11.02.13

Steuer-Tipp

So retten Sie Ihre Abfindung vor dem Fiskus

Das Finanzamt freut sich über das Trostpflaster vom Chef: Für eine Kündigung "mit goldenem Handschlag" fallen Steuern an. Mit ein paar Tricks zahlen scheidende Arbeitnehmer jedoch weniger.

Foto: Getty Images

In Deutschland haben Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Abfindung
In Deutschland haben Arbeitnehmer grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Abfindung

Eine Kündigung ist meist ein harter Schlag, den Betroffene nur schwer verwinden. In diesem Jahr dürfte das Tausende von Arbeitnehmern in der Bundesrepublik treffen: Einer branchenübergreifenden Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge rechnen rund 28 Prozent der 2300 befragten Unternehmen damit, 2013 Stellen streichen zu müssen.

Etwas weniger schmerzt es die Betroffenen, wenn sie mit einem "goldenen Handschlag" entlassen werden. Über eine Abfindung freuen sich allerdings auch die Finanzämter.

Denn steuerlich werden sie nicht behandelt wie eine Schenkung, die ohne Abzüge auf das Konto fließt, sondern wie der Arbeitslohn. "Früher gab es gewisse Freibeträge. Seit 2006 sind Abfindungen voll steuerpflichtig und müssten bei der Berechnung der Einkommensteuer zum regulären Jahresverdienst hinzugerechnet werden", erklärt Isabel Klocke, Justiziarin beim Bund der Steuerzahler Deutschland.

Unter Umständen könne man so in einen höheren Steuersatz rutschen und müsse deutlich mehr an den Fiskus berappen als üblich. Beispielsweise werden die Einkünfte eines Normalverdieners, der ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 40.000 Euro erhalten hat, durch eine Abfindung von 40.000 Euro statt mit 23,76 mit 33,54 Prozent besteuert.

Fünftelregelung kann Steuern sparen

"An der Tatsache, dass die Abfindung komplett besteuert wird, ist nicht zu rütteln. Man kann die Steuerbelastung aber durch die sogenannte Fünftelregelung etwas abmildern", sagt Michael Henn, Präsident des Verbandes deutscher Arbeitsrechtsanwälte in Stuttgart.

Kommt sie zur Anwendung, wird zunächst die Einkommensteuer auf das reguläre Jahreseinkommen berechnet. Dann wird die Abfindung fiktiv auf fünf Jahre verteilt, ein Fünftel zum Einkommen hinzugerechnet und darauf wieder die Steuer ermittelt.

Die Differenz beider Beträge wird mit fünf multipliziert und ergibt die Abfindungs-Steuersumme, die man mit der regulären Einkommensteuer addiert. "Sicherlich ein etwas aufwendiger Berechnungsweg, und die Ersparnis ist nicht wirklich hoch, aber es ist besser als nichts", findet Henn.

Damit man "fünfteln" darf, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Allem voran gilt, dass die Entschädigung die Einnahmen, die durch die Kündigung bis zum Jahresende wegfallen, übersteigt und dem Entlassenen innerhalb eines Kalenderjahres zufließen muss.

"Ein kleiner nachträglicher Zuschlag von circa fünf Prozent der Gesamtsumme wird toleriert. Ansonsten können Abfindungen zwar in Raten unterteilt, aber nicht jahresübergreifend ausbezahlt werden, wenn man in den Genuss der Fünftelregelung kommen will", erklärt Vicky Johrden, Referentin des Deutschen Steuerberaterverbandes.

Verschiebung ins kommende Jahr

Deshalb sollte man die Möglichkeit einer Abfindung in "Jahres-Etappen" jedoch nicht gleich verwerfen, kann sie doch unabhängig von der Fünftelregelung ein Mittel zur Steuerersparnis sein: "Die zu versteuernde Summe bleibt hier gleich. Indem sie nicht in einem Berechnungszeitraum ausgeschüttet, sondern gesplittet wird, schlägt sie steuerlich aber weniger stark zu Buche", erläutert Klocke.

Denn der Grad der Besteuerung steigt mit dem Einkommen, und man bleibt durch ein Splitting vielleicht auf einer niedrigeren Tarifstufe. Ein durchaus reizvoller Effekt – und die Teilauszahlung ist auch legal, solange sie nur über zwei Kalenderjahre erfolgt und die Zahlungstermine vor Fälligkeit der Abfindung mit dem Arbeitgeber vereinbart werden.

Ob Teilen oder Fünfteln steuerlich günstiger ist, hängt vom Einzelfall ab. Weil für die richtige Entscheidung nicht nur das Einkommen der Steuerzeiträume und die Abfindungshöhe, sondern viele weitere Faktoren eine Rolle spielen, zieht man am besten einen Steuerberater hinzu.

Ähnliches gilt bei einer dritten Variante: die Verlagerung der kompletten Entschädigungszahlung ins Folgejahr. "Das ist rechtlich gesehen möglich und kann in einigen Fällen eine gute Idee sein", sagt Johrden. Das gelte insbesondere, wenn für das kommende Jahr geringere Einkünfte zu erwarten sind als für das laufende, etwa infolge von Arbeitslosigkeit.

Quelle: dpa/cat
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Anspruch auf Abfindung
  • Grundsatz

    In Deutschland haben scheidende Arbeitnehmer zwar grundsätzlich keinen Anspruch auf Abfindung. Über Umwege sind einige Arbeitgeber dennoch zum Zahlen verpflichtet.

  • Bedingungen

    Die Voraussetzungen dafür sind jedoch eng: So kann es einen Tarifvertrag oder Sozialplan geben, in dem für den Kündigungsfall eine Entschädigung vorgesehen ist. In anderen Fällen kann der Arbeitnehmer immerhin selbst aktiv werden und über seine Abfindung verhandeln.

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