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12.03.10

Mini-Rendite

Wer Lebensversicherungen hat, sitzt in der Falle

Die Renditen von Lebensversicherungen sind nicht gut. Doch wer seine Police verkaufen will, hat schlechte Karten.

© dpa
Europas größter Versicherer Allianz

Wer bei seiner Lebensversicherung auf hohe Zinsen spekulierte, den alarmieren aktuelle Meldungen von Rating-Agenturen. Für das Jahr 2010 erwartet etwa Fitch Ratings eine Überschussbeteiligung von 4,2 Prozent. Das ist im momentanen Zinsumfeld nicht alarmierend wenig. Die einst prognostizierten Erträge aber liegen in weiter Ferne. Kündigung, Beitragsfreistellung oder auch Verkauf sind Möglichkeiten, zu reagieren. In jedem Fall verliert der Kunde dann Geld. Die Frage ist nur, wie viel.

Die Nachteile einer Kündigung liegen auf der Hand. Gerade in den ersten Jahren bedeutet das einen fast vollständigen Verlust der gezahlten Prämien. Selbst wer jahrelang einbezahlt hat, bekommt oft nur einen niedrigen Rückkaufswert. Außer der Altersvorsorge geht bei Kündigung natürlich auch der Versicherungsschutz verloren. Dazu zählt oft auch die Absicherung der Familie oder der Schutz bei eintretender Berufsunfähigkeit. Um das zu vermeiden, kann der Versicherte mit seinem Anbieter oder Vermittler über eine Beitragsfreistellung sprechen – so steckt er weniger Geld in die Kapitalanlage. Voraussetzung dafür ist, dass bereits eine für den Schutz ausreichend hohe Kapitaldecke besteht. Dann läuft der Vertrag weiter wie bisher – mit reduzierter Risikoabsicherung. Der Kunde wird an den Überschüssen beteiligt doch Kosten zur Verwaltung der Versicherung finanzieren sich jetzt aus Guthaben und Erträgen. Dauert die Freistellung länger als zwei Jahre, wollen Versicherer regelmäßig eine erneute Gesundheitsprüfung.

Wer keine Beitragsfreistellung möchte, der kann versuchen, seine Police am Zweitmarkt zu versilbern. "Den Verkauf sollte man nur als letzte Möglichkeit in Betracht ziehen. In jedem Fall ist vor so einer Entscheidung ein Gespräch mit dem Versicherer oder Vermittler zu empfehlen", sagt Holger Schmitt-Tanou vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Wer im Internet das Stichwort "Lebensversicherungen verkaufen" sucht, erhält unzählige Angebote auf den Bildschirm. Experten warnen: Viele sind unseriös.

Das System des Zweitmarkts ist simpel: Unternehmen treten in den bestehenden Vertrag ein und übernehmen laufende Prämienverpflichtungen. Der Kunde bekommt im Gegenzug Bares für seine Police – mehr als den Rückkaufswert, den er von seiner Versicherung erhalten hätte. Oft bleibt zudem der Todesfallschutz bestehen, die Versicherungsleistung nach Vertragslaufzeit ist jedoch weg.

Seine Police zu guten Konditionen an den Mann zu bringen, ist heute aber schwer. "Wir kaufen selektiv an", sagt etwa Ingo Weber, Chef von Cash-Life. Soll heißen: Die Ankäufer picken sich die Rosinen aus der Masse heraus. Cash-Life fordert einen aktuellen Rückkaufswert von mindestens 10.000 Euro und eine Restlaufzeit von maximal 15 Jahren. Wettbewerber Policen Direkt kauft Lebens- und Rentenversicherungen "von allen deutschen Versicherungsgesellschaften und ohne Einschränkung bezüglich der Laufzeit und der Tarife". Voraussetzung dafür ist aber ebenfalls ein Rückkaufswert der Kapitallebensversicherung von mindestens 10.000 Euro.

Wer sich entschließt, seine Lebensversicherung zu kündigen oder zu verkaufen, muss die steuerlichen Konsequenzen bedenken. Seit 2009 gilt die Abgeltungsteuer in beiden Fällen, wenn die Laufzeit kürzer als zwölf Jahren oder der Versicherungsnehmer jünger als 60 Jahre ist. Sonst werden die Erträge bei einer Kündigung nur nach dem Hälftigkeitsprinzip besteuert.

Verbraucherschützer warnen vor Angeboten, bei denen Kunden das Geld für ihre Police nicht auf einen Schwung, sondern nur in monatlichen Raten ausgezahlt werden soll. "Was ist, wenn der Auszahler insolvent wird", sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrein-Westfahlen. Und auch wenn das Angebot zu gut klingt, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten. "Ich habe schon Anbieter gesehen, die Kunden das Doppelte des Rückkaufswertes versprochen haben – das ist finanzmathematisch nicht seriös", sagt Lars Heermann von der Rating-Agentur Assekurata. Die Situation auf dem Zweitmarkt ist schwierig. Ein Grund: Viele Anbieter setzten auf Fremdfinanzierung. "Das Spiel ist bei vielen nicht aufgegangen", sagt Weber.

Bedenkt man all das, spricht viel dafür, seine Police zurück in die Schublade zu legen, statt zu verkaufen. "Im Gegensatz zu reinen Kapitalanlageprodukten profitieren Lebensversicherungskunden von lebenslang garantierten Leistungen bei zugleich attraktiver Rendite. Das Risiko Totalverlust, wie bei reinen Aktieninvestments, besteht hier nicht", sagt Schmitt-Tanou.

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