19.02.13

Verbraucherschutz

Restaurants servieren Pangasius statt Seezunge

Viele Restaurants tischen ihren Gästen billige Produkte auf, preisen sie auf der Speisekarte aber als Edelgerichte an. Verbraucherschützer warnen mit einer Mogelliste die Verbraucher.

Foto: Getty Images/Foodcollection
Das ist Seezunge. Aber nicht alles, was im Handel als Seezunge angeboten wird, ist auch dieser Edelfisch
Das ist Seezunge. Aber nicht alles, was im Handel als Seezunge angeboten wird, ist auch dieser Edelfisch

Auf die Nachricht, dass deutsche Fertigprodukte nicht deklariertes Pferdefleisch enthalten, reagierten die deutschen Konsumenten mit Verunsicherung und Empörung. Der Protest gegen den alltäglichen Betrug in der deutschen Gastronomie hält sich wiederum in Grenzen – erstaunlicherweise, denn nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg jubeln viele Profiköche ihren zahlenden Gästen Fälschungen unter.

Statt wie bestellt Scampi landen etwa die wesentlich billigeren Garnelen auf dem Teller. Und statt Seezunge, einer der teuersten Speisefische, wird Pangasius serviert, der im Einkauf nur ein Fünftel kostet. "Bei Seezungen wird im Durchschnitt jede dritte Probe von der Lebensmittelüberwachung beanstandet", sagt Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale.

Fast nur Fälschungen beim Test

"Uns erreichen auch häufig Beschwerden von Kunden, die meinen, dass man ihnen im Restaurant minderwertige Speisen für teures Geld serviert hat. Aber das lässt sich ja im Nachhinein nur schwer nachprüfen", so Valet. Bei einer Restaurant-Stichprobe in Sachsen-Anhalt deckte das ZDF-Magazin "Wiso" auf, dass von 19 als Seezunge deklarierten Fischgerichten nur vier auch tatsächlich Seezunge enthielten, in allen anderen Fällen servierten die Gaststätten zum Beispiel Seelachs, Rotzunge oder Pangasius.

"Die Falschdeklaration von Fischen gehört zu den häufigsten Beanstandungen der Lebensmittelüberwachung", sagt auch Lebensmittelkundler Udo Pollmer im Deutschlandfunk. Speziell an den Fischtheken mit den fangfrischen Filets werde gern getrickst. Unter der Aufschrift Heilbutt werde nicht immer wie vorgeschrieben der weiße Heilbutt verkauft, sonder der schwarze. Der sei viel billiger und der Unterschied für den Kunden nicht zu erkennen – allerdings für die meisten sehr wohl zu erschmecken.

Auch wenn Fische unter Namen wie pazifische Scholle oder tropischer Steinbutt verkauft würden, sei das eine Kundentäuschung, denn tatsächlich seien das ganz andere Fische aus anderen Lebensräumen, die mit den Namenspaten überhaupt nichts zu tun haben und selbstverständlich auch ganz anders schmeckten. "Irgendwo gibt es auf der Welt ein anderes Schuppentier, dass so ähnlich aussieht und dabei viel billiger ist", so Pollmer.

Der Verbraucherschützer haben die häufigsten Beanstandungen in der Gastronomie in einer Mogelliste zusammengestellt. Statt Schafs- oder Fetakäse landet etwa ein wesentlich billigeres und im besten Fall unauffälliges Käseimitat im Salat, das aus Wasser, Pflanzenfett und künstlichen Aromen zusammengebastelt wurde.

Die Panade verdeckt die Wahrheit

Und die Meeresfrüchte enthalten überwiegend Surimi, Pressware, die aus Fischresten zusammengefügt wurde. Und wenn das Wiener Schnitzel nicht wirklich eines aus Kalbfleisch ist, sondern es sich doch um Schweine- oder Putenfleisch handelt, wird das von viel Panade verdeckt und damit von vielen Kunden nicht bemerkt.

Dabei gilt für Analogkäse oder Putenschnitzel: So etwas seinen Gästen vorzusetzen, ist erlaubt, aber nur, wenn es auf der Speisekarte ordnungsgemäß deklariert wurde.

Beim Lesen mancher Speisekarte könne man vermuten, dass Restaurantköche ausschließlich über den Wochenmarkt laufen oder sich nur mit frischer Ware beliefern lassen, so Valet. Doch tatsächlich würden in der Gastronomie immer mehr vorgefertigte Gerichte beim Gastroservice der Lebensmittelindustrie gekauft. Beobachter würden von bis zu 80 Prozent der Speisen ausgehen.

Aus der Fabrik statt von Oma

Großes Betrugspotenzial am Kunden haben die Verbraucherschützer denn auch bei Angaben darüber ausgemacht, ob Speisen hausgemacht sind. Denn von der selbst gebackenen Erdbeertorte bis zu Omas Gulaschsuppe: Die Gäste können selten erkennen, ob die Speisen wirklich selbstgemacht sind.

"Viele Gastronomen halten sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben, obwohl die Verwendung von Zusatzstoffen wie Geschmacksverstärkern oder Farbstoffen deklariert werden muss", sagt Valet. In Restaurants werde etwa die zum Spargel gern gereichte Sauce Hollandaise oft nicht selbst mit Butter und Eigelb zubereitet, sondern es würden billige Imitate aus der Lebensmittelindustrie verwendet.

Bei Stichproben in Hamburg wurde in sieben von elf Restaurants Fertigsauce quasi ohne Butter aufgetischt. Besonders dreist: Selbst auf Nachfrage behaupteten fünf der Fälscher, dass die Sauce selbst gemacht sei.

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