06.02.13

Maischberger

Wenn der demente Vater ausgeplündert wird

Sandra Maischberger diskutierte mit Angehörigen von Demenzkranken, die echte Krimis mit Berufsbetreuern erlebt haben. Doch die Tochter von Ex-Fußball-Manager Rudi Assauer weiß, wie man sich schützt.

Foto: WDR/Max Kohr

Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen zum Thema "Entmündigt – Wenn Betreuung zum Albtraum wird". In der Runde saßen unter anderem die Tochter des vermissten Millionärs Georg Luxi, Evelyn Angerer (l.) und die Tochter von Ex-Fußball-Manager Rudi Assauer, der an Alzheimer erkrankt ist, Bettina Michel (r.).

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Es ist ein schmaler Grat: Wann kann jemand nicht mehr über sein eigenes Leben entscheiden? Wann hat jemand aufgrund einer Krankheit wie Demenz oder einer psychischen Störung die Kontrolle über sich selbst verloren? Wann wird jemand zum Betreuungsfall – und welche Folgen kann das für ihn und seine Angehörigen haben?

"Entmündigt – Wenn Betreuung zum Albtraum wird" hat Sandra Maischberger ihren Talk betitelt. Die Sendung dominieren dann auch fast ausschließlich Schilderungen von Verwandten, die ihre Angehörigen als Opfer von Berufsbetreuern einstufen.

Da berichtet Hiltrud Boldt-Schiffer von ihrer Mutter, die von der Polizei in ein Heim gebracht wird, wo sie wenige Monate später verstirbt. Die Schwester von Hiltrud Boldt-Schiffer hatte beantragt, dass die Mutter von einem Berufsbetreuer versorgt werden soll. Um den Heimaufenthalt zu finanzieren, verkaufte diese Betreuerin mehrere Grundstücke aus dem Besitz der Neunzigjährigen. Alle Versuche von Hiltrud Boldt-Schiffer, sich dagegen zu wehren, blieben erfolglos.

Monika Peil musste lange dafür kämpfen, dass sie für ihren eigenen Mann sorgen darf. Eine Berufsbetreuerin hatte ihn gegen ihren Willen in ein teures Heim eingewiesen. Zwei Jahre lang hat sie am Ende mit allen Mitteln für eine Ablösung der Betreuerin gestritten.

Am spektakulärsten ist der Fall, den Evelyn Angerer schildert: Ihr demenzkranker Vater Georg Luxi wurde von dessen Lebensgefährtin und ihrem Sohn heimlich unter Betreuung gestellt. Wenig später ließ sich die Lebensgefährtin den Besitz des Millionärs Luxi übertragen.

Dagegen klagten Evelyn Angerer und ihre Schwester. Georg Luxi und seine Partnerin verschwanden daraufhin spurlos. Seitdem wird nach dem Mann gefahndet, der Fall war auch auch schon bei "Aktenzeichen XY" Thema. Der Sohn der Lebensgefährtin verweigert jede Aussage gegenüber der Polizei.

Hinter diesen Einzelschicksalen verbirgt sich ein großes Problem: Seit das Betreuungsrecht 1992 geändert wurde (kurz gefasst kann man sagen, dass damals die vorherige Entmündigung durch das neue Prinzip der Betreuung ersetzt wurde), hat sich die Anzahl der Menschen, die von Fremden vertreten werden, verdreifacht. Beinahe 1,3 Millionen Betreuungsfälle gibt es heute in Deutschland.

Was sind die Gründe für diesen markanten Anstieg? Wie kam es dazu? Darüber wird in dieser Sendung leider kaum debattiert. Das Ganze ist tatsächlich mehr Therapiesitzung als Diskussion. Und auch die, die eigentlich als Gegner prädestiniert sind, finden nicht zum Disput.

Rudi Assauers Tochter klärt auf

Professor Volker Thieler kämpft als Rechtsanwalt für Betreuungsopfer. Er vertritt auch Evelyn Angerer, die Tochter des verschwundenen Millionärs. Klaus Förter-Vondey ist Vorsitzender des Verbands der Berufsbetreuer. Thieler kritisiert die Betreuer aufs Schärfste – und Förter-Vondey gibt ihm recht. So schockierend wie die einzeln geschilderten Erlebnisse und schlechten Erfahrungen mit Betreuern auch sind, bleibt ihm gar keine andere Wahl.

Förter-Vondey wendet aber ein, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt – und dem stimmt auch der Opferanwalt zu. Eine verpflichtende Ausbildung für Betreuer und mehr Qualitätskontrollen fordern beide. Außerdem sollte das Betreuungsrecht reformiert werden.

Sie haben nur niemanden, den sie mit dieser Forderung konfrontieren könnten. Verantwortliche Politiker oder Juristen, die eine Position zu dem Thema beziehen könnten, wurden gar nicht eingeladen. Definitiv eine schlechte Entscheidung – denn so verläuft das Gespräch trotz vieler brisanter Fälle mehr und mehr ins Leere.

Wie man sich vor falscher Betreuung schützen kann, erfährt man schließlich von Bettina Michel, der Tochter von Rudi Assauer. Vor einem Jahr machte der Fußballmanager seine Alzheimer-Erkrankung publik. Weil Assauer sich vor Fremdbestimmung schützen wollte, stattete er seine langjährige Büroleiterin und einen engen Freund mit einer Vorsorgevollmacht aus. Bislang wird die zum Glück noch nicht benötigt. "Solange mein Vater noch entscheiden kann, solange er noch mit uns kommunizieren kann, entscheidet er auch alles selbst", stellt Bettina Michel klar.

Das sagten die Gäste von Sandra Maischberger

Evelyn Angerer,

Tochter des vermissten Millionärs Georg Luxi:

 

Wir haben keine Ahnung,

wo unser Vater sein könnte.

Wir wissen nicht einmal,

ob er überhaupt noch lebt.

Monika Peil,

Ehefrau eines Betreuungsopfers:

 

Die Betreuerin hat verfügt,

dass mein Mann direkt vom Krankenhaus

in ein Heim gebracht wurde.

Ich habe davon nur am Telefon erfahren.

Hiltrud Boldt-Schiffer,

Mitglied der "Bonner Initiative gegen Gewalt im Alter":

 

Das Infame ist,

dass das positive Klischee

von der Betreuung genutzt wird,

um Menschen zu entmündigen.

Volker Thieler,

Rechtsanwalt von Betreuungsopfern:

 

Die Betreuer haben umfassende Macht.

Die Angehörigen sind nur Zaungäste

und werden nicht gehört.

Klaus Förter-Vondey,

Vorsitzender des Bundesverbands der Berufsbetreuer/innen:

 

Es gibt kriminelle Betreuer.

Und es gibt Betreuer, die keine Ahnung haben.

Aber setzen Sie das doch in Relation

zu den vielen anderen.

Bleiben Sie auf dem Teppich!

Bettina Michel,

Tochter von Ex-Fußball-Manager Rudi Assauer,

der an Alzheimer erkrankt ist:

 

Mein Vater wollte lange nicht, dass irgendjemand

etwas von seiner Krankheit mitkriegt.

Lieber hat er in Kauf genommen,

dass die Leute denken,

er hätte ein Bier zu viel getrunken.

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