Überflüssig und veraltet
Ein Check der Policen lohnt sich meistens
Gute Vorsorge ist wichtig. Doch einige Versicherungen sind verzichtbar, sie sollten von Zeit zu Zeit überprüft werden.
Von Harald Czycholl
Sicherlich kann man seine Abende mit interessanteren Beschäftigungen verbringen als sich um seine Versicherungspolicen zu kümmern. Doch es ist ratsam, ein wenig Zeit zu investieren. Denn viele Menschen wissen nicht, ob sie wirklich richtig versichert sind, oder ob alle abgeschlossenen Policen noch ihrer Lebenssituation entsprechen. "Die meisten Leute wissen gar nicht, was sie im Schrank haben", sagt Hedwig Telkamp von der Verbraucherzentrale Bayern.
Für die Versicherer ist das der Idealfall, denn sie kassieren häufig für Überflüssiges. Ändert sich die Lebenssituation durch Hochzeit, Scheidung, eine Geburt oder einen Todesfall, sollte man seinen Versicherungsschutz umfassend überprüfen, raten Verbraucherschützer. Auch sonst ist ein Policen-Check etwa alle drei Jahre ratsam. Denn häufig sind beispielsweise Versicherungssummen zu niedrig angesetzt.
So müssen etwa bei der Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung neue Möbel, teure technische Geräte oder zum Beispiel ein Dachausbau berücksichtigt werden – sonst gibt es im Ernstfall nicht genug Geld von der Versicherung, um zerstörte Dinge wieder zu beschaffen. Andererseits ist mancher Versicherungsschutz vielleicht gar nicht mehr notwendig. Bei den Verbraucherzentralen beispielsweise gibt es ein Formular zum individuellen Versicherungscheck – das kann hilfreich sein, um die eigene Lebenssituation und den Versicherungsbedarf zu analysieren.
Policen immer wieder überprüfen
Eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitspolice sollte jeder haben, darin sind sich Versicherungsexperten einig. Familien sollten sich zudem mit einer Risikolebensversicherung für den Hauptverdiener absichern. Wer ein Haus besitzt, benötigt zusätzlich eine Wohngebäudeversicherung. Jede weitere Police gehört zur Kür: Bevor man sie abschließt, sollte man es sich gut überlegen. Denn nicht jedes Lebensrisiko muss auch abgesichert werden.
Neben der Hausrat- und Wohngebäudeversicherung sollten auch die Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie – falls vorhanden – die private Unfallversicherung regelmäßig überprüft werden. Die Risikolebens- und Berufsunfähigkeitspolice lässt sich nachträglich nur verändern, wenn es eine Nachversicherungsoption gibt – auf die sollte man schon beim Abschluss der Versicherung achten. Fehlt diese, stimmt aber die Versicherungssumme nicht mehr mit den persönlichen Bedürfnissen überein, sollte man eine zweite Police abschließen, rät Versicherungsexpertin Telkamp. Auch Altersvorsorge, die über Versicherungen abgedeckt ist, sollten Versicherte im Auge behalten. Sinkt beispielsweise die Renditeentwicklung der Lebensversicherung, muss frühzeitig für eine Zusatzabsicherung gesorgt werden.
Nach Sparmöglichkeiten suchen
Bei der Überprüfung der Policen lassen sich regelmäßig Sparpotenziale finden. Die Beiträge variieren nämlich von Versicherer zu Versicherer erheblich – häufig bei identischen Leistungen. In solchen Fällen ist die Kündigung der alten Police und ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen sinnvoll. Manchmal lohnt sich jedoch auch ein Tarifwechsel innerhalb eines Unternehmens, etwa wenn dieses eine günstigere Internet-Police im Angebot hat. Auch der schlichte Anruf mit der Ankündigung, woanders ein günstigeres Angebot zu haben, wirkt häufig schon Wunder. Oft können Verträge dann recht leicht auf neue und deutlich günstigere Konditionen umgestellt werden.
Ratsam ist auch ab und zu ein Blick in die Vertragsbedingungen, um zu sehen, welchen Schutz die Police eigentlich genau bietet. Manchmal verlieren ursprünglich gute Policen auch ihren Sinn und sollten deshalb gekündigt oder zumindest auf einen anderen Tarif umgestellt werden. Wer etwa eine größere Erbschaft macht, braucht keine Risikolebensversicherung oder Berufsunfähigkeitspolice mehr. Für Rentner ist beides sowieso verzichtbar. Und viele Policen – etwa eine Sterbegeldversicherung oder eine Handyversicherung – lohnen sich sowieso nie. Von denen sollte man sich lieber heute als morgen trennen. Oder besser noch: sie gar nicht erst abschließen.
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