Aktien
Die meisten Firmen knausern bei Dividenden
Die diesjährige Dividendensaison ist für viele Aktionäre eine Enttäuschung. Spiegeln sich in den Zahlungen dieses Jahr doch die Folgen der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr wieder. Doch einige Unternehmen – darunter auch Firmen der zweiten Reihe – haben dieses Jahr eine starke Dividende gezahlt.
Von Frank Stocker
Die meisten Unternehmen haben die Krise schon längst überwunden. Die Auftragszahlen legen deutlich zu, die Umsätze ziehen an, die Gewinne sprudeln auch wieder. Doch für die Anteilseigner hat der Abschwung erst jetzt die befürchteten Auswirkungen gebracht. Denn die Dividendenzahlungen sind in diesem Jahr erneut deutlich zurückgegangen, nachdem sie schon 2009 stark eingebrochen waren.
Fast 14 Prozent weniger als im Vorjahr haben die deutschen Unternehmen in diesem Jahr an ihre Aktionäre ausgeschüttet, insgesamt noch 27,3 Mrd. Euro. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). 2009 waren es noch 31,6 Mrd. gewesen, ein Jahr davor sogar 43,8 Mrd. Dieser erneute Rückgang war jedoch absehbar, da die Dividenden immer für das abgelaufene Geschäftsjahr gezahlt werden. 2009 war jedoch für die meisten deutschen Firmen von schweren Einbrüchen beim Umsatz und Gewinn gekennzeichnet. Dies kommt nun also auch bei den Aktionären an.
Allerdings auch nicht bei allen. Denn nach wie vor gibt es etliche Unternehmen, die üppige Dividenden zahlen. Allen voran die Versorger RWE und E.on sowie die Deutsche Telekom. Die Mitglieder des deutschen Aktienindex Dax bringen es insgesamt auf knapp 27,3 Mrd. Euro an Ausschüttungen und stehen somit für das Gros der Dividenden, das ausgezahlt wurde.
Doch auch in der zweiten Reihe gibt es inzwischen einige Firmen, die mit hohen Zahlungen überraschen, so beispielsweise der Rückversicherer Hannover Rück als Spitzenreiter im MDax, die Axel Springer AG, zu der auch Morgenpost Online gehört, oder der Internetdienstleister United Internet. Letzterer hatte im Vorjahr gar keine Dividende gezahlt, erreichte nun aber gleich wieder Platz 1 unter den Mitgliedern des TecDax.
Über alle Indizes hinweg schütten die deutschen Unternehmen 42,1 Prozent ihrer Gewinne an die Anteilseigner aus. "Sie sind damit deutlich sparsamer als andere europäische Aktiengesellschaften", sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. So betrug die Ausschüttungsquote im EuroStoxx, dem wichtigsten europäischen Index, fast 62 Prozent. Dies liege allerdings vor allem daran, dass im EuroStoxx besonders viele große Rohstoff- und Energiewerte enthalten sind, die hohe Gewinne erzielen und diese auch größtenteils weitergeben, erklärt er.
Daher ist Hocker insgesamt auch zufrieden mit der Dividendenpolitik der deutschen Firmen, zumal die Dividendenrendite – also das Verhältnis der Ausschüttungen zum Aktienkurs – in Deutschland auf ähnlicher Höhe liegt wie im europäischen Durchschnitt. Die Dividende sei gerade in schwierigen Zeiten wie derzeit ein wichtiges Argument. "Vor allem für Privatanleger hat sich die Dividende inzwischen als eines der Kaufargumente für Aktien schlechthin etabliert", sagt der Aktionärsvertreter. Und dies durchaus zu Recht, denn fast ein Drittel des Gesamtertrages aus Aktien geht auf die Gewinnbeteiligungen zurück. So betrug die Rendite der Dax-Titel seit dem Start des Index im Jahre 1988 im Schnitt 8,5 Prozent pro Jahr. Rechnet man die Dividenden heraus, so sind es jedoch "nur" noch 6,1 Prozent.
Kritik übt Hocker an Firmen, die einen Betrag ausschütten, der den Gewinn übersteigt, so wie die Deutsche Telekom. "Solche Zahlungen verstellen den Blick auf die Realität im Unternehmen", sagt er. "Schlimmer noch: Sie greifen die Substanz an und sind schlichtweg abzulehnen." Nutznießer der hohen Telekom-Dividenden ist jedoch deren größter Aktionär: der Staat.
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