22.02.13

Sondertilgung

Banken zahlen EZB mehr als 60 Milliarden zurück

Immer mehr Banken der Euro-Zone lösen sich vom Tropf der Europäischen Zentralbank: Schon bald wollen mehr als 350 Institute 61,1 Milliarden Euro zurückzahlen. Das ist jedoch weniger als erwartet.

Foto: dpa

Das letzte Licht des Tages fällt auf den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main: Die Währungshüter bekommen Milliarden zurück
Das letzte Licht des Tages fällt auf den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main: Die Währungshüter bekommen Milliarden zurück

Weitere Banken der Euro-Zone lösen sich vom Tropf der EZB – allerdings zögerlicher als erwartet. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mitteilte, wollen kommenden Mittwoch 356 Institute rund 61,1 Milliarden Euro aus dem zweiten auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise angelegten Not-Topf im Rahmen einer Sondertilgung zurückzahlen.

Analysten hatten damit gerechnet, dass etwa 120 bis 130 Milliarden Euro an die EZB zurückfließen. Ende Januar hatten bereits 278 Geldhäuser eine erste Gelegenheit zur Ablösung eines drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäfts genutzt und 137 Milliarden Euro überwiesen, die sie kurz vor Weihnachten 2011 von der EZB erhalten hatten.

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht die Rückzahlung als Zeichen der Normalisierung. Dies zeige, dass die Geldinstitute wieder unabhängiger vom EZB-Tropf seien, sagte der österreichische Nationalbankchef in Riga.

Die Zentralbank hatte den Instituten in zwei Tranchen insgesamt rund eine Billion Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt und ihnen die Option eingeräumt, schon nach einem Jahr schrittweise mit der Rückzahlung der Liquiditätshilfen zu beginnen.

Rückzahlungen kommende Woche

Analysten hatten damit gerechnet, dass viele Banken, vor allem aus den stabilen Ländern im Zentrum der Währungsunion, diese Möglichkeit nutzen. Sie kommen im Gegensatz zu Instituten in Griechenland oder Zypern inzwischen wieder ohne Probleme an Liquidität. Welche Banken konkret die zweite Rückzahlungswelle von Beginn an nutzen, blieb zunächst aber unklar, weil die EZB keine Namen nennt.

Zahlreiche Banken wollen nach eigenen Angaben die Gelegenheit kommende Woche nutzen, Langfrist-Mittel an die EZB zurückzugeben. So hat beispielsweise die Commerzbank angekündigt, am 28. Februar ihre 6,2 Milliarden Euro zu tilgen, die sie beim zweiten Tender (LTRO) aufgenommen hatte. Mit dem Geld wollte sie ihr Geschäft in Italien und Spanien gegen ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone wappnen.

Auch die Aareal Bank will eine Milliarde Euro aus dem LTRO II schon nächste Woche loswerden. Die Deutsche Bank, die sich mit zehn Milliarden Euro eingedeckt hatte, will sich dagegen scheibchenweise vom Geld der Zentralbank trennen.

Nagel warnt davor, Krise als für beendet zu erklären

Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel warnte im Gespräch mit Reuters davor, die Krise trotz der Entspannung bei zahlreichen Banken für beendet zu erklären. Für ihn ist der Grad der Überschussliquidität im Finanzsystem, der mit den jetzt laufenden Rückzahlungen sinkt, ein wichtiger Indikator – und zwar für den Zeitpunkt, ab dem die EZB beginnen sollte, ihre Rundumversorgung für Banken und die anderen Krisenmaßnahmen zurückzufahren: "Wenn die Überschussliquidität im Bankensystem deutlich zurückgeht, dann wäre es an der Zeit, sich über einen Ausstieg aus den krisenbedingten Sondermaßnahmen Gedanken zu machen."

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, er erwarte, dass trotz der Sondertilgungen die Überschussliquidität im europäischern Bankensystem vorerst weit über 200 Milliarden Euro bleiben werde. Dieser von der EZB geschätzte Bedarf bestätigt laut Draghi die weitere Notwendigkeit einer lockeren Geldpolitik mit niedrigsten Zinsen und einer allumfassenden Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken.

Derzeit liegt der Leitzins bei lediglich 0,75 Prozent. Bei den wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften gibt die EZB den Banken zudem so viel Geld, wie diese wollen. Vor der Krise hatte sie die Summe begrenzt und die Institute damit an der kurzen Leine geführt.

Quelle: Reuters/nidi
Quelle: Reuters
07.02.13 1:03 min.
EZB-Präsident Mario Draghi rechnet mit einer Erholung der Konjunktur in der Euro-Zone im Laufe dieses Jahres.
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Die Instrumente der Euro-Retter
  • Rückkaufprogramm

    Ein 40 Milliarden Euro umfassendes Programm zum Rückkauf griechischer Staatsanleihen wird seit 2011 diskutiert. Athen könnte dafür Geld des Euro-Rettungsschirms nutzen. Die Kurse liegen weit dem Nennwert. Nominal könnte Athen fast das Dreifache des eingesetzten Betrages an Schulden aus dem Markt nehmen. Die Rest-Schulden würden dann aber fast komplett bei öffentlichen Geldgebern liegen.

  • Zinserlass

    Die Geberländer könnten die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite von etwa 53 Milliarden Euro reduzieren, was zu jährlichen Erleichterungen von 500 Millionen Euro für Athen führen könnte. Italien und Spanien würde dies viel kosten, da sie sich zu höheren Zinsen Geld leihen müssen. Deutschland hat bisher rund 300 Millionen Euro mit den bilateralen Krediten verdient. Neue Darlehen aus dem ESM könnten zu sehr günstigen Konditionen vergeben werden. Die Euro-Länder müssten Ausfälle kompensieren.

  • Buchgewinne

    Die Euro-Länder könnten die Gewinne ihrer Notenbanken aus dem Tausch der Griechenland-Anleihen während der Umschuldung an Athen überweisen. Die nationalen Notenbanken hatten Anleihen zum Nennwert an die EZB verkauft, damit diese die Papiere in neue Anleihen tauscht. Der Buchgewinn wurde an die Länder überwiesen.

  • Bankenhilfen

    Griechische Banken könnten direkt vom Rettungsfonds ESM gestützt werden. Dann würde der griechische Staat entlastet. Aber: ESM-Hilfen sollen nicht für Altlasten fließen und die direkte Banken-Rekapitalisierung ist noch nicht beschlossen.

  • Schuldenerlass

    Rund zwei Drittel der griechischen Schulden von etwa 340 Milliarden Euro liegen bei öffentlichen Geldgebern. Würden die Euro-Länder auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten, würde dies Deutschland knapp acht Milliarden Euro kosten. Finanzminister Schäuble lehnt den Schuldenschnitt ab.

  • Neue Hilfskredite

    Über ein drittes Rettungsprogramm – vor Monaten war von 50 Milliarden Euro die Rede – wird immer wieder spekuliert. Doch zusätzliche Kredite würden die Schuldenquote Athens noch weiter nach oben treiben.

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