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05.06.10

Neue Märkte

Lohnt es sich, in Afrika sein Geld anzulegen?

Die Fußball-WM rückt Afrika in den Fokus – auch bei Investoren. Der Kontinent hat sich zu einer vielversprechenden Wachstumsregion entwickelt.

© Getty Images
Pferderennen in Durban/Südafrika: Wo die Wirtschaft läuft etabliert sich eine Oberschicht
Pferderennen in Durban/Südafrika: Wo die Wirtschaft läuft etabliert sich eine Oberschicht

Meist liegt der Kontinent abseits des medialen Interesses. Doch spätestens ab Freitag dürfte sich dies ändern, wenn in Südafrika die Fußballweltmeisterschaft beginnt. Einen Monat lang werden die Menschen aus der ganzen Welt gen Afrika schauen und hoffentlich nicht nur auf den Rasen in den Stadien blicken. Denn wenn sie ihre Augen recht uns links davon schweifen lassen, werden sie einen Kontinent entdecken, der nach Jahrzehnten der Stagnation und des Elends in den vergangenen Jahren endlich die Trendwende geschafft hat.

Beigetragen haben dazu nicht zuletzt private Investoren, die das Potenzial der Länder erkannt haben und es heben wollen. Sie sind vor allem an den Bodenschätzen interessiert, allen voran die Chinesen. Doch im Gegensatz zu früheren Jahren führt dies heute dazu, dass auch die afrikanischen Staaten selbst und ihre Bevölkerung davon profitieren. Sie haben vielerorts ihre Verwaltung modernisiert, eine funktionierende Infrastruktur aufgebaut und auch inländische Kapitalmärkte geschaffen. Und Letzteres gibt auch Kleinanlegern die Möglichkeit, sich am Aufschwung Afrikas zu beteiligen.

"Der Kontinent befindet sich im Aufbruch", sagt daher auch Norbert Kloppenburg, Vorstand der Förderbank KfW, die in Afrika stark engagiert ist. "Er hat in den vergangenen 15 Jahren deutliche Fortschritte gemacht." So lag das Wirtschaftswachstum der afrikanischen Staaten vor der Finanzkrise über Jahre zwischen fünf und sieben Prozent und damit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Zwar hat die globale Rezession zuletzt auch Afrika getroffen, die Gründe für die gute Entwicklung der vergangenen Jahre bleiben jedoch bestehen, sodass es leicht sein dürfte, an die alten Erfolge wieder anzuknüpfen. So habe sich die Regierungsführung in vielen Ländern in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert, sagt Kloppenburg. "Daneben haben wirtschaftliche Strukturreformen die Privatwirtschaft gestärkt."

Dies ist durchaus auch messbar, beispielsweise durch den sogenannten "Doing Business Report" der Weltbank, die über einen Index darstellt, wie leicht oder schwer es in einem Land ist, ein eigenes Unternehmen zu gründen oder zu führen. Dabei werden Regulierungsfragen, Handelsschranken, aber auch der Zugang zu Krediten oder die Rechtssicherheit erfasst. Als Top-Reformer hob die Weltbank im letzten Report das zentralafrikanische Ruanda hervor – zum ersten Mal überhaupt wurde ein Land südlich der Sahara auf diese Weise ausgezeichnet. In der Rangliste des Reports sprang das Land, das noch vor anderthalb Jahrzehnten Ort eines grauenhaften Völkermords war, damit von Platz 143 auf Platz 67. Der Inselstaat Mauritius belegt sogar Platz 17 – weit vor Deutschland (Rang 25). Südafrika folgt auf Platz 34, Botsuana auf 45.

Es tut sich also etwas, selbst wenn die meisten Staaten in dem Report nach wie vor auf den hinteren Rängen zu finden sind. Denn auch in diesen Ländern gab es meist deutliche Verbesserungen, sodass heute endlich vermehrt ausländische private Investoren den Schritt dorthin wagen. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Kreditvergabe der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG). Sie vergibt Darlehen an private Unternehmer, die in Entwicklungsländern tätig sind. "2009 haben wir zum ersten Mal ein Viertel unseres Neugeschäfts in Afrika gemacht und dort insgesamt 266 Millionen Euro zugesagt", sagt DEG-Chef Bruno Wenn. "Das sind fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr." Und über 95 Prozent der Mittel fließen in die Staaten südlich der Sahara.

Dies ist besonders hervorzuheben. Denn gerade diese Region – oft auch als Sub-Sahara bezeichnet – stand jahrzehntelang abseits der Ströme des Welthandels. Dagegen profitieren die nordafrikanischen Staaten seit jeher von der Nähe zu Europa. Über die Hälfte ihres Handels betreiben sie beispielsweise mit der EU, und in Marokko machen Überweisungen von Emigranten aus Europa sogar fast zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Dies ist Fluch und Segen zugleich, denn entsprechend stark wirkte sich die Rezession in Europa in den vergangenen beiden Jahren auf die nordafrikanischen Staaten aus. So hat der Internationale Währungsfonds errechnet, dass in Marokko die schrumpfenden Geldüberweisungen aus Europa allein für einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu zwei Prozent verantwortlich waren.

Südlich der Sahara sind es dagegen vor allem Rohstoffe, die in den vergangenen Jahren einen Boom auslösten. Angola schaffte so beispielsweise mit seinen Erdölexporten allein 2007 ein Wirtschaftswachstum von sagenhaften 25 Prozent. Und selbst wenn ein großer Teil des neuen Reichtums in die Taschen einer kleinen Elite fließt, so bleibt angesichts der riesigen Sprünge in der Entwicklung für den Rest der Bevölkerung immer noch genug übrig, um positiv auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu wirken. Daher expandierten in den vergangenen Jahren auch andere Branchen in Afrika deutlich, beispielsweise der Handel oder Transport und Telekommunikation.

Diese Chancen entdecken in letzter Zeit auch immer mehr Anlageexperten, und Fondsgesellschaften legten zunehmend Afrika-Fonds auf. Deren Problem ist jedoch, dass es außerhalb Südafrikas bislang recht schwer ist zu investieren. Denn die Börse Johannesburg steht für rund drei Viertel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes des gesamten Kontinents. Finanzmärkte von gewisser Bedeutung gibt es daneben eigentlich nur in Casablanca, Kairo und Lagos, mit Einschränkungen noch in Accra und Nairobi. Daher haben auch die meisten Afrika-Fonds einen klaren Schwerpunkt auf Südafrika.

Eine der Ausnahmen ist der Nestor Fonds, der erst 2009 neu aufgelegt wurde. Hartmut Sieper, der den Fonds berät, hat nur 18 Prozent des Vermögens am Kap angelegt. Denn der dortigen Wirtschaft fehle es an Wachstum. "Und der Leitindex JSE bewegt sich seit Längerem auf hohem Niveau: Seit 2003 stieg das Börsenbarometer von rund 6000 auf etwa 25000 Punkte."

Stattdessen konzentriert sich Sieper auf den Ölstaat Nigeria, der über den größten Binnenmarkt des Kontinents verfügt, legt aber auch in Ägypten und sogar in Simbabwe an. Dort herrscht zwar immer noch Diktator Robert Mugabe. Doch durch die erfolgreiche Währungsreform wurden die meisten Unternehmen auf einen Schlag schuldenfrei. "Vor allem wertvolle Immobiliengesellschaften sind jetzt stark unterbewertet und Mugabe ist immerhin 86 Jahre alt", so Sieper. Wenn er stirbt, könne dies wie ein Befreiungsschlag wirken und zu einem wahren Börsenhype führen.

Doch hier wie an anderen afrikanischen Börsen besteht das größte Problem im relativ dünnen Handel. Die Börsenumsätze sind meist gering, und ausländische Anleger sind nur für zehn bis 25 Prozent der Käufe oder Verkäufe verantwortlich. Die Afrikaner sind an ihren Börsen also bislang noch weitgehend unter sich. Ein starker Zustrom von ausländischem Kapital könnte die Kurse daher recht schnell sehr stark in die Höhe treiben – was vielleicht positiv erscheinen mag. Anschließend wäre es aber fast unmöglich für die Investoren, ihr Kapital wieder abzuziehen, ohne einen völligen Zusammenbruch der Kurse zu riskieren. Das Beste, was dem Kapitalmarkt Afrikas passieren kann, ist daher, dass er auch weiterhin eher am Rande des medialen Interesses steht und nur ganz allmählich von Sparern und Anlegern entdeckt wird.

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