noch die Note 2,5 und damit das Testurteil "gut". Testsieger wurde die HanseMerkur mit ihrem Tarif RKJ, der die Testnote "sehr gut" erreichte. Die Police ist für eine Jahresgebühr von 9,50 Euro zu haben. Wer Mitglied der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) ist, muss sogar nur 7,10 Euro jährlich bezahlen.

Kleinere Behandlungen müssen zwar immer zunächst selbst gezahlt werden, die Auslagen werden aber erstattet. Um sein Geld möglichst schnell wieder zu bekommen, sollte man neben dem Schadensformular die Originalrechnungen mit Angaben über die behandelnde Person, Anschrift und Name des Arztes, Krankheitsbezeichnungen, Behandlungstag, -ort und -dauer sowie alle Einzelleistungen und Zahlungsbestätigungen bei seiner Versicherung einreichen. Zusätzlich sollten Kopien der Flugtickets als Beleg über die An- und Abreise sowie bei Medikamenten das Rezept eingereicht werden.

Nur medizinisch notwendige Behandlungen sind gedeckt

Betroffene sollten darauf achten, dass wirklich nur medizinisch notwendige Behandlungen erfolgen. "Auslandsreisende werden im Falle des Falles gerne mit unnötigen Behandlungen oder gar Operationen belastet", weiß BdV-Chefin Blunck. Zur Sicherheit sollte man sich vor einer Operation an den Krankenversicherer wenden. Dieser kann meist auch seriöse deutschsprachige Ärzte nennen. Bei umfangreichen Behandlungen regelt der Versicherer die Kostenübernahme direkt mit dem Krankenhaus. "Hierzu ist es erforderlich, dass Reisende ihren Versicherer kontaktieren, damit dieser der Klinik eine schriftliche Zusage erteilen kann", so die Verbraucherschützerin.

Privatversicherte brauchen den Zusatzschutz fürs Ausland nur bei Reisen außerhalb der Europäischen Union. "EU-weit gelten alle privaten Krankenversicherungstarife unbegrenzt", erklärt Benno Schmeing von der Ergo-Versicherungsgruppe. Bei der Reise in ein europäisches Gastland müsse also eigentlich nichts getan werden.

Paketangebote enthalten oft sinnlose Posten

Viele Reisekrankenversicherungen werden auch im Paket mit anderen Policen angeboten. Doch vor solchen Angeboten warnt die Stiftung Warentest. Vielfach seien die Pakete teuer und enthalten überflüssige Policen, beispielsweise eine Unfallversicherung nur für die Reise. Neben einer Auslandsreise-Krankenversicherung ist jedoch allenfalls eine Reiserücktrittskosten-Versicherung notwendig. Und die auch nur, wenn man eine teure Reise bucht und hohe Kosten hätte, falls sie nicht angetreten werden kann. Die in fast allen Paketen enthaltene Reisegepäckversicherung lohne sich jedoch meist nicht. Sie greife nur, wenn der Versicherte strenge Auflagen erfüllt.

Wer seinen Flug im Internet bucht, hat es bestimmt schon einmal gesehen: Fluggesellschaften bieten hier häufig Reiseschutz Zusatzpakete an. Laut Stiftung Warentest enthalten diese Angebote jedoch in einigen Fällen weniger Leistungen als vom Versicherer direkt angebotene Versicherungspakete - mehr Leistung gab es nie. Ein Beispiel für weniger Sicherheit: das "Reise-Schutz-Paket" von Easyjet. Der Versicherer ist hier die niederländische Mondial Assistance Europe. Die höchstmögliche Leistung begrenzt die niederländische Mondial auf 150.000 Euro - bei der deutschen Mondial ist sie unbegrenzt.

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