24.02.13

Tourismus

Spanier verzichten auf Urlaub – aus Geldmangel

Spaniens Wirtschaft rutscht tiefer in die Rezession, unaufhörlich steigt die Arbeitslosenquote. Daher müssen die Spanier am eigenen Urlaub sparen. Das hat böse Folgen für den Tourismus im Lande.

Foto: AP/dpa

Demonstranten protestieren in Madrid gegen den Sparkurs der Regierung
Demonstranten protestieren in Madrid gegen den Sparkurs der Regierung

In ganz Spanien rumort es. Zehntausende Bürger protestierten am Wochenende gegen den strikten Sparkurs der konservativen Regierung. Allein in Madrid versammelten sich mehrere zehntausend Demonstranten zur sogenannten "Bürgerflut", um gegen das Schrumpfen der Wirtschaft und die hohe Arbeitslosigkeit im Land zu protestieren.

Und jetzt kriselt es auch noch gewaltig im Tourismus. Dabei ist die Reiseindustrie "die einzige Branche, die in unserem Land überhaupt noch wächst", sagte jüngst Tourismusminister José Manuel Soria.

Allein im letzten Jahr kamen 58 Millionen ausländische Gäste nach Spanien, 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr und bescherten dem Land Rekordeinnahmen von 55,6 Milliarden Euro.

Spaniern ist die Reiselust vergangen

Doch in den letzten Tagen hat sich die Lage dramatisch verschlechtert. Ausgerechnet auf Mallorca, im Mekka des Spanientourismus, hat jetzt der Reisekonzern Orizonia Insolvenz angemeldet. Der Konzern, zu dem eine Charterlinie, 900 Reisebüros und mehrere Reiseveranstalter gehören, hat kein Geld mehr, um seine 5000 Beschäftigten zu bezahlen.

Die Hauptkunden von Orizonia, das es seinen besten Zeiten auf einen Jahresumsatz von über zwei Milliarden Euro brachte, waren Spanier und denen ist in der Rezession die Reiselust gründlich vergangen.

Die Pleite hinterlässt ein neues Loch bei den Banken, bei denen Orizonia mit 600 Millionen Euro in der Kreide steht. Die Orizonia-Angestellten protestierten am Wochenende vor dem Industrieministerium, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen. "Wir befürchten, dass dieser Zusammenbruch andere Unternehmen mit sich reißen könnte", so Antonio Mayor, Chef des Hoteldachverbands Hospec.

Entsetzen auf den Kanaren

Ein Viertel der Hotels in Benidorm hat mit Orizonia zusammengearbeitet. Auch auf den Kanaren ist man entsetzt. Mit der hauseigenen Airline Orbest waren vor allem Spanier vom Festland auf die Inseln gekommen. Der Rückschlag ist für den ohnehin schwächelnden Inlandstourismus schwer zu verkraften.

Bislang konnte der Zustrom der Ausländer die fehlende Binnennachfrage ausgleichen. Doch für dieses Jahr haben sich die Aussichten verdüstert. Dazu tragen in erster Linie der anhaltende Arbeitskampf bei Iberia bei oder die Boykott-Drohung von ausländischen Billigfliegern, die die spanischen Flughäfen wegen ihrer hohen Gebühren weniger anfliegen wollen.

Allein durch den Streik des Boden- und Flugpersonals von Iberia fielen letzte Woche 1.200 Flüge aus. Rund 140.000 Passagiere waren betroffen. Im März geht der Arbeitskampf der 20.000 Beschäftigten, die sich gegen Personalabbau und Lohnkürzungen wenden, in die zweite Runde.

Weniger Fluggäste

"Die Pleite von Orizonia und der Streik bei Iberia fügt unseren Image als Urlaubsland großen Schaden zu", sagte ein Sprechers eines konkurrierenden Reisekonzerns. Schon jetzt ist abzusehen, dass dieses Jahr weniger Fluggäste nach Spanien kommen werden.

Easyjet kappte bereits im Oktober einige Verbindungen nach Spanien, weil sich die Flughafengebühren in den letzten zwei Jahren praktisch verdoppelt haben. Vergangene Woche folgte Ryanair. Der unangefochtene Marktführer in Spanien, der letztes Jahr 35 Millionen Passagiere auf der Iberischen Halbinsel beförderte, hat seine Spanien-Angebot um knapp 20 Prozent zusammengestrichen, das bedeutet mehr als fünf Millionen Passagiere weniger im laufenden Jahr.

Betroffen sind die Airports von Madrid, Barcelona, Sevilla und Valladolid. Durch das geringere Passagieraufkommen werden auf den spanischen Flughäfen 5000 Stellen wegfallen, schätzt Ryanair.

Arbeitslosigkeit liegt bei 26 Prozent

Das sind keine guten Nachrichten für eine Industrie, die elf Prozent zum spanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt und noch immer 2,2, Millionen Menschen beschäftigt. Und wenn noch mehr Jobs im Tourismus wegfallen, gibt es im krisengebeutelten Land kaum Alternativen. Schon jetzt liegt die Erwerbslosenquote bei 26 Prozent, Tendenz steigend.

"Seit dem letzten Quartal 2012 kann der Tourismus den Arbeitsmarkt nicht mehr beleben", heißt es in einer Studie des Branchenverbands Exceltur. Letztes Jahr hat sich die Ertragslage bei 77 Prozent der spanischen Hotels verschlechtert. "Unter solchen Umständen sind keine Neueinstellungen zu erwarten".

Das sagt auch Juna Zapata, Direktor eines Fünf-Sterne-Hotels in Huelva. "Früher, als der Inlandstourismus boomte, hatten wir unser Hotel zehn Monate im Jahr offen. Jetzt schließen wir die Fensterläden Mitte Oktober und machen erst an Ostern wieder auf".

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Bei den Lohnverhandlungen gab es eine Einigung bei den BVG
Aktualisiert vor 33 MinutenLohnverhandlungen
Beschäftigte werden an Erfolg der BVG beteiligt

Die Löhne der BVG-Beschäftigten sollen in drei Schritten bis 2015 erhöht werden. Das ist das Ergebnis der Tarifverhandlungen. Außerdem gibt es eine Erfolgsbeteiligung. Ein Streik ist abgewendet. mehr...


An der Fleischtheke eines Supermarktes starb der 82 Jahre alte Marcel M.
14:55Mord an Fleischtheke
Mutmaßlicher Messerstecher – Hausmeister fühlte sich bedroht

Marcel M. starb mit 82 Jahren, nachdem er an der Fleischtheke niedergestochen wurde. Den mutmaßlichen Täter kennen die meisten Nachbarn nicht, ein Hausmeister erinnert sich aber an eine Begegnung. mehr...


Rocket-Internet-Geschäftsführer Alexander Kudlich in der Firmenzentrale in Mitte
13:32Rocket Internet
100 Millionen Dollar für Expansion von Zalando-Klon Zalora

Der von Rocket Internet nach dem Zalando-Vorbild in Südostasien gegründete Modeversender Zalora geht auf Expansionskurs. Finanziert von Kinnevik, Summit Partners und Tengelmann. mehr...


Maskierte Polizisten durchsuchen wegen des Verdachts der Bildung einer linksextremistischen Vereinigung ein Haus in Magdeburg
13:28Kriminalität
Hausdurchsuchungen bei mutmaßlichen Linksextremisten

In Berlin und Magdeburg hat die Polizei Objekte von mutmaßlichen Linksextremisten durchsucht. Dabei soll es sich um eine Gruppe handeln, die mehrere Sprengstoffanschläge in Berlin verübt. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Oklahoma Wiedersehen nach dem schweren Tornado
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
US-Kongress Apple verteidigt Steuersparmodell
Xbox One Microsoft stellt neue Spielkonsole vor
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote