11.02.13

Devisenhandel

"Währungskrieg" entzweit die mächtigen G-7-Länder

Streit über die künftige Währungspolitik: Die Mehrheit der G-7-Staaten möchte in einer Erklärung vor den Folgen eines "Währungskrieges" warnen – doch das wäre eine Kampfansage an Frankreich und Japan.

Foto: dpa

Euro-Skulptur in Frankfurt: Ist die Währung mittlerweile zu stark – und behindert die Exportwirtschaft der Euro-Zone?
Euro-Skulptur in Frankfurt: Ist die Währung mittlerweile zu stark – und behindert die Exportwirtschaft der Euro-Zone?

Die Finanzminister der führenden Industrieländer beraten einem Zeitungsbericht zufolge derzeit über eine gemeinsame Erklärung, in der vor einem neuen "Währungskrieg" gewarnt werden soll.

Die Diskussion werde im Rahmen der G-7-Länder USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Kanada, Italien und Japan geführt, meldete das "Wall Street Journal". Ziel einer solchen Erklärung sei es, Wechselkurse zu haben, die durch die "Marktkräfte" und nicht durch einseitige Währungsinterventionen bestimmt werden.

Japan könnte eine solche Erklärung allerdings als Kritik an seiner eigenen Politik verstehen. Auch Frankreich hatte in der vergangenen Woche einen Vorstoß unternommen, um die EU zu einer Wechselkurspolitik gegen einen zu starken Euro zu bringen.

Frankreich will die Stärke des Euro an diesem Montag beim Finanzministertreffen der Euro-Zone in Brüssel ansprechen sowie am Freitag und Samstag beim G-20-Treffen in Moskau.

EZB will nicht in "Währungskrieg" gezogen werden

Die Europäische Zentralbank (EZB) will sich nicht an einem Abwertungswettlauf der Währungen beteiligen. "Unsere Grundposition ist unverändert: Wir haben kein Wechselkursziel, Wechselkurse sollen marktbasiert sein", sagte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen dem "Handelsblatt".

Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen deutlich aufgewertet, insbesondere zum japanischen Yen, zum US-Dollar und zum britischen Pfund. Waren aus dem Euro-Raum werden in der Folge im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, was hierzulande die konjunkturelle Erholung gefährden könnte.

Der erstarkte Euro macht vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen. "Ich glaube nicht, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit in diesen Ländern", sagte Asmussen. "Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte."

Hollande für "aktive Wechselkurspolitik"

Frankreichs Staatspräsident François Hollande hatte sich wegen der Euro-Aufwertung für eine aktive Wechselkurspolitik ausgesprochen. "Die Frage nach einem Wechselkursziel ist nicht neu. Aber es gibt kein Wechselkursziel in der Euro-Zone. Eine solche Debatte darf nicht von den notwendigen Reformen ablenken, die die Staaten selbst unternehmen müssen", sagte Asmussen.

Der Notenbanker bekräftigte: "Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer. Wir haben ein Mandat, das wir erfüllen. Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen." Besser sei es, solche Fragen auch in Zukunft im Kreis der führenden Wirtschaftsnationen (G 7 und G 20) zu besprechen.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte am vergangenen Donnerstag die Aufwertung des Euro als "Zeichen der Rückkehr des Vertrauens" in die europäische Gemeinschaftswährung bezeichnet. Langfristig bewege sich der Euro in der Nähe seines Durchschnittswerts.

Dass Draghi zugleich erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge, werteten Ökonomen als "sanfte verbale Intervention" gegen die Euro-Aufwertung: Der Euro-Kurs sackte am Donnerstag schlagartig um fast zwei Cent zum Dollar ab. Am Montag startete der Euro-Kurs unter der Marke von 1,34 US-Dollar.

Quelle: AFP/dpa/woz
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Unglück

Rakete mit Raumfrachter "Cygnus" explodiert

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote