12.02.13

Subventionen

Geld für Familien hebt die Geburtenrate nicht an

Verfehlte Familienpolitik? US-Amerikanerinnen bekommen mehr Kinder als deutsche Frauen – und das ganz ohne finanzielle Förderung. Denn Geld ist nicht der entscheidende Hebel in Industrienationen.

Foto: picture alliance/dpa/duggarfamily.com

Extrembeispiel: Das Ehepaar Jim Bob und Michelle Duggar aus dem US-Bundesstaat Arkansas mit 18 ihrer 19 Kinder. da ist Sprössling Nummer 19, der mittlerweile auch auf der Welt ist, noch nicht drauf
Extrembeispiel: Das Ehepaar Jim Bob und Michelle Duggar aus dem US-Bundesstaat Arkansas mit 18 ihrer 19 Kinder. Sprössling Nummer 19, der mittlerweile auch auf der Welt ist, ist da noch nicht auf dem Bild

In den USA gibt es weder Elterngeld noch Elternzeit noch eine vom Staat mitfinanzierte Kleinkindbetreuung. Trotzdem bekommen US-Amerikanerinnen mehr Kinder als deutsche Frauen. Die Politikwissenschaftlerin und Soziologin an der City University of New York, Janet Gornick hält Flexibilität am Arbeitsplatz und Gleichberechtigung für wesentliche Schlüssel zu einer höheren Geburtenrate in Industrienationen.

Zahlungen an die Eltern hält sie dagegen für verkehrt. "Das ist sicher der falsche Ansatz. Es gibt viel Literatur zum Zusammenhang zwischen Familienpolitik und Geburtenrate. Die einzige Konstante, die sich in allen Studien und Aufsätzen findet, ist die, dass Barzahlungen an Eltern keinen Effekt haben", sagt Gornick.

Demnach bringt auch das im vergangenen Jahr eingeführte Betreuungsgeld nichts, um die Geburtenrate in Deutschland zu heben. Pro Frau werden hier im Durchschnitt 1,4 Kinder geboren. Gänzlich ohne die Hilfe von milliardenschweren Programmen bringen US-Frauen im Schnitt zwei Kinder zur Welt.

Familie ist selbstverständlich

Gornick: "Ein Grund für die hohe Geburtenrate sind die Zuwanderer unter anderem aus Mexiko und Lateinamerika, die in sehr jungem Alter in die USA kommen und dann hier ihre Kinder kriegen. Bei den weißen, hier geborenen Frauen beträgt die Geburtenrate 1,8."

Dafür seien in erster Linie andere Erwartungen verantwortlich. "Die amerikanische Frau erwartet gar nichts anderes, als dass es eine harte Zeit werden wird. Sie will arbeiten gehen oder muss es in vielen Fällen auch, weil sonst das Geld nicht reicht. Sie will aber auch Kinder haben. So wie es selbstverständlich ist zu arbeiten, ist es auch selbstverständlich, eine Familie zu gründen", sagt die New Yorker Wissenschaftlerin.

Es gebe aber auch einen Zusammenhang zwischen Arbeit und Familie. "Beide, Männer und Frauen, müssen die Möglichkeit haben, arbeiten zu gehen und Kinder zu erziehen. Eine niedrige Vollbeschäftigungsquote bei Frauen geht meist mit einer niedrigen Geburtenrate einher", sagt Gornick. Arbeit habe in den USA einen hohen Stellenwert. Zugleich sei es auffällig, dass es ein Recht auf Teilzeit oder Elternzeit für US-Arbeitnehmer nicht gibt.

Für die meisten Mütter gibt es keine Vergünstigungen

Gornick: "Wer hoch qualifiziert ist und in einem großen Unternehmen arbeitet, hat sicherlich die Möglichkeit, Modelle auszuhandeln, um etwa ein Jahr nach der Geburt des Kindes zu Hause zu bleiben oder ein oder zwei Tage statt im Büro von zu Hause zu arbeiten. Das kann die Kassiererin im Supermarkt nicht. Der ganze Niedriglohnsektor ist von solchen Vergünstigungen ausgeschlossen."

Eine US-Amerikanerin wäge, anders als eine Europäerin, nicht ab und denke nicht darüber nach, ob es schwierig werde, Kinder und Beruf zu vereinbaren. Und sie verzichte dann nicht womöglich auf das eine oder das andere.

Quelle: stm/kna
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