21.02.13

Stiftung Warentest

Strom-Vergleichsportale erhalten schlechte Noten

Vergleichsportale im Internet sind bei der Suche nach einem neuen Stromanbieter laut Stiftung Warentest zu kompliziert.

Foto: dpa

Das Versprechen, durch einen Anbieterwechsel beim Strom bis zu 1000 Euro einsparen zu können, sei unrealistisch, kritisiert die Stiftung Warentest
Das Versprechen, durch einen Anbieterwechsel beim Strom bis zu 1000 Euro einsparen zu können, sei unrealistisch, kritisiert die Stiftung Warentest

Vergleichsportale für Strompreise sind nach Ansicht der Stiftung Warentest keine guten Wegweiser durch den deutschen Tarif-Dschungel. Von zehn getesteten Portalen erhielt keines eine gute oder sehr gute Note, wie die Stiftung am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Verbraucher bekämen mit den voreingestellten Suchoptionen fast immer zuerst Stromanbieter empfohlen, die mit günstigen Bedingungen ihre Kunden ködern, im Laufe des Vertrages aber deutlich teurer werden. Einige verlangten zudem Vorkasse und böten wenig Flexibilität bei einer Kündigung.

Den besten Schutz vor Bauernfängerei bieten laut "Test" die beiden Portale Energieverbraucherportal und Hauspilot. Wer hier mit den voreingestellten Filtern auf die Suche nach einem neuen Anbieter gehe, finde auf den ersten zehn Plätzen "überwiegend bis ausschließlich" faire Tarife.

Geübte Nutzer, die die Fallstricke kennen, könnten auch bei Verivox, Check24 und Toptarif auf die Suche gehen. Laut "Test" landen hier viele unfaire Tarife auf den vorderen Plätzen, wenn die Voreinstellungen nicht geändert werden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezeichnete das Test-Ergebnis "ernüchternd". Viele Portale entpuppten sich als "Wechselfalle".

Die Vergleichsportale wehren sich gegen die Kritik. "Ein Kunde bekommt in unserem Vergleich alle Informationen, die er braucht, um für sich das beste Angebot zu finden", sagte Daniel Friedheim von der Vergleichsplattform Check24. "Ein bisschen Verbrauchermündigkeit muss man allerdings voraussetzen können."

Hohe Bonus-Zahlungen versprochen

Die Stiftung bemängelte bei mehreren Anbietern, dass Bonuszahlungen für Neukunden mit in die Tarifberechnung einflössen. Viele Stromanbieter versprächen ihren Kunden beim Vertragsabschluss eine hohe Einmalzahlung. So hoch, sagte der Chef der Test-Abteilung, Holger Brackemann, dass Discount-Anbieter sogar draufzahlten. "Um trotzdem Gewinn zu erzielen, zahlen sie entweder den Bonus nicht aus oder erhöhen im zweiten Jahr die Preise deutlich", sagte Brackemann. Die Stiftung Warentest hält diese Angebote für unfair.

Das Versprechen, durch einen Anbieterwechsel bis zu tausend Euro einsparen zu können, sei zudem unrealistisch, kritisierte Stiftung Warentest. Bei einem Wechsel vom Basistarif des örtlichen Grundversorgers in einen fairen Tarif sei im Durchschnitt eine Ersparnis von zehn bis 20 Prozent drin. So könne ein Drei-Personen-Haushalt in Berlin mit einem fairen Tarif derzeit bis zu 140 Euro im Jahr sparen, in Mainz sogar fast 240 Euro. Ein fairer Tarif zeichnet sich laut "Test" unter anderem durch eine möglichst umfassende Preisgarantie, eine monatliche Zahlweise und eine kurze Kündigungsfrist zum Ende der ersten Laufzeit aus.

Seitenbetreiber finanzieren sich überwiegend über Provisionen

Von steigenden Preisen und undurchsichtigen Strom-Tarifen profitieren am Ende auch die Vergleichsportale: Die Verbraucher werden preisbewusster und suchen öfter Hilfe auf den Vergleichsseiten. Die meisten Seitenbetreiber finanzieren sich laut Stiftung Warentest überwiegend über Provisionen. Sie verdienen also an jedem Verbraucher, der über ihre Website einen Strom-Vertrag abschließt. Außerdem könnten die Energie-Unternehmen Werbung auf den Portalen schalten und sich von den Vergleichs-Anbietern beraten lassen, zum Beispiel in Fragen zum deutschen Strommarkt.

Einen Widerspruch zwischen Profitinteresse und der Unabhängigkeit der Vergleichsportale sieht Friedheim aber nicht. Check24 sei schon im eigenen Interesse unabhängig, sonst blieben auf Dauer die Kunden weg. Die Stiftung Warentest ist jedoch bei den meisten Anbietern skeptisch. Es gebe Angebote, sagte Chef-Tester Brackemann, "die für uns und für den Verbraucher nach nicht nachvollziehbaren Kriterien auf relativ weit vorderen Plätzen gelistet werden."

Einige Anbieter empfählen zudem über dem Erstplatzierten des Rankings jeweils einen Tarif, der teurer sei als andere Angebote. Eine Sprecherin des Vergleichsportals Verivox sagte zu dieser Kritik: "Das ist Werbung, wie bei der Google-Suche." Das Portal kennzeichne diese Angebote klar als Anzeige. Faire Tarife schaffen es laut Stiftung Warentest nur bei zwei Anbietern regelmäßig auf die vorderen Plätze der Empfehlungen.

Quelle: dpa/AFP/sei
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