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16.04.10

Fonds

Mit Schneeballsystem Anleger um Millionen geprellt

Der amerikanische Geldmanager Bernard Madoff hat seine Anleger um Milliarden geprellt. Um mehr als 90 Millionen Euro soll der Anlageberater Helmut Kiener aus Aschaffenburg seine Kunden erleichtert haben. Er sitzt seit Oktober in Haft. Nun hat die Staatsanwaltschaft auch zwei seiner Manager verhaftet.

AFP

Jerome Kerviel erleichterte als Händler mit spekulativen Geschäften und gefälschten Buchungen seinen Arbeitgeber Societe Generale um knapp fünf Milliarden Euro.

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Der angebliche Betrugsfall um den Aschaffenburger Hedgefonds-Manager Helmut Kiener weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft Würzburg hat nach eigenen Angaben zwei weitere Tatverdächtige festgenommen. Die beiden sollen zusammen mit dem bereits im Oktober verhafteten Kiener Privatanleger um mehr als 90 Millionen Euro betrogen haben. "Bei den Anlagegesellschaften hat es sich nach dem bisherigen Ergebnis der Ermittlungen um Schneeballsysteme ohne Gewinnerzielungsabsicht gehandelt", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die über Jahre ungewöhnlich hohen Renditen sollen also aus dem Geld immer neuer Kunden gezahlt worden sein.

Wegen der Vorwürfe des Betrugs und der Untreue durchsuchten die Ermittler zuletzt erneut Objekte im Ausland. Daraufhin stellte das Amtsgericht Würzburg Haftbefehle gegen den Geschäftsführer der Anlagefonds K1 Global Limited und K1 Invest Limited mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik und gegen den Geschäftsführer einer von den Anlagegesellschaften beauftragten Treuhandgesellschaft. Die Fonds waren von Kiener gegründet worden. Der studierte Psychologe und Sozialpädagoge hat die Vorwürfe bislang stets bestritten. Er sitzt seit Herbst in Untersuchungshaft. Anklage ist noch nicht erhoben worden. Die umstrittenen Fonds werden derzeit abgewickelt.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft erinnern unweigerlich an den großen Skandalanleger Bernard Madoff, der mit einem noch sehr viel gewaltigeren Schneeballsystem Anleger um Milliarden brachte. Neben Sparern sollen im K1-Fall auch Banken um viel Geld gebracht worden sein.

Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte über "eine Reihe von als Hedgefonds dargestellte Firmen und Scheinfirmen Investitionsmittel der Banken" an seine beiden K1-Anlagegesellschaften verschoben hat. Betroffen sind unter anderem die beiden Großbanken Barclays und BNP Paribas. Die Staatsanwaltschaft geht insgesamt von einem Schaden bei Banken und Anlegern in Höhe von rund 300 Millionen Euro aus. Angeblich hat sich Kiener von einem Teil des Geldes ein Flugzeug, einen Helikopter und Luxusimmobilien gekauft.

Anlegerschützer setzen den Schaden noch sehr viel höher als die Staatsanwaltschaft an. "Wir allein haben Mandate und Mandatszusagen von mehr als 100 Millionen Euro", sagte der Rechtsanwalt Klaus Nieding, er ist mit seiner Kanzlei in den Gläubigerausschüssen der beiden K1-Gesellschaften vertreten. Seinen Angaben zufolge haben allein asiatische Investoren Ansprüche von 350 Millionen Euro angemeldet. Noch ist unklar, ob und wie viel von dem einmal eingezahlten Geld gerettet werden kann.

Die Anlegeranwälte haben auch einige der eingebundenen Banken im Visier. "Wir prüfen auch hier Ansprüche", sagte Nieding. Adressen wie Barclays und HSBC hätten ihren guten Namen für die Geschäfte hergegeben. Barclays hatte ein Zertifikat auf Grundlage der K1-Fonds herausgegeben. HSBC soll Anteile an einer Gesellschaft treuhänderisch gehalten haben. Derzeit werde im In- und Ausland eifrig recherchiert, sagte Anwalt Nieding. Die gewonnen Informationen sollen dann genutzt werden, um nicht zuletzt auch auf diese institutionellen Adressen zuzugehen.

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