22.02.13

Geldpolitik

Bundesbank denkt über Ende des Krisenmodus nach

Banken zahlen der EZB derzeit Notkredite in Milliardenhöhe zurück. Sollte sich der Trend fortsetzen, erwägen die Notenbanker einen Kurswechsel in der Geldpolitik. Doch nicht allen Banken geht es gut.

Foto: dpa

Frankfurter Skyline zur blauen Stunde fotografiert. Im Bankensektor gibt es Lichtblicke
Frankfurter Skyline zur blauen Stunde fotografiert. Im Bankensektor gibt es Lichtblicke

Die Bundesbank macht den künftigen geldpolitischen Kurs davon abhängig, wie viel Geld die Banken von den EZB-Notfallhilfen in den nächsten Wochen an die Zentralbank zurückgeben. "Wenn die Überschussliquidität im Bankensystem deutlich zurückgeht, dann wäre es an der Zeit, sich über einen Ausstieg aus den krisenbedingten Sondermaßnahmen Gedanken zu machen", sagte das für Marktoperationen zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel.

Am Freitagmittag will die Europäische Zentralbank (EZB) bekannt geben, wie viele Banken wie viele Milliarden aus einer rund 500 Milliarden schweren drei Jahre laufenden Geldspritze aus dem Februar 2012 vorzeitig an die Notenbanken der Euro-Zone zurückzahlen wollen.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Geldmarkthändler rechnen damit, dass die Institute rund 125 Milliarden Euro wieder bei der EZB abliefern. Bei der ersten Rückzahloption für ein vor Weihnachten 2011 aufgelegtes Refinanzierungsgeschäft über knapp 500 Milliarden Euro hatten Ende Januar 278 Banken 137,2 Milliarden Euro an die Zentralbank zurückgezahlt.

Griechischen Banken geht es unverändert schlecht

Notenbanker und Analysten hatten diese hohe Summe als Beleg dafür genommen, dass sich die Lage an den Finanzmärkten und im Bankensystem zuletzt deutlich entspannt hat. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich nur stabile Banken vor allem aus den Kernländern der Euro-Zone an der Sondertilgung beteiligten, während etwa griechische Institute weiter am Tropf der EZB hängen und davon auf absehbare Zeit nicht loskommen dürften.

Bundesbank-Vorstand Nagel bleibt deshalb vorsichtig und will die Rundumversorgung der Zentralbanken für Europas Geldhäuser keinesfalls übereilt beenden: "Ich warne davor, die Krise trotz der seit einigen Monaten andauernden ruhigeren Phase an den Märkten für beendet zu erklären. Wann es konkret Zeit ist für den Exit, ist derzeit noch völlig unklar, dafür sind Märkte und Finanzsystem noch viel zu fragmentiert."

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, er erwarte, dass trotz der Sondertilgungen die Überschussliquidität im europäischen Bankensystem vorerst weit über 200 Milliarden Euro bleiben werde.

EZB hält an niedrigen Zinsen vorerst fest

Dieser von der EZB geschätzte hohe Bedarf an Liquidität bestätigt laut Draghi die weiter bestehende Notwendigkeit einer konjunkturstimulierenden Geldpolitik der EZB mit niedrigsten Zinsen und einer allumfassenden Versorgung der Banken mit Liquidität.

Nagel wollte sich nicht auf eine Summe für die überschüssige Liquidität festlegen, unterhalb der er die geldpolitische Schraube ein Stück weit zudrehen will. Er nannte auch keine konkrete Hausnummer für die erste Tranche der Rückzahlung des zweiten langlaufenden Refinanzierungsgeschäfts, die kommenden Mittwoch von den Banken bei der EZB gutgeschrieben wird.

Quelle: Reuters/pos
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