Studie
Frauen sind die kritischeren Bankkunden
Eine Frau macht mehr Arbeit. Zumindest sollte sich ein Bankmitarbeiter auf ein Beratungsgespräch mit einem weiblichen Kunden sehr viel besser vorbereiten, als auf eines mit einem männlichen. Frauen fragen mehr nach, wollen die Produkte wirklich verstehen, die ihnen angeboten werden.
Von Karsten Seibel
Frauen zeigen sich bei der Bankberatung als die kritischeren Kunden. Sie lassen ihrem Gegenüber auch seltener durchgehen, wenn er völlig losgelöst von ihrer finanziellen Situation auf sie einredet. Das ergab eine Umfrage von TNS Infratest unter 1000 Deutschen im Auftrag der Allianz Bank.
Einen Unterschied gibt es zudem beim Alter: Unter den 47 Prozent, die hohe bis sehr hohe Ansprüche an die Finanzberatung haben, sind nicht nur überdurchschnittlich viele Frauen, sondern auch mehr junge als alte Menschen. Das Verhältnis zum Internet spielt ebenso eine Rolle. Wer sich darin bereits vorher informiert, fordert von vornherein mehr von dem Bankmitarbeiter.
Ganz gleich ob weiblich oder männlich, ob jung oder alt, fast 60 Prozent gehen in ein Beratungsgespräch nicht mehr so blauäugig wie noch vor der Finanzkrise. Sie machen sich mehr Gedanken, wie sie ihr Geld anlegen oder sparen. Externer Rat ist weiter wichtig, allerdings macht nur ein Viertel den Kauf eines Wertpapiers allein von der Bankempfehlung abhängig.
Das passt zu dem Ergebnis, dass sehr viele der Befragten, wohl auch als Lehre aus den Turbulenzen in Folge der Finanzkrise, genau wissen wollen, was sie da kaufen. 87 Prozent gaben an, dass es ihnen wichtig ist, die Produkte zu verstehen. Viele hatten in der Vergangenheit darauf verzichtet und erst viel zu spät gemerkt, was sie im Depot haben.
Die Ergebnisse einer GfK-Umfrage bringen weiter Erkenntnisse zum Verhältnis der Kunden zu ihrer Bank. So hat fast die Hälfte der Bundesbürger kein Vertrauen mehr in die deutschen Geldhäuser (43,1 Prozent) und auch nicht in ihren persönlichen Berater (41,6 Prozent).
Mögen die Ansprüche vieler älterer Menschen an das Gespräch in der Filiale nicht ganz so hoch sein wie bei jüngeren, so stehen sie der Finanzbranche insgesamt mittlerweile sogar skeptischer gegenüber. 60,2 Prozent der Befragten zwischen 51 und 65 Jahren gaben an, das Vertrauen in die Banken verloren zu haben. Dagegen vertrauen nach wie vor rund zwei Drittel (65,3 Prozent) der Menschen zwischen 18 und 34 Jahren den Instituten.
Gerade die besonders anspruchsvollen Kunden legen bei der Wahl ihres Kreditinstituts auch viel Wert auf den Ruf des Anbieters. Laut GfK-Erhebung wurden die Marken der Banken durch die Krise ganz unterschiedlich beschädigt. Das Marken-Ranking führen nach wie vor die Sparkassen und die Volks- und Raiffeisenbanken an.
Dahinter folgt gleich die Direktbank ING, vor der Postbank und der Direktbank DKB. Auch die Deutsche Bank liegt noch in diesem Bereich. Weniger identifizieren können sich Kunden der Studie zufolge dagegen mit Namen wie Commerzbank und Citibank. Beide Institute standen seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers besonders in den Schlagzeilen – das eine, weil es auf staatliche Hilfe angewiesen war, das andere, weil es an seine Kunden besonders viele der plötzlich wertlosen Lehman-Zertifikate verkauft hatte.
Die jüngste Namensänderung von Citibank in Targobank soll zu einem besseren Image bei den Verbrauchern beitragen. Schlecht kommt in der Studie des Marktforschungsunternehmens auch die HypoVereinsbank weg. Die Markenkraft der Münchner wird als die niedrigste der zuvor genannten Institute erwähnt.
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