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Geldanlagen

Unternehmensanleihen lohnen sich kaum noch

Vor einem Jahr konnten Anleger mit Unternehmensanleihen noch gute Gewinne erzielen. Die Risiken und Prämien waren hoch. Inzwischen müssen sich Investoren wieder mit Minizinsen zufrieden und erzielen hohe Erträge nur durch riskante Wetten. Die können daneben gehen, wie etwa bei Escada.

Escada Modenschau in Berlin
Foto: picture-alliance

Es kann auch schief gehen. Das erfuhren im vergangenen Jahr Anleger, die Unternehmensanleihen von Escada gekauft hatten. Der Modehersteller geriet in eine Schieflage und wollte sich retten, indem er den Gläubigern einen Verzicht auf 60 Prozent der Forderungen abzuhandeln versuchte. Doch diese lehnten ab und das Unternehmen wurde insolvent. Heute sind Escada-Anleihen keine 20 Prozent des ursprünglichen Einsatzes mehr wert.

Doch solche Gefahren scheinen Käufer von Unternehmensanleihen inzwischen völlig auszublenden. "Sowohl für Nicht-Finanzunternehmen als auch für Banken sind die Renditen deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt und zurück auf dem Niveau der Zeit vor der Finanzkrise", sagt Ian Scott, Stratege bei der Investmentbank Nomura. Und auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen sind drastisch zurückgegangen. Die Investoren schätzen die Risiken also inzwischen wieder als sehr gering ein und geben sich mit Minizinsen wie im Jahr 2006 zufrieden, wenn sie Firmen ihr Geld leihen. Zur Erinnerung: Damals schien die Weltwirtschaft in einem immerwährenden globalen Aufschwung, Unternehmenspleiten kaum vorstellbar.

Es folgte die Finanzkrise mit dem Ausschlag ins Gegenteil und die rasante Erholung im vergangenen Jahr. Wer vor einem Jahr Unternehmensanleihen kaufte, konnte damit enorme Gewinne einfahren. Die Anlageklasse erfuhr eine ganz neue Beliebtheit. Viele Privatanleger kauften erstmals Papiere oder investierten in entsprechende Fonds, aber auch viele institutionelle Investoren erhöhten ihre Anteile in der Anlageklasse. Das erfreute vor allem die Anbieter entsprechender Fonds.

Natürlich wollen sie neugewonnene Kunden nicht gleich wieder verlieren, und daher trommeln sie weiter eifrig für Unternehmensanleihen. "Die Erfolgsgeschichte geht weiter", verkündet Jamie Stuttard, Anleihenchef bei Schroders per Pressemitteilung, natürlich nicht ohne den entsprechenden Fonds auch gleich mitzuempfehlen. Auch Robert Michele, Anleihenchef bei JP Morgan glaubt, dass die "Rallye von Unternehmensanleihen noch nicht vorbei" ist.

Wer sich allerdings ein wenig die Entwicklung der vergangenen Monate ansieht, fragt sich, wo diese Gewinne herkommen sollen. Beispiel Metro: Wer dem Unternehmen derzeit für fünf Jahre Geld leiht, bekommt gerade mal noch eine Rendite von 3,65 Prozent. Alleine in den vergangenen drei Monaten ist sie um 20 Basispunkte gesunken. Wer dem deutschen Staat für fünf Jahre Geld leiht, erhält dagegen rund 2,2 Prozent. Der Abstand beträgt also gerade mal noch 1,45 Prozentpunkte, und das, obwohl die Bundesrepublik Deutschland als bester aller möglichen Schuldner gilt, Metro dagegen von den Ratingagenturen nur die Note BBB bekommt - eine Stufe tiefer, und die Anleihen wären im Bereich "Non-Investment-Grade", also einer Zone, die nur noch für spekulativ orientierte Investoren in Frage kommt.

"Das Filet ist weg", muss daher Asoka Wöhrmann auch zugeben, Anleihenchef der Fondsgesellschaft DWS. Der größte Teil der Kursgewinne bei Unternehmensanleihen wurde im vergangenen Jahr gemacht. Dennoch glaubt er aber, dass noch "Fleisch am Knochen", sei, dass also noch weitere Renditerückgänge bei einzelnen Firmen möglich seien und Anleger damit Kursgewinne erzielen könnten.

Allerdings muss man nach solchen Firmen inzwischen suchen. Christoph Schmidt, Fondsmanager für Unternehmensanleihen bei Pioneer, sieht beispielsweise noch Chancen bei einzelnen Firmen aus Spanien oder Portugal. Diese seien aufgrund der Turbulenzen um die Staatsanleihen der Staaten ungerechtfertigterweise abgestraft worden. Andere Experten empfehlen derzeit so genannte High-Yield-Anleihen, also Anleihen von Firmen mit einer Rating-Note schlechter als BBB, die relativ hohe Zinsen zahlen müssen.

Die Idee dahinter ist, dass diese Firmen besonders stark von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren, indem sie ihr Rating deutlich verbessern. So hat TUI beispielsweise angekündigt, in diesem Jahr wieder in den Bereich des Investment-Grades gelangen zu wollen. Und tatsächlich scheinen immer mehr Anleger dem Reisekonzern dies abzunehmen. Die Rendite einer Anleihe mit einer Laufzeit bis Mai 2011 hat sich in den vergangenen drei Monaten fast halbiert. Wer also damals die Anleihe gekauft hat, konnte in der Zwischenzeit satte Kursgewinne einfahren.

Aber bei derartigen Investments sind eben auch die Risiken entsprechend hoch. Und wie das Beispiel Escada zeigt: Eine solche Wette kann auch schief gehen. Das Risiko einer Firmenpleite ist eben nicht Null - gerade in einer Zeit, da die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten noch nicht abgehakt ist. Das sollten Anleger bei den Gewinnversprechen der Fondsgesellschaften bedenken.

Unternehmensanleihen jetzt verkaufen?

Was soll aber der Anleger tun, der schon Unternehmensanleihen hat? Traditionell waren sie ein Anlagevehikel für institutionelle Investoren. Entsprechend konnte man in die meisten Papiere erst ab einer Mindestanlagesumme von 50.000 Euro investieren. Dies hat sich in den letzten zwölf Monaten grundlegend gewandelt. Als viele Firmen händeringend nach Geldgebern suchten, legten sie vermehrt auch Anleihen in einer Stückelung von 1000 Euro auf, die sich somit auch gezielt an Privatanleger richteten. Wer damals zugriff, konnte Anleihen von Daimler oder Volkswagen mit einer Laufzeit von fünf oder sechs Jahren und einem Zinskupon von sieben oder acht Prozent ergattern. Er erhält also nun für die kommenden Jahre eine jährliche Zinszahlung in dieser Höhe, was im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ein enormer Vorteil ist.

Dennoch könnte es derzeit attraktiv sein, sich von diesen Papieren zu trennen. Denn inzwischen sind die Kurse der Anleihen deutlich gestiegen. Wer sie jetzt verkauft, bekommt oft 115 oder 120 Prozent seiner einstigen Anlagesumme zurück. Denn so viel sind anderen Anlegern die hohen Zinskupons wert. Mit einem Verkauf erhält der Anleger also de facto sein Geld zurück und gleichzeitig ein Plus, das den Zinsen für zwei oder drei Jahre entspricht. Geht er davon aus, dass die Zinsen am Kapitalmarkt in den kommenden Monaten wieder deutlich steigen, so wäre jetzt eine günstige Gelegenheit für einen Verkauf. Geht er dagegen von langfristig niedrigen Zinsen aus, sollte er die Papiere und damit den Anspruch auf die hohen Zinsen lieber behalten.



Erschienen am 09.03.2010

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