18.02.13

Devisenhandel

G 20 geben den Yen zum Abschuss frei

Der Euro hat seit Juli gegenüber dem Yen ein Drittel an Wert zugelegt. Spekulant George Soros konnte eine Milliarde Dollar beim Yen-Spiel gewinnen. Und private Zocker können mitmischen.

Von Holger Zschäpitz
Foto: Infografik Die Welt

Japaner müssen immer mehr Yen in die Hand nahmen, um einen Euro zu kaufen
Japaner müssen immer mehr Yen in die Hand nahmen, um einen Euro zu kaufen

Im Devisenpoker ist die nächste Runde eingeläutet. Nach der Erklärung der führenden Industriestaaten und Schwellenländer (G20) vom Wochenende ist der japanische Yen in die Nähe des tiefsten Stands seit fast drei Jahren gefallen. Der Kurs des Dollar im Handel mit der japanischen Währung stieg in der Spitze auf 94,22 Yen. Damit liegt der Yen in der Nähe seines tiefsten Stands seit Mai 2010.

Auch zum Euro verlor die japanische Devise an Wert. Vorübergehend mussten fast 126 Yen für einen Euro gezahlt werden; so viel wie fast seit drei Jahren nicht mehr.

"Für mich haben die Erklärungen der G-7 und der G-20-Staaten nichts verändert. Japan wird an seiner Politik festhalten und der Yen wird weiter fallen", erklärt Stephen Jen, Hedgefondsmanager bei SLJ Macro Partners. Er rechnet damit, dass der Yen in den kommenden Wochen weitere 15 Prozent gegenüber Dollar & Co. abwerten werde.

Experten setzen auf eine weitere Abwertungsrunde

Ähnlich sieht das Adarsh Sinha, Währungsstratege bei der Bank of America Merrill Lynch. Nach einer kurzen Pause werde der Yen seine Talfahrt fortsetzen.

Das Gros der Experten setzt auf eine weitere große Abwertungsrunde. Bereits seit Sommer hat die japanische Devise gegenüber allen Währungen abgewertet. Am stärksten legte der Euro zu, er gewann ein Drittel an Wert. Die Verschiebungen auf den Devisenmärkten, die auch Wettbewerbsbedingungen für den internationalen Handel tangieren, hatte die Politik auf den Plan gerufen. Am Dienstag hatte sich die wichtigsten sieben Länder der Welt (G7) für freie Wechselkurse und gegen Manipulationen ausgesprochen.

Die G7 hatten mit ihrem Kommuniqué aber genauso wie die G20 hatten bei ihrem Treffen am Wochenende einen offenen Streit über die Währungspolitik einzelner Länder vermieden. Analysten werteten dies als Bestätigung der Politik Japans, das mit einer Geldschwemme den Yen-Kurs gedrückt und damit die Wettbewerbschancen seiner Firmen im Ausland verbessert hatte. "Nach dem G-20-Treffen ist ein Risikofaktor für Wetten auf einen schwächeren Yen aus dem Weg", sagt Marc Chandler, Stratege beim Devisenhaus Brown Brothers Harriman.

Exportstarke Aktien mit hohen Kursgewinnen

Der japanische Nikkei-Index legte zu Wochenbeginn mehr als zwei Prozent zu. Insbesondere Aktien von exportstarken Firmen und von Banken profitierten von der Entspannung im Streit über die Abwertung des Yen. Die Nissan-Aktien schlossen zwei Prozent fester. Die Mitsubishi UFJ-Aktien schnellten fast fünf Prozent in die Höhe. "Die G 20 haben Japan einen Freifahrtschein für die Lockerung der Geldpolitik ausgestellt", kommentierte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank die Beschlüsse des G20-Treffens.

"Japan wird an seiner Währungspolitik festhalten", sagte Yuna Park von Dongbu Securities. Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) bestätigte trotz des wirtschaftspolitischen Richtungswechsels in Japan die Bewertung der Kreditwürdigkeit des Landes auf der vierthöchsten Stufe "AA-". Der Ausblick für die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt bleibe aber weiterhin auf "negativ", hieß es in einer heute veröffentlichten Mitteilung.

Das Land hat den mit Abstand höchsten Schuldenstand aller Industriestaaten. Einer der wichtigsten Gläubiger ist aber die eigene, relativ wohlhabende Bevölkerung, daher gilt Japan nicht als pleitegefährdet.

Für Hedgefonds ein gefundenes Fressen

Die Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe versucht, die Deflation in Japan zu beenden und die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Abe steht international in der Kritik, weil er die Notenbank massiv unter Druck setzt. Sie soll die Geldpolitik weiter lockern, um somit die Konjunktur anzuschieben. Dies hatte auch die Abwertung des Yen zum Dollar und Euro verursacht. Mit Spannung wird jetzt die Nominierung eines neuen Notenbank-Chefs durch den Ministerpräsidenten erwartet.

Für Hedgefonds sind die Währungsverschiebungen ein gefundenes Fressen. Der US-Investor George Soros hat bei der jüngsten Abwertung des Yen rund eine Milliarde Dollar verdient. Soros habe mit seinen Fonds auf eine Abschwächung der japanischen Währung spekuliert und damit Erfolg gehabt. Auch viele andere Hedgefonds sollen mit ähnlichen Strategien Geld verdient haben.

Auch risikofreudige Sparer können beim Yen-Poker mitmischen. Am einfachsten sind Investments in japanische Aktien. Diese gelten als Hauptprofiteure der Abwertung. Allerdings sollten Nippon-Anleger nur auf währungsgesicherte Aktienfonds setzen. Der Nikkei-Index hat seit Jahresanfang zehn Prozent zugelegt, in Euro gerechnet jedoch nichts abgeworfen. Zockernaturen können ihre Wetten auch am Devisenmarkt platzieren. Hier existieren Short-Zertifikate auf den Yen.

Quelle: Mit Agenturen
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