25.02.13

Regulierung

Hochfrequenzhändler werden streng kontrolliert

Die BaFin überwacht künftig die Betreiber von superschnellen Handelssystemen. Der Bundesrat forderte sogar noch eine Mindesthaltefrist von 500 Millisekunden. Das war der Koalition aber zu lange.

Foto: REUTERS

Aktien-Händler in New York: Sie können noch so schnell sein, an Computerprogramme reichen sie nicht ran
Aktien-Händler in New York: Sie können noch so schnell sein, an Computerprogramme reichen sie nicht ran

Union und FDP haben sich bei der künftigen Überwachung des umstrittenen Hochfrequenzhandels an den Börsen für die härtere Regulierungsvariante entschieden. Die Betreiber superschneller Handelssysteme müssen sich künftig von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) beaufsichtigen lassen.

In der schwarz-gelben Koalition hieß es, die weniger strikte Variante, sie nur der Börsenaufsicht der Bundesländer zu unterstellen, sei vom Tisch. Nicht durchsetzen konnte sich der von SPD und Grünen dominierte Bundesrat mit der Forderung, eine Mindesthaltedauer für Handelsgeschäfte einzuführen – das wäre wohl das Aus für den Hochfrequenzhandel in Deutschland gewesen.

Mit der Regulierung des ultraschnellen Börsenhandels prescht die Koalition bei einem weiteren Regulierungsthema in der EU voran. Hochfrequenzhändler schlagen Profit aus minimalen Kursdifferenzen, indem ihre IT-Systeme binnen Millisekunden zahllose Aufträge an die Börse abfeuern.

Dow-Jones-Index verlor in Minuten 1000 Punkte

In den USA gehen 70 Prozent der Umsätze auf sie zurück, in Deutschland bereits 40 Prozent. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen in den USA ins Visier des Gesetzgebers gekommen. So hatte der Dow-Jones-Index beim so genannten "Flash-Crash" im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Auftrag, dessen Effekt die Computer verstärkten.

Um solche Abstürze in Deutschland auszuschließen, will die Koalition die Betreiber zwingen, sich bei der Börsenaufsicht zu registrieren und dort ihre Algorithmen offenzulegen. HFT-Orders werden zudem markiert.

Außerdem muss zwischen reinen Anfragen und ausgeführten Aufträgen ein angemessenes Verhältnis bestehen (order-to-trade-ratio). Geplant ist auch, die Zahl der Nachkommastellen bei den Kursen zu beschränken.

Andere Praktiken wie "Scalping" werden als Missbrauch eingestuft. Dabei wird versucht, durch irreführende Marktsignale Kurse zu beeinflussen.

Deutsche Börse wollte schwächere Aufsicht

In der Debatte über den Gesetzentwurf hatte unter anderem die Deutsche Börse versucht, die Koalition auf eine Kontrolle durch die Börsenaufsicht der Länder herunterzuhandeln. Nach dem Beschluss der Finanzexperten der Koalition bleibt es aber bei der deutlich aufwendigeren Erlaubnispflicht nach dem Kreditwesengesetz.

Allerdings werde es Übergangsfristen von sechs Monaten für inländische und neun Monaten für ausländische Hochfrequenzhändler geben. Um weiter handeln zu können, genügt es, innerhalb dieser Fristen einen Zulassungsantrag zu stellen.

Der Bundesrat hatte in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf die Einführung von Mindesthaltefristen für Finanzinstrumente angeregt, um den Handel zu entschleunigen. Dies wird auch vom Europäischen Parlament vorangetrieben.

Die Bundesregierung lehnte das aber ab. In der Koalition hieß es, eine Mindesthaltedauer – im Gespräch waren 500 Millisekunden – hätte das Geschäftsmodell zerstört. "Dann hätte es auch gereicht, ein Gesetz mit dem einen Satz zu machen: 'Der Hochfrequenzhandel wird verboten', sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Volker Wissing.

Bundestag soll schnell zustimmen

Der Finanzausschuss des Bundestages will am Mittwoch abschließend über den Gesetzentwurf der Bundesregierung beraten. Grundlage für die letzten Änderungen im Ausschuss sind die nun gefundenen Verabredungen der Koalitionsexperten.

Der Bundestag soll dann am Donnerstag über den Gesetzentwurf abstimmen. Der Bundesrat muss dem Gesetzentwurf nicht zwingend zustimmen; er kann diesen allenfalls durch seinen Einspruch verzögern.

Quelle: Reuters/pos
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Folgenschwere Börsenpannen
  • 18. Oktober 2012

    Drei Stunden vor Börsenschluss und damit deutlich zu früh wird der Google-Quartalsbericht veröffentlicht. Die verhaltenen Zahlen des Konzerns machen im noch laufenden Börsenhandel die Händler nervös. Die Google-Aktie verliert neun Prozent.

  • 1. August 2012

    Ein technisches Problem beschert dem US-Finanzdienstleister Knight Capital innerhalb eines Tages einen Millionenverlust. Eine neue Software platzierte zahlreiche fehlerhafte Aufträge. Der Schaden beläuft sich auf etwa 440 Millionen Dollar (337 Millionen Euro).

  • 18. Mai 2012

    Der Börsengang des Online-Netzwerks Facebook gerät zu einem Fiasko. Technische Probleme verzögern den Start an der US-Technologiebörse Nasdaq und lassen anschließend Anleger teilweise im Ungewissen, ob ihre Kauforder durchgeführt worden war. Beteiligte Unternehmen erleiden Millionenverluste.

  • 23. März 2012

    Der eigene Börsengang der drittgrößten US-Börse BATS Global Markets endet in einem Desaster. Wegen einer neuen Software bricht der Kurs innerhalb kurzer Zeit von 16 Dollar auf Cent-Beträge zusammen. BATS nimmt alle Transaktionen zurück und stoppt den Börsengang.

  • 6. Mai 2010

    An der US-Börsen kommt es zum „Flash Crash“. Einige Aktien verlieren in kurzer Zeit mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Die Experten sind zunächst ratlos, was der Auslöser ist. Spätere Analysen ergeben, dass die Computerprogramme für den ultraschnellen Handel den Absturz zumindest beschleunigt haben. dapd

Der Hochfrequenzhandel
  • Inhalt

    In Sekundenbruchteilen Wertpapiere kaufen und wieder verkaufen, Hunderte von Order innerhalb kürzester Zeit platzieren, rasend schnelle Reaktionen auf winzigste Kursänderungen: All dies gehört zum sogenannten Hochfrequenzhandel an der Börse. Benutzt werden dabei Computerprogramme, die auf Basis komplexer Formeln automatisch bestimmte Börsenaktionen starten. In Deutschland machen diese Operationen etwa 40 bis 50 Prozent des Börsenumsatzes aus.

  • Probleme

    Ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rückt die Existenz der Technologie vor allem dann, wenn sie Probleme verursacht. So kam es im Frühjahr 2010 zu einem „Flash Crash“, einem blitzartigen Absturz, der US-Börsen. Einige Aktien verloren mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Die Experten waren zunächst ratlos, was der Auslöser war. Spätere Analysen ergaben, dass die Computerprogramme für den ultraschnellen Handel den Absturz zumindest beschleunigt hatten.

  • Regulierung

    Wegen solcher Vorfälle und wegen eines generellen Unbehagens gegenüber maschinengesteuerten Entscheidungen wird immer wieder das Verbot des Hochfrequenzhandels gefordert. Andere Kritiker schlagen vor, dass Wertpapiere nach dem Kauf zumindest für einen bestimmten Zeitraum gehalten werden müssen, bis sie wieder verkauft werden. Die Bundesregierung versucht dagegen, mit neuen Kontrollauflagen für Händler und Börsen die Risiken zu verringern.

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