11.02.13

Nationalbank

Schweizer Franken gegenüber Euro überbewertet

Ein Direktoriumsmitglied der Schweizer Nationalbank sieht weiter Wechselkursrisiken gegenüber dem Euro. Eine Inflationsgefahr sieht er weniger, die Immobilienpreise aber müsste man genau beachten.

Foto: dpa

Eine Euro-Münze (l.) und ein Schweizer Franken. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hält an dem Mindestkurs zum Euro fest
Eine Euro-Münze (l.) und ein Schweizer Franken. Die Schweizer Nationalbank (SNB) hält an dem Mindestkurs zum Euro fest

Die Schweizer Franken ist laut SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg weiterhin zu hoch bewertet. Die Unsicherheiten bezüglich Europa machten nach wie vor eine Deckelung des Frankenkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) notwendig, sagte Zurbrügg der Aargauer Zeitung.

"Der Franken ist aber auch beim heutigen Kurs gegenüber dem Euro überbewertet", erklärte Zurbrügg. "Der Mindestkurs bleibt auf absehbare Zeit das geeignete Instrument zur Gewährleistung der Preisstabilität."

Die SNB hatte im September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro eingeführt, um den Exporteuren zu helfen und eine Deflation abzuwenden, nachdem die eidgenössische Währung fast die Parität zum Euro erreicht hatte. Seitdem hat der Franken sich abgeschwächt, da ein Nachlassen der Euroraum- Schuldenkrise die Nachfrage nach als sicherer Hafen geltenden Vermögenswerten gedämpft hat.

Währungsreserven steigen auf Rekordniveau

Zwar hat der Franken in diesem Jahr gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung 1,6 Prozent verloren, aber er liegt immer noch elf Prozent höher als der fünfjährige Durchschnitt und 27 Prozent über dem Tief vom Oktober 2007 von 1,6828.

Im Zuge der Verteidigung des Mindestkurses sind die Fremdwährungsreserven der SNB auf ein Rekordvolumen angestiegen, die Bestände zogen um mehr als 50 Prozent auf 427 Milliarden Franken (347 Milliarden Euro) an, seit die Deckelung eingeführt wurde.

"Vor allem im zweiten und dritten Quartal 2012 mussten wir stark intervenieren", berichtete Zurbrügg in dem Interview. "Die Ausweitung der Bilanz ist eine Folge dieser Politik. Aber das war unumgänglich, um gegen die starke Überbewertung des Frankens vorzugehen."

Zwar seien die "Extremrisiken auf den Finanzmärkten" verschwunden, da das Vertrauen in den Euroraum zurückkehre. Aber "wir haben immer noch Risiken in Europa und damit die Gefahr von größeren Wechselkursbewegungen", erläuterte Zurbrügg. "Der Mindestkurs bleibt deshalb wichtig."

Immobilienpreise unter genauer Beobachtung

Zurbrügg sagte auch, es gebe in absehbarer Zukunft keine Inflationsgefahr für die Schweiz und dass die SNB die kritische Situation bei den Immobilienpreisen "genau" beobachten werde.

Er wollte sich gegenüber der Zeitung nicht dazu äußern, ob die SNB bei der Regierung die Einführung eines so genannten antizyklischen Kapitalpuffers für Banken zur Abkühlung des Immobilienmarktes beantragt hatte. Er wies darauf hin, dass eine derartige Maßnahme vom Bundesrat mitgeteilt werden müsste.

Auf die Frage nach der Kapitallage der zwei größten Schweizer Banken, UBS AG und Credit Suisse Group AG, lobte Zurbrügg die "beachtlichen Fortschritte", die die Banken gemacht haben. "Trotzdem ist der Verschuldungsgrad bei beiden Großbanken immer noch recht hoch", sagte er der Aargauer Zeitung. "Daher begrüßen wir ihre Anstrengungen, die Kapitalsituation weiter zu verbessern."

Quelle: Bloomberg/woz
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Profis erwarten Rekordstände
  • Reinhard Hellmuth, I.C.M.

    Wir favorisieren den Gesundheitssektor (Sanofi oder Pfizer); Technologie (Google, SAP), Grundstoffe (Potash, Barrick Gold Corp., Tullow Oil), Deutsche Bank. Prognose: Dax: 10-15 Prozent, Dow: 10 Prozent, Nikkei: 10-15 Prozent

  • Lutz Hering, Damm Rumpf Hering

    Unser Favorit sind die Emerging Markets. Zwar sind die Bewertungen auf ähnlichen Niveaus wie beim Dax, aber bei entscheidenden Faktoren ist diese Region aussichtreicher. Aktien aus Europa, die in den allgemeinen Abwärtsstrudel gezogen wurden, z.B. Telefonica (Minus von 20Prozent im Jahr 2012 übertrieben) Prognose: Dax: 8 Prozent, Dow: 15 Prozent, Nikkei: 10 Prozent

  • Eckhard G. Jess, Dahm & Jess

    Alle Branchen, die von Megatrends profitieren, z.B. aufgrund wachsender Weltbevölkerung die Sektoren Agrar und Gesundheit, Infrastruktur, Rohstoffe. Länder: Deutschland, China, Südostasien. Prognose: Dax: 10 Prozent, Dow: neutral, Nikkei: 10 Prozent

  • Jürgen Mehrbrei, UNIKAT Vermög

    Nachhaltige Geschäftsmodelle mit hohen Markteintrittsbarrieren und auskömmlichen Margen. Solide Bilanzstrukturen. Titel mit nur optisch hohen Dividenden, die aus der Substanz ausschütten (z.B. Dt. Telekom) meiden. Weltweite Streuung mit Fokus auf Asien und Emerging Markets. Europa selektiv ja, USA neutral auch wegen Dollar-Risiken. Einzelwerte: BASF, Dt. Post, Roche, Gazprom, Microsoft, Dt. Börse, McDonald’s, Stora Enso und Teva Pharma. Branchen: Energie, Ölservice, Pharma, Healthcare, Technologie. Prognose: Dax: 8.180 (EuroStoxx: 3.240), Dow:14.050, Nikkei: 12.400

  • Georg Thilenius, Dr. Thilenius

    Wenig zyklische, hauptsächlich konsumnahe und Pharmawerte weltweit. Gerne auch Werte mit Ölreserven. In Deutschland Deutsche Post und BASF, in der Schweiz Roche und Syngenta, in Dänemark Novo Nordisk, in England Associated British Foods. Prognose: Dax und S&P500 dürften dieses Jahr die alten Höchststände von 2007 erreichen. Überschritten werden diese jedoch nachhaltig erst nach mehreren Anläufen, da dort massiver Widerstand liegt.

  • Winfried Walter Schneider,

    Wir bevorzugen Blue Chips aus Mittel- und Nordeuropa mit hoher Preissetzungsmacht, inhabergeführte Nebenwerte (Midcaps) mit starker Position in Marktnischen und die neuen Global Champions aus den Schwellenländern. Grundsätzlich gibt es in jeder Branche gute und schlechte Unternehmen: Es geht darum, die guten herauszufiltrieren. Prognose: global bis zu 10Prozent, deutschsprachiger Raum: positiv; USA: neutral; Japan: total politisch

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