Geldanlagen
Warum Hedgefonds nichts für Privatanleger sind
Anlegern, die Millionen bei ihm investieren wollen, nimmt Hedgefonds-Gründer Karsten Schroeder erstmal richtig unter die Lupe. Nicht jeder darf bei ihm Geld anlegen. Er verlangt von seinen Anlegern, sich gut zu informieren. Richtig ärgerlich wird er über die laxe Regulierung der US-Finanzmärkte.
Von Michael Fabricius
Welt am Sonntag: Herr Schroeder, als Schüler in Rostock dachten Sie über eine Karriere als Musiker nach, doch das erschien Ihnen dann zu "riskant". Jetzt sind Sie Hedgefonds-Manager. Dass dieser Beruf mehr Sicherheit bieten soll, müssen Sie mir einmal erklären.
Karsten Schroeder: Jedes Unternehmen in der Startphase hat Risiken. Das gilt für Handwerker, Musiker und auch für Hedgefonds-Manager. Autohändler beispielsweise sind auch von der Krise betroffen und müssen aufgeben. Hedgefonds haben im Vergleich dazu kein höheres Risiko.
Welt am Sonntag: Dafür sind Hedgefonds-Manager sogar noch unbeliebter als Autohändler. Wie konnte es dazu kommen?
Schroeder: Es wundert mich eigentlich, dass sich die Öffentlichkeit über etwas aufregt, mit dem die Öffentlichkeit kaum etwas zu tun hat. In Deutschland gibt es so gut wie keine Hedgefonds. Die Empörung ist aufgehängt an Einzelfällen.
Welt am Sonntag: Diese Einzelfälle haben aber einen enormen Schaden verursacht, siehe Bernard Madoff, siehe Bear Stearns.
Schroeder: Was man nicht vergessen darf: Für solche Fälle gibt es genau einen Verantwortlichen - die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Es gab im Fall Madoff unendlich viele Warnungen und sogar konkrete Anzeigen. Die haben aber nichts bewirkt, weil das System rund um die US-Aufsichtsbehörde fragwürdige Strukturen hat. Seit der LTCM-Pleite 1998 wurde in den USA nichts unternommen für eine bessere Regulierung - bis heute nicht. Das verstehe ich selbst nicht. Warum leitet eine Regulierungsbehörde keine Ermittlungen ein, wenn es reihenweise Anzeigen gegen einen Emittenten gibt?
Welt am Sonntag: Offenbar hat niemand ein Interesse daran, auch nicht die Hedgefonds-Branche selbst.
Schroeder: Das stimmt nicht. Wir haben das Hedgefonds Standard Board gegründet und globale Qualitätsstandards entwickelt. Dazu gehören Prüfervorschriften, klare Regeln für die Preisbildung und Eigenkapitalvorschriften für Banken, die Kreditversicherungen verkaufen. Fonds, die sich danach richten, sollen ein Zertifikat bekommen. Wer das nicht vorweist, findet langfristig keine Anleger mehr.
Welt am Sonntag: Das Vertrauen ist doch bereits dahin. 15 Prozent aller Hedgefonds sind 2008 vom Markt verschwunden, die Anleger haben 390 Milliarden Dollar abgezogen.
Schroeder: Vor der Krise waren die Wachstumsraten dafür enorm. Es gab fast 10.000 Fonds. Aber Sie haben recht: Wir müssen jeden Tag nachweisen, dass wir besser sind als andere. Wenn wir die Erwartungen der Anleger nicht erfüllen, können wir schnell Geld verlieren. Was jetzt geschehen ist, war insofern eine Art Marktbereinigung.
Welt am Sonntag: Was genau haben denn die Hedgefonds falsch gemacht?
Schroeder: Das Problem war, dass sich zu viele von ein und derselben Entwicklung abhängig gemacht haben. Ein Hedgefonds sollte eigentlich eine Diversifizierung anbieten. Manche Fonds haben aber nach der Devise gehandelt: Wenn ich gleichzeitig auf steigende und fallende Kurse setze, in den USA, Europa und Asien, habe ich automatisch einen Risikoausgleich. Ein Fehler, die Märkte gingen in der Krise überall in die gleiche Richtung. Von Diversifizierung kann da keine Rede sein.
Welt am Sonntag: Dann haben die Fonds entweder nicht richtig darüber informiert, was sie mit dem Geld der Anleger machen. Oder die Anleger haben nicht richtig hingesehen.
Schroeder: Deshalb achten wir auch darauf, dass unsere Kunden das Produkt richtig verstehen. Wir veranstalten ausführliche Meetings mit den potenziellen Investoren, in denen wir erklären, wann wir Geld gewinnen und wann wir verlieren können. Ich will nicht immer wieder sagen müssen, warum 2007 und 2008 gut waren und warum 2009 ein schlechteres Jahr ist. Für unsere Managed Futures ist zum Beispiel ein klarer Trend wichtig. Der fehlte bisher in diesem Jahr. Wir verlangen, dass sich die Investoren damit auseinandersetzen.
Welt am Sonntag: Verstehe ich das richtig? Sie nehmen nicht dankbar jeden Anleger?
Schroeder: Wenn einfach jemand kommt und sagt: Ja, schönes Produkt, tolle Performance, da möchte ich rein - dann lehnen wir ab. Ich mache nicht den Lehrer. Deshalb bin ich auch strikt dagegen, Hedgefonds oder Private-Equity-Produkte privaten Anlegern zugänglich zu machen. Die Produkte sind einfach zu kompliziert.
Welt am Sonntag: Optionsscheine und darunter die Futures können Privatanleger doch auch so kaufen - und man kann die Produkte sehr anschaulich beschreiben. Das Beispiel mit dem Bauern, der sich lange vor der Ernte gegen fallende Weizenpreise absichern will, ist doch ganz einfach.
Schroeder: Das ist richtig, aber in welchem Marktumfeld steigt oder fällt das Papier? Das ist nicht so klar. Die Märkte, auf denen solche Scheine gehandelt werden, sind extrem liquide und werden voll elektronisch beispielt.
Welt am Sonntag: Trotzdem muss sich doch auch ein Privatanleger absichern dürfen, zum Beispiel mit einem Short-ETF. Im Grunde genommen ist doch jeder Anleger, der so handelt, ein Hedgefonds-Manager.
Schroeder: Sie machen einen Hedge, das ist richtig. Aber damit haben Sie noch lange keinen Hedgefonds. Hedgefonds investieren in alles, vom CO 2 -Emissionsrecht bis zum CDO. Ein Privatanleger kann sich natürlich beispielsweise einen Russland-Fonds kaufen. Aber das schützt ihn nicht vor Kursverlusten. Zum einen hat er gar nicht die notwendigen Informationen, um eine begründete Entscheidung für oder gegen einen Fonds zu treffen. Zum anderen kann jeder Fonds Verluste machen. Die Absicherung erreicht man über Diversifizierung.
Welt am Sonntag: Ich habe eigentlich gedacht, dass Sie mir erklären, dass Hedgefonds das Allheilmittel sind.
Schroeder: Das geht nicht so einfach. Eine Hedgefonds-Konstruktion zu durchschauen ist eine Angelegenheit für Profis. Die suchen nach einer ganzen Reihe von Qualitätsmerkmalen und wollen alles wissen - bis zu den Hobbys, die der Fondsmanager hat. Bei Bernard Madoff beispielsweise war das Investment verpackt in irgendwelche Vehikel, die kein Anleger verstanden hat, und die wurden einfach weitergereicht von Privatbanken.
Welt am Sonntag: Also gibt es kein fertig abgesichertes Produkt für Privatanleger?
Schroeder: In Deutschland kaum, aber in Japan haben die Banken entdeckt, dass die Anleger gezielt nach Managed Futures fragen ...
Welt am Sonntag: ... also Papieren, die computergesteuert bestimmten Trends folgen.
Schroeder: Die werden dann aber unter einem Dach gebündelt. "Funds of Funds" heißt das Prinzip. So etwas vertreiben beispielsweise Mitsubishi und Nomura. Das kann funktionieren.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- John Paulson: Der ganz große Abkassierer der Finanzkrise
- Bank of America: Bank-Chefs sollen wegen Boni verklagt werden
- Ein Jahr Lehman: In London feiern die Banker schon wieder
- Sanierer packt aus: Die Wahrheit über das Ende von Lehman Brothers
- Folgen der Krise: Der Glaube an die sichere Bank ist zerstört
- Vertrauensverlust: Die Banken sind den Ruf als sicherer Hort los
-
09:22Standort China: Jedes fünfte EU-Unternehmen denkt an Abwanderung
-
09:09SPD-Chef: Gabriel will Griechen mehr Zeit für Reformen geben
-
09:02Lehnin (Brandenburg): Lagerhalle abgebrannt - Ursache unklar
- 1. Befreit Deutsches Mädchen in Bosnien acht Jahre als Sklavin gehalten
- 2. EM-Kader Löw schickt Cacau, Draxler, ter Stegen und Bender heim
- 3. Auktion Elvis Presleys Grabstätte wird versteigert
- 4. Wettmanipulationen Großrazzia erschüttert den italienischen Profi-Fußball
- 5. Mit Droge getötet Mutmaßlicher Darkroom-Mörder gesteht weitere Taten














